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Nestlé stutzt Wachstumsprognose Fresenius

Ulf Schneider

Fresenius

Ulf Schneider

Redaktion 20.10.2016

Nestlé stutzt Wachstumsprognose

Nestlé wuchs langsamer, als von Experten erwartet (+3,3%); große Herausforderungen für den neuen Firmenchef Ulf Schneider.

VEVEY. Die schwache Wirtschaftsentwicklung in einigen Schwellenländern und Europa bremst Nestlé. Der für Marken wie Kitkat, Maggi oder Nescafé bekannte Schweizer Nahrungsmittelriese erwartet für das laufende Jahr nunmehr ein um Sondereffekte bereinigtes organisches Umsatzwachstum von 3,5 Prozent. Bisher hatten die Schweizer ein Plus auf dem Vorjahresniveau von 4,2 Prozent in Aussicht gestellt. Doch in den ersten neun Monaten wuchs Nestlé nur um 3,3 Prozent und damit langsamer als von Experten erwartet, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Insgesamt setzte der Konzern 65,5 Mrd. CHF (60,4 Mrd. €) um.

Vor allem in Europa und Asien kam der Konzern nicht recht vom Fleck - auch weil Preiserhöhungen angesichts der schwachen Konjunktur nur in geringem Maß möglich waren. Die Nestlé-Aktie verlor vorbörslich 1,7 Prozent an Wert. Eigentlich hatte sich Nestlé mittelfristig ein Wachstum von 5 bis 6 Prozent vorgenommen, dieses Ziel aber bereits in den vergangenen drei Jahren verfehlt. Abhilfe erwarten sich Investoren vom neuen Firmenchef Ulf Schneider; der ehemalige Lenker des Gesundheitskonzerns Fresenius tritt sein Amt offiziell zum Jahreswechsel an.

In seinem neuen Job muss Schneider einige Herausforderungen meistern: In China, wo Nestlé eine Absatzflaute bei der Marke Yinlu für Erdnussmilch und Reis-Porridge zu schaffen macht, sei das Umfeld weiterhin schwierig, hieß es in der Mitteilung. Der Konzern arbeite daran, eine Trendumkehr zu erreichen. In Indien - dort mussten die Eidgenossen im vergangenen Jahr nach einem Lebensmittelskandal vorübergehend ihre beliebten Maggi-Fertignudeln aus den Regalen nehmen - erreichte der Umsatz mit dem Snack 79% des Vorkrisenniveaus. Auch in Europa kämpft die Firma an mehreren Fronten: In Westeuropa seien die Preise wegen der Deflation zurückgegangen. Und die Entwicklung in Großbritannien, das sich im Juni für einen EU-Austritt entschieden hatte, sei herausfordernd.

Kepler-Cheuvreux-Analyst Jon Cox sprach von einem enttäuschenden Ergebnis. Die Vontobel-Bankexperten erwarten vom neuen Chef Schneider, dass er "neuen Schwung bringen und das Portfoliomanagement beschleunigen wird", wie sie erklärten. Gelingen könnte das mit der Übernahme rasch wachsender, renditestarker Unternehmen und dem Verkauf von schwächelnden Bereichen, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Anbieten könnte sich hier ein Ausbau des Gesundheitsgeschäfts, in dem sich Nestlé bisher auf Hautpflegeprodukte und Lebensmittel für kranke oder ältere Menschen konzentriert. Sein Vorgänger Paul Bulcke will im Frühjahr an die Spitze des Verwaltungsrats wechseln. (APA)

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