PV-Anlagen als Sicherheitsrisiko
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Florian Traußnig, Geschäftsführer für Risiko- und Versicherungstechnik bei Koban Südvers
INDUSTRIAL TECHNOLOGY Redaktion 15.05.2026

PV-Anlagen als Sicherheitsrisiko

Unsachgemäße Installation und fehlende Absicherung gefährden Unternehmen.

Gastkommentar  ••• Von Florian Traußnig

WIEN. Photovoltaik erlebt einen Boom: Rund 500.000 Anlagen sind bereits in Österreich installiert – Tendenz stark steigend. Auch Unternehmen setzen verstärkt auf eigene Stromerzeugung, getrieben von Förderungen, steigenden Energiekosten und ESG-Vorgaben. Was viele unterschätzen: Jede PV-Anlage verändert das Risikoprofil eines Betriebs – oft deutlich.
Studien zeigen, dass bei den – insgesamt seltenen – Brandfällen rund ein Drittel auf Planungsfehler, ein Drittel auf Installationsfehler und ein Drittel auf fehlerhafte Komponenten zurückzuführen ist. Typische Mängel wie fehlerhafte Verkabelung oder schlecht montierte Steckverbindungen erhöhen das Risiko für Schäden durch Sturm, Hagel oder Feuer deutlich. Besonders kritisch sind Installationen auf brennbaren Dämmstoffen, die oft als schwer versicherbar gelten und im Schadenfall gravierende wirtschaftliche Folgen haben können.

Fehlerquelle Mensch: Mängel als Brandtreiber
Hinzu kommt, dass viele Betriebe ihre PV-Anlagen nicht ausreichend in bestehende Brandschutz- und Wartungskonzepte integrieren. Eine PV-Anlage stellt jedoch stets eine meldepflichtige Risikoerhöhung dar. Wird sie dem Versicherer nicht angezeigt, drohen Leistungskürzungen oder sogar der Verlust des Versicherungsschutzes. Frühzeitige Abstimmung hilft, teure Nachrüstungen zu vermeiden. Zu den Mindestanforderungen zählen Statiknachweise, Sicherheitsabstände sowie regelmäßige, dokumentierte Kontrollen und externe Prüfungen.

Zusätzliche Risiken entstehen durch Batteriespeicher: Lithium-Ionen-Akkus können bei Fehlfunktionen Temperaturen von über 700 °C erreichen und Brände auslösen. Rund ein Drittel aller Schadenfeuer hat elektrische Ursachen, etwa 20 % davon stehen bereits im Zusammenhang mit Lithium-Ionen-Batterien – zwei Drittel davon beim Ladevorgang. Entsprechend wichtig sind geeignete Aufstellorte, sichere Ladebedingungen und spezifische Brandschutzkonzepte – insbesondere in Betrieben mit E-Mobilität oder gemischten elektrischen Verbrauchern.

Absicherung entscheidet über Wirtschaftlichkeit
Eine umfassende Photovoltaikversicherung deckt neben Sachschäden auch Ertragsausfälle. Fällt eine Anlage über Wochen oder Monate aus, können die Mehrkosten durch zugekauften Strom schnell erheblich werden – insbesondere bei größeren Gewerbeanlagen.

Fazit: Photovoltaik ist wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll, erfordert jedoch konsequente Planung, professionelle Umsetzung und laufendes Risikomanagement. Nur fachgerecht installierte, gewartete und korrekt versicherte Anlagen entfalten ihr Potenzial – ohne unnötige Risiken für Unternehmen.

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