•• Von Martin Rümmele
WIEN. Trotz politischer Versprechen und neuer Vorschriften kämpft Österreich weiterhin Winter für Winter mit Engpässen bei wichtigen Medikamenten. Teilweise wegen Einschränkungen durch wochenweise Kontingentierungen vieler Hersteller, oder wegen verschiedener Lieferschwierigkeiten gebe es derzeit mit dem Nachschub von Medikamenten für Diabetiker Probleme, sagt der Verband der Österreichischen Arzneimittelvollgroßhändler Phago. An Nachschub mangele es auch bei antibiotischen Augentropfen und Psychopharmaka. Insgesamt habe man bei 1300 Medikamenten das eine oder andere Problem mit dem Nachschub.
„Erneut nicht verfügbar“ ist laut Wiener Ärztekammer der Impfstoff gegen Herpes Zoster. Das sei besonders problematisch, weil die Impfung aus zwei Teilimpfungen im Abstand von zwei bis sechs Monaten besteht. Das Gesundheitsministerium teile nur mit, dass im Lauf des ersten halben Jahres 2026 wieder eine große Menge verfügbar sei. So sei für jene, die bereits eine erste Teilimpfung erhalten haben, ungewiss, ob sie rechtzeitig die zweite Dosis erhalten.
Das Problem der Arzneimittelengpässe wird sich nicht so rasch lösen, heißt es aus der Pharmaindustrie. Alexander Herzog, Generalsekretär des Verbands der Pharmazeutischen Industrie (Pharmig), verteidigte in einem ORF-Interview allerdings die Branche damit, dass etwa 98 bis 99% aller Präparate in Österreich gut verfügbar seien. Ein Lieferproblem sei zudem nicht automatisch ein Versorgungsproblem, da Großhändler und Apotheken oft noch Bestände hätten. Dennoch betreffen die Engpässe, die „etwa ein Prozent der Medikamente“ ausmachen unzählige Patienten direkt.
Preisdruck als Ursache
Die eigentliche Ursache sieht die Industrie im massiven Preisdruck des Gesundheitssystems, insbesondere bei patentfreien, rezeptpflichtigen Medikamenten. Dieser Druck habe über Jahre zu einer Abwanderung der Produktion in den Fernen Osten geführt, was die Lieferketten anfällig mache. Weil nun auch in den USA der Preisdruck durch die Regierung wachse, sei ein Anstieg der Preise in Europa künftig „unausweichlich“.
