••• Von Oliver Jonke
Wie lassen sich Gestaltung, Wirtschaft und technologische Transformation sinnvoll verbinden? Und welche Rolle spielen Hochschulen dabei in Zeiten tiefgreifender Umbrüche? Fragen wie diese beschäftigen derzeit weltweit Millionen von Unternehmen in der Kreativ- und Kommunikationsbranche. Die New Design University liefert darauf eine eigenständige Antwort – mit einem breiten Designverständnis und klarer Ausrichtung auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen, erzählt Rektor und Geschäftsführer Christoph Wecht im medianet-Interview.
Die NDU positioniere sich bewusst zwischen klassischen Kunstuniversitäten und traditionellen Hochschulen. Für Wecht liegt genau darin ihre Stärke: „Wir stehen, wenn man so will, zwischen den klassischen Kunstuniversitäten wie der Angewandten oder der Bildenden Kunstuniversität und den traditionellen Universitäten wie der Universität Wien oder der Wirtschaftsuniversität Wien.“
Seit ihrer Gründung 2004 als Tochter der Wirtschaftskammer NÖ verfolgt die NDU ein erweitertes Verständnis von Gestaltung, das über klassische Disziplinen hinausreicht. „Bei uns kann man nicht nur typische Gestaltungsfächer studieren wie Grafik, Informationsdesign oder Innenarchitektur, sondern auch Event Engineering, Design, Handwerk & materielle Kultur, aber auch Management by Design“, so Wecht und betont dabei die Rolle des Design Thinking: „Wir wenden dieses Design Thinking – das man als gestalterisches Herangehen übersetzen kann – auch auf Fragestellungen und Herausforderungen in Bereichen an, die nicht unbedingt typische Gestaltungsfelder sind“, erklärt er.
Design Thinking sei dabei, so Wecht, ein zentrales Element der NDU und mehr als ein Kreativtool. „All die großen relevanten Fragen sind Gestaltungsfragen“, so Wecht. Damit ist Design Thinking vor allem ein strukturierter Zugang zu komplexen Problemen. Studierende lernen, Probleme ganzheitlich zu betrachten – ob in der visuellen Kommunikation, im Produktdesign oder im Management. Gestaltung wird so zur Denkhaltung und zur strategischen Kompetenz und damit zur universellen Methode, wie Wecht meint, von Architektur über Informationsdesign bis hin zu Geschäftsmodellen.
Breites Studienangebot
Das Studienportfolio der NDU ist entsprechend vielfältig. Zwei Fakultäten, „Gestaltung“ sowie „Innovation und Management“, bilden die strukturelle Basis. Aufbauend auf die Bachelorprogramme biete die NDU auch Masterprogramme an, wie Wecht meint. Und es stehen auch Universitätslehrgänge zur Auswahl, wie unter anderem Akustik & Design, Buchgestaltung oder auch Food & Design.
Vor allem hebt Wecht dabei die in Österreich besondere Positionierung im Bereich Innenarchitektur hervor. „Der Bachelor und der Master in Innenarchitektur sind einzigartig in Österreich, dass kann man hierzulande nur an der NDU studieren.“
Offenheit für unterschiedliche Bildungswege ist Teil des Konzepts: Die Universität spricht unterschiedliche Zielgruppen an – von kreativen Schulabgängern bis hin zu Personen mit handwerklichem Hintergrund. „Wir sind durchaus durchlässig für Leute, die einen Handwerksweg eingeschlagen haben und vielleicht vorher eine handwerkliche Lehre gemacht haben und das jetzt studieren wollen.“ Dieser handwerkliche Aspekt sei generell ein sehr zentraler an der NDU: „Auch die Nutzung von Werkstätten spielt bei uns eine starke Rolle: Wir haben eine große Holzwerkstatt, 3D-Drucker, ein Siebdruckwerkstatt und ein Fotostudio.“ Es gehe darum, nicht nur ein konzeptionelles Verständnis zu gewinnen, sondern die Konzepte dann auch immer manuell umzusetzen.
Plattformökonomie verstehen
Auch wirtschaftliche Themen werden konsequent in den Lehrplan der NDU integriert. Wichtige Themen sind unter anderem Geschäftsmodellinnovationen und plattformbasierte Ökosysteme. Geschäftsmodellinnovation bedeutet, so Wecht, „wie Organisationen Wert für ihre Kunden kreieren und diesen Prozess kontinuierlich weiterzuentwickeln.“ Parallel dazu gewinnen plattformbasierte Ökosysteme an Bedeutung. „Während es früher sequentielle Wertschöpfungsketten waren, spricht man jetzt von Ökosystemen“, meint Wecht. Und die Studierenden lernen, diese neuen Strukturen zu verstehen und aktiv mitzugestalten.
Roter Faden: Nachhaltigkeit
Ein weiteres wichtiges Thema an der NDU sei die Kreislaufwirtschaft: „Es ist eine Thematik, die sich durch alle Studiengänge durchzieht.“ Trotz temporärer Rückschläge sieht Wecht langfristig keinen Zweifel an ihrer Relevanz: „Die Zukunft der Wirtschaft wird eine kreislauforientierte Wirtschaft sein müssen.“ Besonders die junge Generation bringe hier ein starkes Bewusstsein mit.
In einer Zeit wachsender Unsicherheit sieht Wecht Hochschulen zudem als Stabilitätsanker. „Hochschulen sind Orte, wo Wissen entwickelt wird und das in einem Prozess, der, integer und wissenschaftlich fundiert, Fortschritte ermöglicht.“ Gerade angesichts von Informationsüberflutung und „alternativen Facts“ komme Universitäten eine zentrale Rolle zu. „Hier sind Universitäten und Hochschulen, so wie die NDU, die Bollwerke der wahren Wissensentstehung“, betont der NDU-Geschäftsführer. „Und zwar mit forschungsgeleiteter Lehre und einem klaren Fokus auf methodische Kompetenz.“
Auch der Umgang mit Künstlicher Intelligenz ist Teil des universitären Alltags. Die NDU verfolgt dabei einen pragmatischen Ansatz: „Wir gehen offen heran und finden Wege wie diese Tools eingesetzt werden können.“ Dabei bleibt das Fundament unverändert: wissenschaftliche Integrität. KI wird als Werkzeug verstanden, nicht als Ersatz für eigenständiges Denken und Gestalten.
Praxisnähe mit Kooperationen
Ein wesentliches Bindeglied zur Wirtschaft sind Partnerschaften mit Unternehmen. „Eines der wichtigsten Formaten ist hier das Format Future Lab“, erklärt Wecht. Dabei arbeiten Studierende an realen Projekten, von Stadtgestaltung über Produktentwicklung bis hin zu digitalen Customer Journeys.
„Wir geben damit unseren Studenten die Möglichkeit das erworbene Wissen direkt schon in einem konkreten Projekt anzuwenden“, so Wecht. Gestaltung werde so unmittelbar erlebbar, als Prozess der Veränderung mit dem klarem Ziel, einen Zustand zu erreichen, der besser sei als der vorige. „Damit verfolgen wir einen sehr breiten, anglo-amerikanischen Zugang, was alles Design und Gestaltung bedeutet“, so Wecht abschließend.