••• Von Evelyn Holley-Spiess
WIEN. Die Ausgestaltung eines europäischen Gesundheitssystems nimmt konkrete Züge an. Mit Februar dieses Jahres wurden erste Schritte gesetzt: Dabei geht es um den Start des EU-Rezepts und die Einführung der EU-Patientenkurzakte – zwei Kernservices von MyHealth@EU in Österreich. „Damit profitieren Patienten erstmals spürbar vom europäischen Gesundheitsdatenaustausch“, ist Gesundheitsministerin Korinna Schumann überzeugt. „e-Rezepte können künftig im EU-Ausland eingelöst werden und im Behandlungsfall stehen den Ärzten wichtige Gesundheitsinformationen sofort zur Verfügung – sicher, datenschutzkonform und freiwillig“, ergänzt die Ministerin.
Schrittweiser Ausbau
Mit Stichtag 25. Februar 2026 konnten in Österreich ausgestellte elektronische Rezepte erstmals in einem anderen teilnehmenden MyHealth@EU-Staat eingelöst werden. Zu Beginn gilt das Service zwischen Österreich und Tschechien, weitere Länder folgen schrittweise, heißt es. Ab 2029 wird das EU-Rezept in allen EU-Staaten verpflichtend verfügbar sein. Zielgruppe sind Personen, die sich im Ausland aufhalten und Zugang zu ihren elektronisch verordneten Medikamenten benötigen, etwa Studenten, Pendler, oder auch chronisch Kranke, die sich auf Urlaub befinden.
Für Apotheken wiederum bedeutet das EU-Rezept eine Erweiterung ihres Versorgungsauftrags. Sie können – entsprechend den teilnehmenden MyHealth@EU-Staaten – sukzessive elektronische Rezepte für Patienten aus diesen Ländern einlösen. Das Service könnte gerade im grenznahen Raum wichtig sein.
Standardisierte Daten
Auch die EU-Patientenkurzakte zählt zu den ersten Projekten bei der Vernetzung. Mit ihrer Hilfe können Ärzte in Österreich bei der Behandlung von Patienten aus den MyHealth@EU-Staaten eine standardisierte medizinische Zusammenfassung abrufen. Im Umkehrschluss liegt der Vorteil für Patienten darin, dass über Grenzen und Sprachbarrieren hinweg Gesundheitsdaten bei einem Arztbesuch verfügbar sind und etwa Doppeluntersuchungen verhindert werden.
