Impf-Monopol fällt
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Die Impfquoten in Österreich sind im Keller. Das Impfen in Apotheken soll eine Trendumkehr bringen, hofft die Politik.
HEALTH ECONOMY Redaktion 06.03.2026

Impf-Monopol fällt

Schon ab kommendem Jahr soll in Apotheken geimpft werden können. So sieht es der Plan der Regierung vor.

••• Von Evelyn Holley-Spiess

WIEN. Des einen Freud, des anderen Leid: Jahrelang gab es hitzige Debatten zwischen der Ärztekammer und der Apothekerschaft, ob Impfen in Apotheken erlaubt sein soll. Die immer wieder dokumentierte schwache Impfquote hierzulande – zuletzt auch bei Gratis-Impfprogrammen wie gegen Influenza – dürfte nun dazu beigetragen haben, dass die Regierungsparteien einen eindeutigen Plan verfolgen: Demnach soll das Impfen ab 2027 in Apotheken möglich werden. Die Zustimmung fällt breit aus, die Österreichische Ärztekammer lehnt das Vorhaben ab.

Niederschwelliges Angebot
Angesichts der Wissenschaftsfeindlichkeit sei es „wichtig, ein niederschwelliges Angebot zu schaffen, das auch angenommen wird“, meinte Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger bei einem gemeinsamen Medientermin mit Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) und Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP). Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) wird nun beauftragt, ein Modell auszuarbeiten. „Wir werden in den nächsten Wochen mit Gesprächen mit den Systempartnern beginnen“, hieß es dazu aus dem Gesundheitsressort. Neben einem einfachen Zugang zu Impfungen seien Information und Bewusstseinsbildung essenziell, wird betont.

„Apothekerschaft ist bereit“
Der Apothekerkammer kämpft seit langem für eine gesetzliche Grundlage, um das Impfen auch in Apotheken zu ermöglichen. „Beim Impfangebot gilt das Prinzip: Je vielfältiger und wohnortnäher, desto besser für die Gesundheit der einzelnen Menschen und für das gesamte Gesundheitssystem. Die Apothekerschaft steht für die Umsetzung dieses Vorhabens bereit“, äußerte sich Kammer-Präsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr.

Gänzlich anders fällt wenig überraschend die Reaktion der Ärztekammer aus. „Impfungen sind mehr als nur ein Stich, sie sind ein komplexer Prozess, in dem nur die Ausbildung, die Expertise und die Erfahrung in jeder Situation von Ärztinnen und Ärzten die maximale Patientensicherheit garantiert“, argumentiert Ärztekammer-Chef Johannes Steinhart. Nachsatz: Zwölf Jahre harte Ausbildung seien nicht mit einem Wochenendkurs aufzuwiegen.

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