Meta führt Standortgebühr ein
© leisure communications/Christian Jobst
Eugen Schmidt, Präsident der Agenda 2050 und Geschäftsführer von AboutMedia.
MARKETING & MEDIA Redaktion 16.03.2026

Meta führt Standortgebühr ein

Neue Regelung betrifft Werbeschaltungen auf Facebook, Instagram und WhatsApp. AGENDA 2050 sieht mögliche Auswirkungen auf den österreichischen Medienmarkt und warnt vor zusätzlichem Mittelabfluss zu globalen Plattformen.

WIEN. Der Technologiekonzern Meta Platforms will ab 1. Juli 2026 eine sogenannte Standortgebühr für Werbung einführen. Nach Angaben der Initiative Agenda 2050 werde damit die in mehreren europäischen Ländern geltende Digitalsteuer künftig auf Werbetreibende umgelegt. Maßgeblich sei dabei nicht der Sitz des werbenden Unternehmens, sondern jenes Land, in dem die Werbung ausgespielt wird.

Für Österreich und die Türkei soll die Gebühr künftig fünf Prozent betragen, für Frankreich, Italien und Spanien drei Prozent sowie für das Vereinigte Königreich zwei Prozent. Laut der Medieninitiative könnten Werbetreibende dadurch indirekt jene Abgaben tragen, die ursprünglich globale Plattformen leisten sollten.

Die Initiative verweist darauf, dass der Mutterkonzern der Plattformen Facebook, Instagram und WhatsApp im Jahr 2025 einen Gewinn von 83,3 Milliarden US-Dollar erzielt habe. Trotz dieser Ergebnisse würden die zusätzlichen Kosten künftig in die Werbebudgets eingerechnet.

„Die Einführung der Standortgebühr zur Kompensation der Digitalsteuer durch die Werbetreibenden selbst lässt Schlimmes befürchten. Potenziell werden weitere fünf Prozent der Werbespendings dem österreichischen Medienmarkt entzogen. Bei Gesamt-Spendings bei Big Tech von 2,7 Milliarden Euro wären das bis zu 135 Millionen Euro jährlich, wenn auch andere Tech-Giganten diesem Beispiel folgen. Das ist etwa die Summe, mit der die Transformationsförderung in Österreich für fünf Jahre dotiert war! Die potenziellen Mehreinnahmen der globalen Plattformen entsprechen etwa 7,5 Prozent der gesamten Werbeeinnahmen österreichischer Medien und deren Vermarkter im Jahr 2025. Die Steuervermeidungspolitik von Meta ist eine unmittelbare Gefahr für den österreichischen Medienstandort“, warnt Eugen Schmidt, Präsident der Agenda 2050 und Geschäftsführer von AboutMedia.

Druck auf Werbebudgets
Nach Einschätzung der Initiative falle die Maßnahme in eine Phase wirtschaftlicher Unsicherheit. Werbetreibende agierten aufgrund der wirtschaftlichen Lage und geopolitischer Entwicklungen derzeit zurückhaltend. Gleichzeitig sei unklar, welche Auswirkungen mögliche steigende Ölpreise auf die Gesamtwirtschaft haben könnten.

Vor diesem Hintergrund sei laut Agenda 2050 nicht davon auszugehen, dass Werbebudgets kurzfristig steigen. Vielmehr bestehe die Gefahr, dass innerhalb bestehender Budgets weitere Mittel zu den Plattformen des Konzerns verlagert werden und damit der nationale Medienmarkt zusätzlich unter Druck gerät.

Appell an Werbetreibende
Die Initiative bewertet die Standortgebühr als Maßnahme, die europäische und nationale Steuerregelungen unterlaufe. Sie ruft Werbetreibende dazu auf, ihre Investitionen in Werbung auf den Plattformen des Konzerns zu überdenken und sich nicht zu höheren Ausgaben verpflichten zu lassen.

Über die Agenda 2050
Die Agenda 2050 ist eine Initiative zur Stärkung, Sicherung und Entwicklung des Medienstandorts Österreich. Ziel ist es laut Eigendarstellung, ein qualitativ hochwertiges, journalistisch verlässliches und pluralistisches Medienangebot zu sichern und gemeinsam mit Werbetreibenden, Interessenvertretungen und politischen Entscheidungsträgern einen wirtschaftlich wettbewerbsfähigen Medienmarkt weiterzuentwickeln. Zu den Gründungsmitgliedern zählen AboutMedia, Azerion, COPE Content Performance Group, Der Standard, Kronen Zeitung, ORF-Enterprise, ProSiebenSat.1 PULS 4, Purpur Media und RTL AdAlliance. (red)

Dazu lesen Sie einen ausführlichen Artikel und Reaktionen der Branche in unserer kommenden Printausgabe.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL