WIEN Nun hat auch der internationale Medienmanager Johannes Larcher seine Bewerbung um die Funktion des ORF-Generaldirektors für die Periode 2027 bis 2031 bekanntgegeben. Der frühere Manager von HBO Max, Hulu, Warner Media, MBC Shahid und ehemalige CEO der Storytel Group positioniert sich als unabhängiger Kandidat mit internationaler Medien- und Transformationserfahrung und kündigt eine umfassende Erneuerung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks an.
Dem Unternehmen, welches er künftig führen will streut er zwar Rosen, übt aber auch Kritik: „Der ORF ist für Österreich unverzichtbar. Er stiftet Identität, stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und leistet täglich einen Beitrag zur demokratischen Öffentlichkeit, den kein privater Anbieter ersetzen kann. Doch die Entwicklungen der letzten Monate haben das Vertrauen in dieses wichtige Unternehmen tief erschüttert. Das ist nicht akzeptabel – aber es ist umkehrbar", so Larcher.
Im Zentrum seines Konzepts stehen fünf strategische Schwerpunkte. Larcher sieht insbesondere bei Vertrauen und Glaubwürdigkeit Handlungsbedarf und fordert strukturelle Veränderungen in der Informationsorganisation. Vorgesehen wäre unter anderem eine eigenständige Informationsdirektion mit klarer Verantwortung über sämtliche Informationsformate hinweg. Der ORF brauche „keine kosmetischen Korrekturen, sondern mutige und klare Führung durch ein unabhängiges Management mit tiefer Erfahrung im B2C Mediengeschäft und mit erfolgreichen Transformationsprozessen in grossen Unternehmen“, erklärt Larcher.
Österreich und Regionen stärken
Inhaltlich würde Larcher Österreich, seine Regionen und lokale Inhalte stärker ins Zentrum rücken. Gleichzeitig würde er mehr in junge Talente sowie Inhalte für Kinder und Jugendliche investieren. Ziel sei es, jüngere Zielgruppen früher an den ORF zu binden.
Gleichzeitig soll der ORF "seine Präsenz auf digitalen Drittplattformen wie YouTube, Instagram und TikTok strategisch ausbauen – so wie es Vorbilder wie die BBC seit Jahren erfolgreich demonstrieren. Partnerschaften mit privaten österreichischen Qualitätsmedien zur Stärkung des ORF und des Medienstandorts Österreich insgesamt spielen in seinem Plan eine bedeutende Rolle“, so Larcher in einer Aussendung anlässlich seiner Bewerbung.
100 Mio. Euro Einsparungen
Auch wirtschaftlich kündigt der Kandidat proaktiv tiefgreifende Maßnahmen an. Mindestens 100 Mio. Euro jährlich würden laut seinen Plänen durch Programmoptimierung, weniger Doppelgleisigkeiten, geringeren administrativen Aufwand und KI-gestützte Produktivitätssteigerungen eingespart werden können. „Effizienz zwingt uns, klüger zu werden." Trotz Sparmaßnahmen will er aber gleichzeitig „das Programm und die journalistische Substanz“ schützen.
Darüber hinaus stellt Larcher einen Kulturwandel im Unternehmen in Aussicht. Er will den ORF zu einem "modernen, leistungs- und innovationsorientierten Unternehmen entwickeln – mit fairen Gehaltsstrukturen, konsequenter Compliance, einem Chief People Officer als direkt dem Generaldirektor unterstellte Schlüsselfunktion zur Evolution der Unternehmenskultur, und stark verbessertem Mitarbeiterdialog. Sonderverträge und Machtmissbrauch haben im neuen ORF keinen Platz."
Ob die von Larcher angekündigten 100 Mio. Euro Sparpotential reichen würden, muss offen bleiben, droht dem ORF doch bereits jetzt schon durch diverse von der Regirung geplanten Maßnahmen eine zusätzlich zum laufenden Sparprogramm neue Lücke von gut 200 Mio. Euro, die es duch Sparmaßnahmen zu schließen gilt. Hier hatte ja die amtierende ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher bereits mehrfach öffentlich gesagt, dass man diese 200 Mio. Euro als Zuseherin und Zuseher ab dem kommenden Jahr spüren werde. (red)