MARKETING & MEDIA
AfD-Politiker drohte ZDF-Redakteur mit "massiven Konsequenzen" © APA/AFP/Odd ANDERSEN

Björn Höcke

© APA/AFP/Odd ANDERSEN

Björn Höcke

Redaktion 17.09.2019

AfD-Politiker drohte ZDF-Redakteur mit "massiven Konsequenzen"

Wegen unliebsamer Interviewfragen - Journalistenverband wirft Björn Höcke "gestörten Umgang" mit Medien vor.

MAINZ. Der thüringische AfD-Chef Björn Höcke hat einem ZDF-Journalisten nach unliebsamen Interviewfragen "massive Konsequenzen" angedroht. "Vielleicht werde ich auch mal eine interessante persönliche, politische Person in diesem Land. Könnte doch sein", sagte Höcke in dem am Sonntagabend ausgestrahlten Interview. Die Fragen seien "nicht wirklich redlich", monierte der Rechtspopulist.

Höckes Sprecher, der bei der Aufnahme anwesend war, verlangte eine Wiederholung des Interviews, was der Journalist aber ablehnte. "Dann haben wir ein manifestes Problem", sagte Höcke. "Ich kann Ihnen sagen, dass das massive Konsequenzen hat." Kurz darauf sagte er: "Wir beenden das Interview. Nur dann ist klar: Wir wissen nicht, was kommt. Dann ist klar, dass es mit mir kein Interview mehr für Sie geben wird."

Auf die Frage des ZDF-Journalisten, ob dies eine Drohung sei, sagte Höcke: "Das ist nur eine Aussage, weil ich auch nur ein Mensch bin", sagt Höcke. Der Interviewer hakte nach und fragte den AfD-Politiker: "Und was könnte kommen? Wenn Sie sagen, wir wissen nicht, was kommt." Höcke entgegnete: "Vielleicht werde ich auch mal eine interessante persönliche, politische Person in diesem Land. Könnte doch sein."

Vor Beendigung des Interviews waren Höcke Aussagen von Parteikollegen gezeigt worden. Diesen hatte der Redakteur Aussagen von Höcke vorgelegt und sie gefragt: "Ist das aus 'Mein Kampf' oder von Herrn Höcke?" Bei einem Beispiel antwortete der AfD-Bundestagsabgeordnete Jens Maier: "Wenn, eher aus 'Mein Kampf' würde ich sagen, aber nicht von Herrn Höcke."
Höcke sagte in dem Interview: "Ich glaube nicht, dass es eine allgemein gültige Definition dessen gibt, was eine NS-Diktion, was NS-Sprache ist." Kritiker, die ihm eine sprachliche Nähe zum Nationalsozialismus vorwerfen, seien "Stellenmarkierer". Diese wollten "kontaminieren, was angeblich nicht mehr sagbar ist", fügte Höcke hinzu.

Bei der Diskussion über die Wortwahl des AfD-Politikers griff Höckes Sprecher ein und sagte: "Das geht so nicht. Sie haben jetzt Herrn Höcke mit Fragen konfrontiert, die ihn stark emotionalisiert haben." Höcke selbst sagte, er sei nicht auf Fragen zu dem Thema vorbereitet gewesen: "Wir hätten doch eigentlich mit schönen Sachfragen zur Landespolitik einsteigen können und Sie hätten die Fragen dann am Ende, wenn wir am Laufen waren, nochmal vielleicht stellen dürfen."

Der Deutsche Journalisten-Verband protestierte gegen Höckes Verhalten gegenüber dem ZDF-Journalisten. "Björn Höcke hat ein weiteres dunkles Kapitel des gestörten Umgangs der AfD mit der Pressefreiheit im allgemeinen und kritischen Journalistinnen und Journalisten im besonderen aufgeschlagen", kritisierte DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall.

Es sei völlig richtig gewesen, dass sich der ZDF-Kollege nicht darauf eingelassen habe, das Interview in Höckes Sinn zu führen: "Der Abbruch des Gesprächs durch den Interviewten zeigt, dass er auf kritische Fragen keine intelligenten Antworten hat", erklärte Überall. "Herr Höcke hat die Schwelle von der Demokratie zu faschistischen Fantasien überschritten." (red)

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL