„Sehen starke Nachfrage punkto Nachhaltigkeit“
© Christian Dusek
RETAIL Redaktion 23.01.2026

„Sehen starke Nachfrage punkto Nachhaltigkeit“

Die neue Bipa-Geschäftsführerin Daniela Reumann über Trends im Sortiment, KI-Bots und Awareness.

••• Von Georg Sohler

Schon seit langem gibt es in Drogeriemärkten Produkte, die weit über die ersten Angebote mit Heilkräutern und Hygieneangeboten hinausgingen. Von den Ursprüngen sind die heutigen Drogeriemärkte weit entfernt, und die Veränderung hört nicht auf. „Der Markt entwickelt sich dynamisch und spiegelt die veränderten Bedürfnisse der Konsumenten wider. Kunden erwarten heute Convenience und Inspiration – sie möchten in einem Geschäft möglichst viele Bedürfnisse abdecken“, erklärt die seit September 2025 in dieser Funktion befindliche Bipa-Geschäftsführerin Daniela Reumann gegenüber medianet.
Das führt dazu, dass Sortimente breiter werden, etwa durch Food-Snacks oder Tierpflegeprodukte. Neben neuen Produkten wünschen Kunden auch bekannte Angebote in verbesserter Qualität. „Gleichzeitig sehen wir eine starke Nachfrage nach Individualisierung und Nachhaltigkeit: Produkte mit klarer Herkunft, umweltfreundlichen Verpackungen und verantwortungsvoller Produktion gewinnen an Bedeutung.“

Wachstumstreiber Gesundheit
Ein großer Trend ist aktuell und anhaltend das Thema Gesundheit und Wohlbefinden. Die Kundschaft sucht „ganzheitliche Lösungen für ein aktives, vitales Leben.“ Das zeigt sich in Trends wie funktionaler Ernährung, Sport- und Proteinnahrung oder Longevity. „Für uns bei Bipa bedeutet das, dass wir unser Sortiment kontinuierlich weiterentwickeln, um diese Trends aufzugreifen und unseren Kunden in jeder Lebenslage ein modernes, vielfältiges Einkaufserlebnis zu bieten“, so Reumann. Dazu braucht es ein entsprechend geschultes Personal, dessen Weiterentwicklung von Bipa aktiv gefördert wird. Die Mitarbeiter werden regelmäßig geschult, unter anderem direkt von der Bipa-Gesundheitsexpertin Eva Paschinger: „Dafür nutzen wir verschiedene Tools und Formate, sodass jeder die passende Lernmöglichkeit findet.“ Mit diesen Maßnahmen will man erreichen, dass das Team – gerade im Gesundheitsbereich – auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen kann.

KI-gestützte Beratung
Um dies noch besser zu machen, lässt sich Bipa von der Künstlichen Intelligenz unterstützen. Diese spielt bei der Drogeriemarktkette eine zentrale Rolle in der Wissensvermittlung und Unterstützung der Mitarbeiter. In Zusammenarbeit mit Google Cloud wurde ein KI-Bot entwickelt, das Tool nennt sich „Haidi“. Der Bot macht internes Wissen jederzeit und in mehreren Sprachen zugänglich. Dadurch können Fragen zu Prozessen, Produkten oder Services sofort beantwortet werden – ohne lange Suche. Das verbessert die Beratungsqualität in den Filialen und erleichtert für neue Kollegen den Einstieg. „KI hilft uns, Informationen effizient bereitzustellen, Schulungsaufwand zu reduzieren und die Servicekompetenz zu steigern“, resümiert Reumann.

In anderen Bereichen setzt man ebenfalls auf KI. In den Arbeitsabläufen selbst verwendet man verschiedene Tools, neben der Unterstützung der Mitarbeiter geht es hierbei um effizienteres Arbeiten: „Gleichzeitig entwickeln wir uns kontinuierlich weiter und prüfen laufend neue Technologien, um zusätzliche Hilfen zu schaffen.“
Awareness erhöhen
Unterstützung für die Kundschaft liefern zudem Awareness-Kampagnen, Stichwort Movember oder das Webinar „Sex in der Menopause“. Diese Themen sind der Kette wichtig, da man die Stimme nutzen möchte, um Awareness zu schaffen und Tabus – insbesondere rund um Frauengesundheit – zu brechen: „Im Frühjahr 2025 haben wir beispielsweise eine österreichweit repräsentative Frauengesundheitsstudie durchgeführt, um Wissenslücken und Bedürfnisse aufzudecken.“
Auf Basis dieser Ergebnisse werden Initiativen entwickelt, die relevante Informationen bieten und Mehrwert schaffen sollen. „Dabei setzen wir auf kostenlose, glaubwürdige Inhalte mit externen Expertinnen – etwa über unsere Landingpage www.bipa.at/ehrlichgesagt oder Webinare. So positionieren wir Bipa als verlässliche Partnerin für Themen, die bewegen.“

Kommunikationsstrategie
Um die eigene Community passend zu informieren, versucht man in der Kommunikation mit verschiedensten Maßnahmen Wissen zu vermitteln und Aufklärung zu betreiben. Denn gerade, wenn es um Gesundheit bzw. den eigenen Körper geht, ist es entscheidend, glaubwürdig und transparent zu bleiben. „Wir setzen auf bekannte österreichische Influencer“, sagt Reumann, die auch betonte, dass man auf die Mitarbeiter, Lehrlinge und Make-up-Artists setzt, um „Authentizität und Nähe zur Kundschaft zu schaffen. Zusätzlich testen wir neue Formate wie Live-Shopping, um den direkten Austausch mit der Community zu fördern.“

Expansion umgesetzt
All diese Maßnahmen sind einfacher umzusetzen, wenn das Geschäft auch hinsichtlich der Wirtschaftsdaten stimmt. Das ist nicht so einfach. Denn die Teuerung führt dazu, dass verschiedene Segmente, konkret die Mitte, weniger gekauft werden. Bipa hat eine Antwort: „Wir sehen die Marktbewegungen. Unser Sortiment deckt bewusst alle relevanten Segmente ab. Kunden schätzen diese Vielfalt.“

2024 wurde die Umsatzmilliarde geknackt. Während man in Österreich zwischen 2021 und 2024 um 25% zulegte, waren es in Kroatien 72%. Dort ist Bipa seit 2007 vertreten, 2026 folgt der Eintritt in Rumänien. Überdies wächst der Onlinebereich kontinuierlich: Bereits seit 2024 kooperiert man mit Foodora und baute den Service vor einem Jahr weiter aus. Der Drogeriemarkt setzt also einiges daran, die Qualität hochzuhalten und stellt sich der Verantwortung, als eine der großen Ketten des Landes eine Informationsrolle einzunehmen. Die nächsten Wirtschaftszahlen werden zeigen, wie sehr diese Strategie aufgeht.

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