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Henkel sieht erst mittelfristig Besserung und trennt sich von Marken © Patrik Stolarz / AFP

Carsten Knobel.

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Carsten Knobel.

Redaktion 09.03.2020

Henkel sieht erst mittelfristig Besserung und trennt sich von Marken

Deutscher Konsumgüterkonzern zahlt keine höhere Dividende; neuer CEO: "Entwicklung entspricht nicht unseren Ambitionen"; Henkel-Chef Carsten Knobel steckt neuen strategischen Rahmen ab.

DÜSSELDORF. Der deutsche Konsumgüterkonzern Henkel will nach einem Gewinnrückgang 2019 mittelfristig wieder an bessere Zeiten anknüpfen. Dazu will der neue Chef Carsten Knobel das Markendickicht weiter lichten, in neue Produkte investieren, Prozesse verschlanken und einen stärkeren Fokus auf Nachhaltigkeit sowie Digitalisierung legen.

Im Jahr 2020 erwartet das Management wegen der aktuellen Konjunkturschwäche sowie höheren Investitionen jedoch erneut sinkende Ergebnisse. Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus setzt zudem noch ein Fragezeichen hinter die aktuelle Prognose.

Die Aktie verlor am Donnerstag (5. März 2020) gegen Mittag in einem schwachen Marktumfeld gut vier Prozent. Der Ausblick werfe mehr Fragen auf, als er Antworten angesichts des wichtigen Chinageschäfts gebe, schrieb Analystin Molly Wylenzek vom Analyshaus Jefferies in einer ersten Einschätzung. 2020 dürfte schwierig für Henkel werden.

"Zuletzt lag unsere Entwicklung insgesamt unter unseren Ambitionen und den Erwartungen unserer Aktionäre", räumte Knobel bei der Vorlage der Zahlen sowie des neuen Strategieprogramms in Düsseldorf ein. Er sei überzeugt, dass Henkel dies in Zukunft besser machen könne und werde. Dazu solle auch das Markenportfolio verbessert werden. Das treffe vor allem die Konsumentengeschäfte.

Insgesamt hat das Management Produkte mit einem Umsatz von über einer Mrd. € identifiziert, die als problematisch gelten. Rund die Hälfte davon soll bis 2021 verkauft oder eingestellt werden, erklärte der Manager, der Rest solle wieder auf Vordermann gebracht werden. Nähere Details über die zur Disposition stehenden Marken wollte Knobel zum aktuellen Zeitpunkt nicht nennen. Betroffen sein könnten jedoch seinen Aussagen zufolge auch unter anderem Teile des Waschmittelgeschäfts in Nordamerika. Gleichzeitig bleiben Zukäufe jedoch weiter auf der Agenda.

Zudem will Henkel die Investitionen erhöhen, um wieder zu einem Wachstum zurückzukehren. Verglichen mit 2018, will Henkel die Ausgaben für Werbung, Digitalisierung und IT um 350 Mio. € erhöhen. Außerdem will der Konzern nachhaltiger werden und bis 2025 den Kohlendioxid-Fußabdruck seiner Produktion um 65% reduzieren. Bis 2040 will das Unternehmen klimapositiv sein. Gleichzeitig will Henkel stärker an der Vermeidung von Kunststoffabfällen arbeiten.
Die Wachstumsaussichten für die kommenden Jahre bekräftigte Henkel. So will das Unternehmen mittel- bis langfristig den Umsatz organisch, sprich bereinigt um Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe, um zwei bis vier Prozent steigern. Dabei sieht Knoble das Wachstum eher am oberen Ende der Spanne. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll währungsbereinigt im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich wachsen. Ab welchem Jahr das Gewinnplus erreicht werden kann, wollte der Manager nicht sagen.

2020 wird jedoch wieder ein Übergangsjahr. Seine Mitte Dezember abgegebene Prognose bekräftigte das Management vorerst. So geht der DAX-Konzern wegen der Investitionen sowie eines schwächeren konjunkturellen Umfelds vor allem im Klebstoffgeschäft von einer weiteren Belastung der Ergebnisse aus.

Die bereinigte Umsatzrendite dürfte in diesem Jahr von 16 auf rund 15% sinken. Beim bereinigten Ergebnis je Vorzugsaktie erwartet Henkel bei konstanten Wechselkursen einen Rückgang um einen mittleren bis hohen einstelligen Prozentwert im Vergleich zu 5,43 € 2019. Das Umsatzwachstum aus eigener Kraft soll bei 0 bis 2 Prozent liegen. 2019 setzte Henkel 20,1 Mrd. € um und damit etwas mehr als im Vorjahr. Organisch – also bereinigt um Währungskurse sowie den Kauf und Verkauf von Unternehmensteilen – stagnierten die Erlöse jedoch.
Allerdings steht diese Prognose unter einem gewissen Vorbehalt. Denn noch ist offen, wie sich die wirtschaftlichen Folgen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus niederschlagen werden. Das erste Quartal dürfte jedoch "signifikant" belastet werden. So rechnet der Konzern bisher mit Umsatzeinbußen von etwa 100 Mio. €. Weiter wollte sich Henkel nicht äußern, die Situation sei derzeit schwer vorhersehbar.

2019 war ein schwaches Jahr für Henkel; die konjunkturabhängige Klebstoffsparte leidet vor allem unter der Schwäche der Autoindustrie. Der Kosmetikbereich kämpft weiter mit dem hohen Wettbewerbsdruck vor allem in Westeuropa. Lediglich im Geschäft mit Wasch- und Reinigungsmitteln erzielte Henkel ein organisches Umsatzplus. Hohe Investitionen führten aber auch hier wie bei den anderen Sparten zu einem Gewinnrückgang.

Das Nettoergebnis sank um knapp zehn Prozent auf rund 2,1 Mrd. €. Aktionäre sollen eine unveränderte Dividende von 1,85 € je Vorzugsaktie erhalten. (red)

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