Die neue Achse  des Bösen: die 3 K
MARKETING & MEDIA Redaktion 28.08.2026

Die neue Achse des Bösen: die 3 K

Krieg, KI und Klimawandel. Die aktuelle Krisenlage ist schlicht eine Zumutung.

Leitartikel  ••• Von Sabine Bretschneider

NOSTALGIE. Das waren noch Zeiten. Früher hatte jede Epoche ihre eigene große Angst. Kalter Krieg, Ölkrise, Atomtod, Waldsterben, Finanzkrise. Heute dagegen kommen die Bedrohungen nicht mehr hübsch nacheinander. Sie teilen sich denselben Platz im Kalender.

Krieg, KI, Klimawandel. Drei Großkrisen, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und doch um dieselben knappen Ressourcen konkurrieren: um Geld, Energie, Fachkräfte (darunter fallen auch Soldaten). Um politische Aufmerksamkeit. Und nicht zuletzt um die Bereitschaft einer zunehmend erschöpften Bevölkerung, schon wieder eine neue historische Notwendigkeit einzusehen.

Europa soll gleichzeitig aufrüsten, seine technologische Abhängigkeit von den USA und China verringern, Milliarden in Rechenzentren, Chips und digitale Infrastruktur stecken, die Industrie dekarbonisieren, Stromnetze ausbauen, Gebäude sanieren und sich an jene Folgen des Klimawandels anpassen, die längst nicht mehr verhindert werden können. Alles dringend, alles alternativlos, alles am besten gestern. Das Problem ist nur: Der Preis der Alternativlosigkeit ist kein existenter Budgetposten.

Vielleicht liegt Europas wichtigste Aufgabe der kommenden Jahre deshalb gar nicht in Innovation, Aufrüstung oder Dekarbonisierung, sondern in der Priorisierung der allesamt hochkritischen To-dos.
Erschwerend kommt hinzu: Die drei K stehen nicht unabhängig nebeneinander. Sie verstärken einander. Krieg treibt Energiepreise und Staatsausgaben, KI frisst Strom, der Klimawandel erhöht den Investitionsdruck auf Energieversorgung, Verkehr, Landwirtschaft und Städte. Die Polykrise ist ein System gegenseitiger Beschleunigung. Genau das ist die neue Zumutung: Nicht die eine große Angst dominiert alles, sondern mehrere gleichzeitig. „Existential angst“ zieht auch im englischen Sprachraum Kreise. Sie bezeichnet eine tiefe, grundlegende Verunsicherung angesichts der eigenen Existenz und Zukunft. Die Populisten applaudieren.

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