••• Von Martin Rümmele
WELS. „Wir investieren um zu wachsen“, sagt Roland Huemer, CEO der Richter Pharma AG, bei der Pressekonferenz zur Bilanz 2025. Das Unternehmen mit Sitz in Wels zählt zu den wenigen namhaften Pharmaproduzenten in österreichischer Hand und zu den führenden Distributoren im Pharmabereich. Die Richter Pharma AG feiert heuer ihr 450-Jahr-Jubiläum und blickt auf ein historisches Meilensteinjahr 2025 zurück: Das Familienunternehmen erreichte mit seinen vier Geschäftsfeldern dem Pre-Wholesaling für nationale und internationale Pharmahersteller, den vollsortierten Pharmahandel von Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten für Mensch und Tier und die Produktion von Veterinärarzneimitteln neue Höchststände bei Umsatz und Beschäftigtenzahl. Mit kräftigen Investitionen setzte der Konzern nachhaltige Impulse für Innovation, Digitalisierung und Versorgungssicherheit am Standort Oberösterreich.
Kräftiges Puls 2025
Der Konzernumsatz stieg auf um 8,3% auf 941 Mio. €, das EBT lag bei rund 12,5 Mio., das EBITDA bei 18,2 Mio. €. Die Zahl der Beschäftigtenerhöhte sich auf 491. „Die Milliarde ist zum greifen nah“, gibt Huemer die Richtung für 2026 vor. Heflen sollen dabei die vier Standbeine. „Wir produzieren veterinärmedizinische Arzneimittel. Mit der Herstellung von sterilen Injektionslösungen spielen wir in der ‚Champions League der Arzneimittelproduktion‘. Darüber hinaus erzeugen wir hochwirksame Nahrungsergänzungsmittel für den Humanbereich und sind zusätzlich vollsortierter nationaler Pharmahändler für Mensch und Tier“, erklärt Huemer.
Damit übernimmt der Konzern eine zentrale Rolle in der Gesundheitsversorgung Österreichs und trägt als systemkritisches Unternehmen Verantwortung. „Wir arbeiten täglich daran, die Versorgung im Human- und Veterinärbereich auf hohem Niveau sicherzustellen und weiter zu verbessern“, betont Huemer und ergänzt: „Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine große Herausforderung.“
Denn besonders in Teilsegmenten wächst der Druck durch steigende Kosten und Preisdeckelungen. „Wir warnen vor der Entwicklung bei niedrigpreisigen Humanarzneimitteln. Denn mangels freier Preiskalkulation wird es für Hersteller, Großhändler und Apotheken immer herausfordernder, hier die Versorgung sicher zu stellen“, betont Huemer. Das könne zu spürbaren negativen Auswirkungen für Patientinnen und Patienten führen: Die zuverlässige und rasche Verfügbarkeit aller Medikamente könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Eine Lösung wäre die gesetzliche Möglichkeit der Indexanpassung sowie eine Neuregelung der Vergütung für den Pharmagroßhandel.
Forderungen an die Politik
Aktuelle geopolitische Entwicklungen zeigen nach der Coronakrise erneut den Handlungsbedarf Europas, zentrale Säulen seiner medizinischen Versorgungssicherheit zu stärken. Dazu zählt vor allem die Entwicklung und Produktion von Medikamenten und Wirkstoffen vor Ort. „Europa muss im Bereich der Human- und Veterinärmedizin wieder eine tragende Rolle übernehmen und Produktionskapazitäten sichern beziehungsweise zurückholen“, betont der CEO. Für diese dringend notwendige Entwicklung brauche es ein enges Zusammenspiel zwischen Politik, der Pharmabranche und leistungsstarken Leitbetrieben. „Wir brauchen für Österreich eine langfristig ausgerichtete Life-Sciences-Strategie, die den Standort für Forschung und Produktion noch attraktiver macht.“
In der Tiergesundheit ist Richter Pharma 2025 diesen wichtigen Entwicklungsschritt schon gegangen: Die Tochtergesellschaft VetViva Richter in Wels nahm ihren neuen Produktionskomplex mit einem Investitionsvolumen von 35 Mio. € in Betrieb.
