••• Von Christian Novacek
Der österreichische Lebensmittelhandel steht unter Druck: Inflation, Regulierungen, Debatten über Preise, Zucker, Tierwohl oder Herkunft prägen den Alltag der Branche. In solchen Zeiten setzt Spar stärker denn je auf ein Thema, das man im Unternehmen längst nicht mehr nur als Ergänzung zum Markensortiment sieht: Eigenmarken.
Weit mehr als nur günstig
Für Markus Kaser, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Spar Österreich, sind Eigenmarken weit mehr als günstige Alternativen. Sie greifen Trends auf, begleiten Lebensstile und verbinden im besten Fall zugleich Regionalität, Qualität und Preiswürdigkeit.
Rund 45% des Food-Umsatzes erzielt Spar mittlerweile mit Eigenmarken. Besonders stark entwickelte sich zuletzt die Preiseinstiegsmarke S-Budget, die mit rund einer Milliarde Euro Umsatz und einem Wachstum von acht Prozent längst zu den größten Eigenmarken Österreichs zählt.
Gleichzeitig legten Spar Natur*pur (+8,7%), Spar Premium (+6,2%) und die Gesundheitslinie Spar Vital (+15%) deutlich zu. Eigenmarken sind für Spar damit zentrale Wachstumstreiber quer durch alle Preislagen. „Spar macht sich stark für deine Lebensqualität“, formuliert Kaser den strategischen Anspruch des Unternehmens. Ernährung werde zunehmend Teil eines Lebensstils – von proteinreicher Kost über alkoholfreie Alternativen bis hin zu darmfreundlichen Produkten oder bewusster Zuckerreduktion.
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Eigenmarke Spar Natur*pur. Sie wuchs 2025 um 8,7% und umfasst mittlerweile rund 1.300 Produkte. Österreich nehme im Bio-Bereich international eine Sonderstellung ein, betont Kaser: „Die Leute legen schon Wert darauf, dass sie vernünftig essen und dass sie auch Gutes essen.“ Entscheidend sei dabei die Kombination aus Geschmack, Leistbarkeit und biologischer Produktion. Genau dort positioniert Spar seine Bio-Eigenmarken.
Parallel dazu baut Spar Premium seine Rolle als Genussmarke weiter aus. Laut Kaser lag das Umsatzwachstum hier zuletzt bei 6,2%. Der Fokus liegt auf hochwertigen Produkten mit internationalem Anspruch – etwa italienischen Spezialitäten – oder regionalen Premium-Erzeugnissen aus Österreich.
Regional ist Premium
Besonders wichtig sei dabei die Zusammenarbeit mit kleinen Produzenten und Familienbetrieben. Als Beispiel nennt Kaser einen Kärntner Demeterbetrieb, der einen „Bröseltopfen“ für Spar produziert: „Manchmal muss man nicht Sterneküche kredenzen, da ist es besser, vom Einfachen das Beste zu haben.“ Überhaupt versteht Spar Eigenmarken zunehmend als Plattform für Innovation. Das zeigt sich bei Trends wie High Protein oder Functional Food. Produkte der Marke Spar Vital legten 2025 um 15% zu.
Wissenschaftlich fundiert
Erweitert wird das Sortiment mittlerweile um Nahrungsergänzungsmittel unter der Linie Spar Vital Pur. Gemeinsam mit einem wissenschaftlichen Beirat arbeite man an Themen wie Darmgesundheit, Schlaf oder bewusster Ernährung, erklärt Kaser.
Auch bei der Zuckerreduktion setzt Spar seit Jahren Akzente: Bereits seit 2017 läuft die Initiative zur Reduktion von Zucker in Eigenmarkenprodukten, später kamen der Verzicht auf Aspartam sowie die Reduktion von Aromastoffen, Konservierungsmitteln und Farbstoffen hinzu. Mittlerweile gibt es laut Spar über 1.000 Eigenmarkenprodukte mit reduzierten Zusatzstoffen.Ein Wachstumstreiber ist der Bereich Free From. Gluten- und laktosefreie Produkte würden längst nicht mehr nur von Menschen mit Unverträglichkeiten gekauft, sondern zunehmend von Konsumenten, die bewusster essen wollen.
Vom Wesen des Hypes
Soziale Medien schlagen mittlerweile direkt auf den LEH durch. Ein Beispiel dafür ist der Skyr-Boom. Spar verkaufte davon 2025 rund 5,6 Mio. Packungen, das sind fast 19.000 Stück pro Tag. 91% der bei Spar verkauften Skyr-Menge stammen aus österreichischer Produktion, mehr als die Hälfte davon aus Bio-Herstellung. „Wir sehen jetzt schon, welchen Einfluss digitale Medien und Hypes haben“, sagt Kaser.
Offensiv positioniert sich Spar gegen die Shrinkflation. Kaser kündigte an, dass es bei Spar-Eigenmarken keine „Schrumpfflation“ geben werde. Im Gegenteil: Einzelne Produkte würden künftig größere Füllmengen zum gleichen Preis bieten.
Auch die Digitalisierung wird zunehmend Teil der Eigenmarkenstrategie. Über die Spar-App und die verbundene Produktwelt (www.spar.at/produktwelt) können Kunden auf Informationen zu mehr als 35.000 Produkten zugreifen – inklusive Echtzeitverfügbarkeit, Ernährungsfiltern oder Preisentwicklungen. Laut Kaser gehe es dabei um „sinnvolle Digitalisierung und nicht Hokuspokus“.
