Tiefer Gender-Gap
© Bernhard Noll/ÖÄK
Kammer-Vizepräsidentin Kamaleyan-Schmied wünscht sich flexiblere Vertrags- und Arbeitszeitmodelle für Ärztinnen.
HEALTH ECONOMY Redaktion 27.02.2026

Tiefer Gender-Gap

Laut einer aktuellen Umfrage erleben fast zwei Drittel der Ärztinnen im Arbeitsalltag Benachteiligungen.

•• Von Evelyn Holley-Spiess

WIEN. Die Mehrheit der Wiener Ärztinnen ist mit ihrer Karriereentwicklung zufrieden, dennoch erleben viele im Berufsalltag erhebliche Hürden und Missstände. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Online-Umfrage des Meinungsforschers Peter Hajek, an der 1.409 der rund 8.000 Wiener Ärztinnen teilgenommen haben. Dabei wurden gerade auch die strukturellen Barrieren einmal mehr sichtbar.

Regelmäßige Abwertungen
Konkret gaben zwei Drittel (64%) der Ärztinnen an, im Laufe ihrer Karriere schon mit Benachteiligungen konfrontiert gewesen zu sein. Sechs von zehn Befragten erfahren regelmäßig Abwertungen durch Patienten oder auch innerhalb der Ärzteschaft. Aufgrund ihres Geschlechts sind Ärztinnen mit Misstrauen konfrontiert, ihre fachliche Kompetenz wird angezweifelt.

Als Hürden erweisen sich nach wie vor auch strukturelle Probleme, die Frauen benachteiligen: So sind Familienplanung und Kinderbetreuung für jede zweite Ärztin (52%) die größten Karrierehindernisse. Satte 93%, also neun von zehn Befragten, sagen, dass Mutterschaft im ärztlichen Berufsalltag strukturelle Nachteile mit sich bringt, etwa durch reduzierte Karrierechancen, geringere Planbarkeit oder fehlende Entlastungsstrukturen.

Flexibleres Arbeiten
Dem entsprechend sehen 61% der niedergelassenen Ärztinnen dringenden Bedarf an einer flexibleren Regelung der Einzelordinationen mit Kassenvertrag. Es gebe den Wunsch nach mehr Spielraum bei Vertrags- und Arbeitsmodellen, unterstreicht Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin und Obfrau der Kurie niedergelassene Ärzte in der Wiener Ärztekammer. „Sechs von zehn Ärztinnen wollen flexiblere Öffnungszeiten.“ Und weiter: „Wenn wir es nicht schaffen, Ärztinnen langfristig im Beruf zu halten, ist die hausärztliche Versorgung in Gefahr.“ Der Frauenanteil in der Allgemeinmedizin liege bei 62%. Zentrale Hebel, um Arbeitsbedingungen zu verbessern, wären laut Umfrage die stärkere Förderung von Gruppenpraxen inklusive Anstellungsmöglichkeiten und Jobsharing-Modelle.

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