Ein Rückblick auf die konjunkturelle Entwicklung seit der letzten medianet-xpert-Sonderausgabe im Mai des Vorjahrs: Österreichs Wirtschaft, das ist die gute Nachricht, tastete sich seit dem Frühjahr 2025 langsam aus einer Phase erhöhter Unsicherheit. Nach schwacher Industrieproduktion und gedämpfter Investitionsbereitschaft im Vorjahr zeigen einzelne Frühindikatoren seither vorsichtige Stabilisierungstendenzen.
Auf brüchigem Fundament
Allerdings steht die konjunkturelle Belebung auf wackligen Beinen: Eine „fragile Erholung“, die stark von externen Faktoren abhängt, ortete Wifo-Chef Gabriel Felbermayr. Insbesondere die Entwicklung in Deutschland – nach wie vor wichtigster Handelspartner – bleibt ein entscheidender Einflussfaktor für die heimische Exportwirtschaft. Gleichzeitig wirken sich geopolitische Spannungen dämpfend aus. Der anhaltende Konflikt in der Ukraine, jener in Nahost sowie zunehmende Handelsbarrieren zwischen großen Wirtschaftsblöcken sorgen für volatile Energiepreise und erschweren langfristige Planungen. „Die Lage ist volatil“, bestätigte kürzlich IHS-Chef Holger Bonin. Der Iran-Krieg könnte Österreich im schlimmsten Fall wieder in die Rezession rutschen lassen.
Auf der Inflationsseite hat sich die Lage seit Mitte 2025 etwas entspannt, bleibt aber über dem langfristigen Zielniveau. Die restriktive Geldpolitik der EZB zeigt Wirkung, dämpft jedoch zugleich die Kreditvergabe und Investitionstätigkeit. Die Herausforderung besteht darin, die Balance zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumsimpulsen zu halten.
Fiskalpolitisch steht Österreich vor einer Phase der Konsolidierung. Das geplante Doppelbudget 2027/28 signalisiert zwar den Willen zur Haushaltsdisziplin, wirft jedoch Fragen nach der konkreten Ausgestaltung auf. „Es müssen alle über ihren Schatten springen, und Dinge, die gestern noch tabuisiert waren, müssen zulässig werden“, hatte Fiskalratschef Christoph Badelt im Vorfeld gefordert. Wenn die Regierung glaubhaft vermittle, dass sie nicht nur die Budget-, sondern auch die Strukturprobleme angehen will, würde das im Land „ein Klima des Optimismus“ auslösen.
Parallel dazu verändern technologische Entwicklungen die wirtschaftliche Landschaft. Die zunehmende Verbreitung von Künstlicher Intelligenz wirkt als Produktivitätsmotor, stellt Unternehmen aber auch vor neue Herausforderungen.
KI und die Kreativbranche
In der Kreativ- und Kommunikationsbranche zeigt sich diese Dynamik besonders deutlich: Automatisierung und datengetriebene Kampagnen eröffnen neue Möglichkeiten, erhöhen aber zugleich den Wettbewerbsdruck.
Die österreichische Kreativindustrie wirkt stabil – tatsächlich steht sie unter erheblichem Anpassungsdruck. Agenturen und Medienhäuser bewegen sich in einem Spannungsfeld aus technologischer Disruption, wachsendem Preisdruck und unsicheren Geschäftsmodellen.
Agenturen kämpfen mit einer zeitgleichen Plus-/Minus-Entwicklung: KI steigert Effizienz, macht kreative Leistungen aber zugleich austauschbarer. Parallel dazu steigen Anforderungen, während Budgets stagnieren. Der klassische Kreativdienstleister wandelt sich zum hybriden Berater – doch nicht alle schaffen diesen Sprung. Auch Medienhäuser stehen vor einer Neuordnung: Reichweite zerfällt, Aufmerksamkeit fragmentiert sich. Relevanz lässt sich zwar punktuell steigern, aber immer schwerer monetarisieren. Wertschöpfung wandert zu Plattformen, während klassische Erlösmodelle unter Druck geraten.
Hinzu kommt eine strukturelle Schwäche: Die Branche ist kleinteilig, oft unterkapitalisiert und international wenig skalierbar. Förderungen helfen, ersetzen aber kein tragfähiges Geschäftsmodell. Die Kommunikationsbranche ist damit kein Krisensektor im klassischen Sinn, wohl aber ein Sektor im strukturellen Wandel. Ihre Relevanz steigt – ihre wirtschaftliche Grundlage wird unsicherer.
Fazit: Die Wirtschaft befindet sich in einer Übergangsphase: zwischen vorsichtiger Erholung, strukturellem Anpassungsbedarf und globalen Unsicherheiten. Oder, nüchtern formuliert: Der Aufschwung ist möglich – aber er ist kein Selbstläufer.
Mindshare erneut Ranking-Gewinner
Die focus.xpert-Rankings der Mediaagenturen standen unter dem Eindruck wirtschaftlich angespannter Zeiten. So liegt die Gesamtsumme beim Bruttowerbewert der teilnehmenden Agenturen
