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Österreich importierte und exportierte 2019 jeweils über 20 Millionen lebende Nutztiere © Vier Pfoten
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Redaktion 10.02.2021

Österreich importierte und exportierte 2019 jeweils über 20 Millionen lebende Nutztiere

Vier Pfoten weist auf ein absurdes System Tiertransporte hin; EU für 80 Prozent der weltweiten Lebendtiertransporte verantwortlich.

WIEN. Lebende Tiere als Ware: Auch 2019 ist die Anzahl der Tiertransporte aus und nach Österreich erschreckend hoch, wie Vier Pfoten einer parlamentarischen Anfrage aus dem Sommer 2020 entnommen hat. Absurdes Detail: Etwa so viele Tiere, wie unser Land exportiert, werden demnach auch importiert. Die Einfuhren werden in der Beantwortung der Anfrage durch das zuständige Ministerium Anschober mit 20.537.403, die Ausfuhren mit 20.210.887 Nutztieren beziffert. Unter letzteren sind auch 20.310 Tiere, die in Drittstaaten exportiert wurden, wobei allerdings kein Geflügel mitgerechnet wurde. Die Anzahl der Geflügelexporte in Drittstaaten lag in den vergangenen Jahren immer über einer Million Tiere.

„Es ist ein absurdes und auch krankes System, das eine Fülle von Problemen und Fragen aufwirft. Bedenken wir, dass es sich um Lebewesen handelt, die unter teils qualvollen Bedingungen über Zigtausende Kilometer, oft wochenlang, durch mehrere Länder transportiert werden. Ist dies wirklich notwendig?“, sagt Eva Rosenberg, Direktorin von Vier Pfoten.

Laut EU-Verordnung dürfen Rinder insgesamt 29 Stunden transportiert werden, wobei eine Stunde Pause eingehalten werden muss. Bei Schweinen beträgt die zulässige Transportdauer ohne Pause 24 Stunden. Nach einer Pause von 24 Stunden darf die Maximaldauer aber beliebig oft wiederholt werden. Auch nicht-entwöhnte, also noch säugende Jungtiere, dürfen transportiert werden.

„Wenn wir von Drittstaaten sprechen, dann bedeutet das Länder wie die Türkei, Aserbaidschan oder Usbekistan. Abgesehen davon, dass die Haltungs- als auch die Schlachtungsbedingungen dort wesentlich niedriger sind, haben wir keine Kontrollmöglichkeit darüber, was mit den Tieren vor Ort geschieht. Das ist insbesondere beim lukrativen Export von Zuchtrindern problematisch: Immer wieder enden für die Zucht ausgeführte Tiere vor Ort erst recht als Schlachtvieh“, erklärt Rosenberg.

Lust auf Billigfleisch lässt Tiertransporte explodieren
Die Motivation für dieses Hin- und Hergeschiebe von lebenden und fühlenden Tieren ist in der Regel die Produktion unter möglichst billigen Bedingungen und die Umgehung von Tierschutzstandards. Ein gutes Beispiel dafür sind die oft kritisierten Kälbertransporte: Im Ausland ist die Mast oft billiger, und die Kälber dürfen ausschließlich mit einer Mischung aus Wasser, Milchpulver und Palmöl gefüttert werden, um das Fleisch möglichst weiß zu halten. Diese tierquälerische Mast ohne eisenhaltiges Raufutter wäre in Österreich nicht erlaubt. Also werden österreichische Kälber in andere Länder zur Mast geschickt, das billige Fleisch wird dann wieder eingeführt. Österreichische Konsumentinnen und Konsumenten bekommen im Großteil der Fälle in der Gastronomie dieses weiße, importierte Tierqual-Kalbfleisch vorgesetzt, meistens ohne es zu wissen.

„Wir sprechen von einer Situation, die in den letzten Jahrzehnten völlig außer Kontrolle geraten ist. Als  Konsumenten sollten wir uns fragen: Wollen wir das wirklich? Wohin führt ein derart industrialisiertes System, das Tiere als reine Ware betrachtet? Müssen wir wirklich immer mehr und immer billigeres Fleisch essen? Und da reden wir noch gar nicht über den ökologischen Irrsinn, dass Millionen von Tieren mit Lkws völlig unnötig quer durch Europa gefahren werden“, meint Eva Rosenberg.

Ein entscheidender Schritt, um Tiertransporte langfristig einzudämmen, ist für Vier Pfoten eine lückenlose Kennzeichnung aller tierischen Produkte nach Herkunft und Haltung, auch in verarbeiteten Produkten und in der Gastronomie. „Es ist völlig unverständlich, wieso diese logische Forderung, die seit langem von vielen Seiten geäußert wird, immer noch nicht Realität ist”, so Rosenberg. Außerdem fordert Vier Pfoten neben einem Stopp von Lebendtiertransporten in Drittstaaten und einer Begrenzung der Transportzeit auf maximal acht Stunden auch ein Verbot des Transports von nicht-entwöhnten Jungtieren.

„Monster EU“: 80 Prozent der weltweiten Lebendtiertransporte
Erschreckende Zahlen kamen vor Kurzem auch von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Demnach gehen auf das Konto der EU 80% der weltweiten Lebendtiertransporte. Insgesamt sind 2019 laut FAO 1,8 Mio. Geflügel, Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen innerhalb der EU über eine nationale Grenze verbracht worden.

„Die EU hat hier unter dem alles rechtfertigenden Deckmantel des freien Warenverkehrs ein Monster kreiert“, kritisiert Eva Rosenberg. „Nach wie vor gilt außerdem: Die gesetzlichen Vorschriften und Kontrollen innerhalb der EU sind völlig unzulänglich. Zudem werden Übertretungen kaum sanktioniert.“

Vor einigen Tagen hat die Dachorganisation der europäischen Tierschutzorganisationen Eurogroup for Animals, zu der auch Vier Pfoten gehört, ein „White Paper“ zu Tiertransporten veröffentlicht. Im Hinblick auf die unzureichende Exekution der ohnedies sehr schwachen EU-Transportverordnung macht die Eurogroup darin konkrete Vorschläge zu einer Verbesserung der Richtlinien und der Implementierung. Über ein effizientes Berichtssystem sollen sowohl das Kontrollwesen als auch die Transparenz erheblich verbessert werden. (red)

Link zur Vier Pfoten Petition gegen Tiertransporte: https://help.four-paws.org/de-AT/stoppt-grausame-lebendtiertransporte

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