••• Von Georg Sohler
WIEN. Sport ist für Fernsehsender ein verlässlicher Quotenbringer. Der Ausgang ist offen, die Fans fiebern mit – und anders als beim Binge-Watching lässt sich ein Sportereignis kaum beliebig nachholen. Entsprechend begehrt und teuer sind die Rechte. Große und kleine Events wandern demzufolge oft hinter die Bezahlschranken von Pay-TV-Sendern.
Wenn es dann doch gelingt, Premiumsport im Free-TV zu zeigen, ist die Freude entsprechend groß. Puls 4 und Joyn zeigen bis 14. September die US Open und damit eines der vier Grand-Slam-Turniere im Tennis.
Wichtiger Teil der Strategie
Möglich macht dies eine Sublizenz von Sportdeutschland.TV und eine Medien-Partnerschaft mit der DOSB New Media GmbH. Die Puls 4-Gruppe unterstrich die Bedeutung dieses Sportrechts mit einem großen Event über den Dächern Wiens im Hans-Y.
Der Sender bot ein reichhaltiges Programm. In Kooperation mit Waterdrop wurde der deutsche Tennisprofi Jan-Lennard Struff interviewt. Die hauseigene Expertenrunde rund um den Doppelsieger bei den US Open 2007, Julian Knowle, gab eine sportliche Einschätzung aus rot-weiß-roter Sicht ab. Den Abschluss des Programms bildete ein Expertentalk unter anderem mit Österreichs bestem Rollstuhltennisspieler Nico Langmann.
Die Sendergruppe will sich somit weiter als Sportsender positionieren. ProSiebenSat.1-Puls-4-CEO Thomas Gruber legte gegenüber medianet die den Sportrechten zugrunde liegenden Überlegungen dar. Schließlich gilt Livesport als Lagerfeuer des linearen Fernsehens, um das sich viele Zuschauer scharen: „Man hat bei der Fußball-Weltmeisterschaft diesen Sommer gesehen, was für ein Quotenbringer Livesport ist. Aber die WM ist nur alle vier Jahre.“
Abseits dessen ist die Rechtesituation im deutschsprachigen Raum – gerade im Profifußball – mittlerweile sehr unübersichtlich. Verschiedenste Sender sichern sich unterschiedliche TV-Pakete, insbesondere im internationalen Topfußball.
Zugänglich machen
Global Player wie Sky, Canal+, Dazn oder Amazon treiben mit ihren Budgets die Preise nach oben. „Gerade darum ist es umso wichtiger, Fußball, Tennis, generell Livesport, im Free-TV zugänglich zu machen. Das ist unser Anspruch“, so Gruber.
Gerade weil Puls 4 mit den Budgets der Big Player nicht mithalten kann, sucht und findet die Sendergruppe immer wieder spannende TV-Rechte. Diese erzielen zwar vielleicht keine Millionenquoten, sprechen aber eine besonders interessierte Zielgruppe an.
Das aktuelle Portfolio umfasst neben ausgewählten Spielen inklusive der Endspiele der Männer und Frauen bei einem der vier größten Tennisturniere des Jahres unter anderem Fußball-Länderspiele im Rahmen der Nations League, neun Spiele der deutschen Bundesliga, ausgewählte ÖFB-Cup-Spiele und das Champions-League-Finale ab 2027/28. Dazu kommen noch die Eishockey-WM sowie die Handball-Weltmeisterschaften und das große Rugby-Turnier Six Nations bei beiden Geschlechtern.
Frauensport im Fokus
„Wir sind stolz darauf, dass die Rechte an den Handball-Weltmeisterschaften in der ProSieben-Gruppe zuhause sind“, so Gruber. „Das ist für Kunden attraktiv, auch wenn Handball in Deutschland mit Sicherheit noch eine Nummer größer ist als in Österreich. Es ist aber nichtsdestoweniger eine Sportart, die eine hohe Relevanz hat und dementsprechend wollen wir es featuren.“
Gerade der Frauensport ist ein Wachstumsmarkt. Deloitte errechnete für die Jahre 2022 bis 2025 ein Einnahmenwachstum von 248% im globalen Frauensport. „Die Übertragungen der Großereignisse der Frauen im Fußball erzielen große Reichweiten, gerade wenn Österreicherinnen dabei sind“, sagt Gruber. Auch unabhängig davon sei es „auf jeden Fall unsere Pflicht, dem Frauensport Fläche und Präsenz zu bieten.“ Hierbei lässt sich der Bogen zurück zu den US Open schlagen. Mit Anastasia Potapova und Lilli Tagger hat Österreich zwei Top-50-Spielerinnen. Männer gibt es unter den Top100 der Weltrangliste hingegen keinen. Die Puls 4-Gruppe könnte einen guten Zeitpunkt erwischt haben, um sich als Sportsender zu präsentieren – denn wie auch im Tennis entscheidet oftmals das richtige Timing über den Erfolg.