Neue ÖBB-Ausbildung für Leistungssportler
© ÖBB/Lukas Leonte
CAREER NETWORK Redaktion 03.09.2026

Neue ÖBB-Ausbildung für Leistungssportler

Für Leistungssportler bieten die ÖBB nun eine maßgeschneiderte Ausbildung zum Fahrdienstleiter neben der Sport-Karriere an.

•• Von Alexander Haide

Karriere im Leistungssport, abgesichert durch eine berufliche Ausbildung als Fahrdienstleiter. Das ist das Motto, unter dem die neue Berufschance bei den ÖBB steht. Damit wollen die ÖBB neue Perspektiven für aktive Leistungssportler schaffen. Ein eigens konzipiertes Ausbildungsprogramm zum Fahrdienstleiter macht es möglich, Sport und berufliche Qualifikation optimal zu verbinden. Das Programm wurde in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Eisenbahnersport entwickelt, der auch künftig als Partner in sportlichen Fragen zur Seite steht.

Derzeit befinden sich die ÖBB noch in der Recruitingphase, denn der erste Ausbildungskurs beginnt Anfang Dezember. Die Hintergründe und Motivation für die neue Kombination von Sport und Beruf bei den ÖBB beleuchtet Ursula Bazant, Geschäftsbereichsleiterin „Aus- und Weiterbildung“ im medianet-Interview.

medianet: Wie sieht die Personalsituation bei den ÖBB im Allgemeinen aus?
Ursula Bazant: Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder sehr viele Mitarbeiter gesucht. Da ich für die fachliche Ausbildung zuständig bin, liegt die Verantwortung von den Lehrlingen bis zu den einzelnen, unterschiedlichen Berufen bei mir. Wir suchen noch immer Mitarbeiter, denn wir nehmen rund 4.300 neue Kollegen pro Jahr auf.

medianet: Was war die Motivation, ein Ausbildungsprogramm für Leistungssportler zu etablieren?
Bazant: Wir sehen seit einiger Zeit während der Ausbildung, aber auch beim Übergang von der Ausbildung zum Berufsleben, dass wir Mitarbeiter gut auf jene Tätigkeit, die sie später ausüben werden, vorbereiten. Das betrifft das Inhaltliche.
Wir konnten aber feststellen, dass es schwierig ist, von der theoretischen Situation der Ausbildung in eine verantwortungsvolle Position umzusteigen. Das Umschalten in das eigene Verantwortungsbewusstsein muss von null auf hundert funktionieren. Das erfordert ein hohes Maß an Stressresilienz und war für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zum Teil schwierig. Diesen Umstieg können wir natürlich nicht simulieren, auch wenn wir sie auf diese psychische Belastungssituation vorbereiten. Was wir bei Leistungssportlern bereits vorfinden ist eine hohe Stressresilienz, ein hohes Verantwortungsbewusstsein und ein hohes Maß an Selbstorganisation.
Sportler stehen oft vor der Herausforderung, dass sie neben ihrem Sport auch etwas verdienen müssen. Es ist also sowohl für die Sportler als auch für uns eine vorteilhafte Kombination.

medianet: Ist das ein ähnliches Modell wie beim Bundesheer? Werden Mitarbeiter später auch für Wettkämpfe freigestellt, oder beschränkt sich das auf die Ausbildungszeit?
Bazant: Wir verwenden das als Recruiting-Instrument und wollen damit Mitarbeiter gewinnen. Das ist schon ein Unterschied zu dem, was der Heeressport anbieten kann. Zudem bietet der Heeressport für jede Sportart nur eine gewisse Anzahl an Plätzen an, wir wollen damit langfristig Mitarbeiter gewinnen.

medianet: Wie gestaltet sich der Auswahlprozess bei Ihnen?
Bazant: Wir teilen die Ausbildungsplätze nicht in einzelne Sportarten auf, aber es müssen sportliche Erfolge nachgewiesen werden. Es reicht nicht aus, zwei Mal in der Woche Tennis zu spielen. Um die sportliche Qualifikation abzuprüfen, hilft uns der Österreichische Eisenbahnersport, bei dem auch einige ehemalige Athleten und Athletinnen beschäftigt sind. Es geht aber nicht darum, die oder der Beste in einer Sportart zu sein, sondern unser strenges Auswahlverfahren zu meistern. Es wird sowohl die psychologische als auch die körperliche Eignung geprüft, es gibt ein Auswahlgespräch und wir simulieren die Aufgaben, die später zu erfüllen sind. Da muss jeder durch, um einen der 16 Plätze zu bekommen. Das umfasst einen Kurs und danach evaluieren wir die Ergebnisse.

medianet: Es geht also in erster Linie um die Eignung für den Beruf des Fahrdienstleiters und erst in zweiter Linie um die sportliche Qualifikation?
Bazant: Ja, denn wir benötigen Fahrdienstleiter und es geht nicht ausschließlich um die Förderung des Sports.

medianet: Was sind die Aufgaben eines Fahrdienstleiters?
Bazant: Das ist vergleichbar mit den Fluglotsen in einem Tower, nur überwachen sie den Bahnverkehr über Monitore in einer bestimmten Region.

medianet: Welche Sportarten kommen in Frage?
Bazant: Dafür gibt es Kriterien. Es müssen Athleten sein, die aus Bundessportfachverbänden kommen. Dafür gibt es ein eigenes Bundesgesetz. In ihm ist festgelegt, welche Sportarten in Frage kommen. Dazu müssen Bewerber regelmäßig mehrmals pro Woche Trainingseinheiten absolvieren. Zudem halten wir mit den Verbänden Rücksprache, ob diese Personen auch an Wettkämpfen aktiv teilnehmen und dafür nominiert werden. Damit ist die sportliche Eignung sichergestellt.

medianet: Inwiefern unterscheidet sich der Ausbildungskurs für Sportler vom üblichen Format?
Bazant: Er dauert deutlich länger, denn bei den Inhalten können wir keine Abstriche machen. Normalerweise dauert die Ausbildung zum Fahrdienstleiter rund ein halbes Jahr in Vollzeit, jene für Leistungssportler etwa doppelt so lange – in Teilzeit. Der Kurs läuft von Montag bis Donnerstag, damit die Auszubildenden an einem Ligabetrieb teilnehmen können. Und wir beginnen auch immer erst um zehn Uhr vormittags und die Kurse enden um 15:30 Uhr, damit es genügend Zeit für Trainingseinheiten gibt.

medianet: Wie verhält es sich mit Freistellungen für Wettkämpfe, die nicht in die unterrichtsfreie Zeit fallen?
Bazant: Wir können nicht auf alle Bedürfnisse eingehen, was nicht für jeden Leistungssportler und jede Sportart passen wird. Es gibt Sportarten, bei denen mehrwöchige Trainingscamps abgehalten werden. Das geht sich mit unserer Ausbildung nicht aus.

medianet: Damit sind aber absolute Spitzensportler ausgeschlossen?
Bazant: Deshalb konzentrieren wir uns auf Leistungssportler, aber wir werden vermutlich keinen Olympiasieger oder Weltmeister bei uns haben.

medianet: Die ÖBB wird die Sportler nicht branden?
Bazant: Nein, wir würden uns freuen und es uns wünschen, dass die Teilnehmer beim Österreichischen Eisenbahnersport Mitglied sind. Aber die Ausbildung ist für uns kein Marketinginstrument.

medianet: Wie war der Andrang bei den Info-Tagen und wie viele Kursteilnehmer wurden bereits ausgewählt?
Bazant: Bei jedem der beiden Info-Tage waren jeweils rund zwanzig bis 30 Personen dabei. Beworben haben sich dann insgesamt etwa 30 Kandidaten und Kandidatinnen, wobei sich die Hälfte im Recruiting-Prozess befindet. Es dauert deshalb länger, da der Beruf des Fahrdienstleiters einer der herausforderndsten bei den ÖBB ist und die besten Karrierechancen bis ins Management ­bietet.

medianet: Den ÖBB ist die Gleichstellung sehr wichtig. Gibt es eine Geschlechterquote?
Bazant: Nein, die gibt es generell bei den Fahrdienstleitern nicht.

medianet: Wartet nach der Ausbildung eine Job-Garantie?
Bazant: Ja, und sobald der Kurs beginnt, sind die Teilnehmer ÖBB-Mitarbeiter mit allen Vorteilen, Benefits und Gehalt.

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