Brand Experience spielt bei Obi eine zentrale Rolle. Gerade die Abstimmung digitaler Kanäle mit dem stationären Handel kann für Marken eine Herausforderung sein. medianet hat mit Melanie Schomann, Team Lead Brand & Communication bei Obi, darüber gesprochen, wie sie gelingen kann, inwieweit der Point of Sales (POS) inzwischen digitalisiert ist und welche Rolle Live Experience im Marketing-Mix spielt.
medianet: Welche Rolle spielt Brand Experience bei Obi und welchen Stellenwert hat Social Media dabei?
Melanie Schomann: Brand und Customer Experience spielen für uns eine zentrale Rolle, weil wir überzeugt sind, dass wir als Marke Menschen entlang ihrer gesamten Projektreise begleiten.
Das bedeutet: Marke darf heute nicht bei der Kampagne enden, sondern muss entlang der gesamten Customer Journey erlebbar sein: im Content, im Markt, im Service und in jedem einzelnen Touchpoint. Social Media ist dabei ein zentraler Raum, weil wir dort sehr früh und vielseitig ansetzen können. Wir inspirieren und motivieren zum Machen und zeigen direkt und einfach vor, was es braucht, damit Projekte gelingen können. So entsteht ein Markenerlebnis oft schon bevor potentielle Käufer überhaupt im Markt oder online unterwegs sind.
medianet: Wie sieht die Social Media Strategie aus, mit der Sie das umsetzen möchten?
Schomann: Sie folgt einem klaren Prinzip: Wir denken aus der Perspektive der Nutzer und setzen auf Themen rund ums eigene Zuhause. Wir greifen gezielte Painpoints auf und liefern passende Lösungen. In der Umsetzung bewegen wir uns vor allem zwischen Befähigen und Unterhalten: Wir wollen Menschen befähigen, ihre Projekte umzusetzen, und gleichzeitig Inhalte schaffen, die leicht konsumierbar und unterhaltsam sind. Dabei differenzieren wir bewusst nach Plattformen: Auf TikTok sprechen wir eine jüngere Zielgruppe an und arbeiten stärker mit unterhaltsamen Formaten, während wir auf Instagram Themen rund ums Eigenheim und konkrete Projekte stärker in den Fokus stellen. Eine weitere wichtige Säule sind Kooperationen mit Creatoren bzw. langfristige Partnerschaften, zum Beispiel mit Lisa (@die_hauswerkerin) – der Heimwerk-Creatorin in Österreich.
medianet: Welche Rolle spielt das Engagement mit der Community dabei?
Schomann: Community ist für uns ein zentraler Bestandteil, weil sie uns hilft, wirklich nah an den Bedürfnissen unserer Kunden zu bleiben. Die Resonanz aus der Community bzw. Social Media Userschaft ist ein direkter Spiegel und das finde ich so spannend an Social Media: Man erhält Feedback: was gefällt und nicht gefällt, welcher Inhalt inspiriert oder vielleicht auch mal nicht interessiert. Gerade beim Ausprobieren, beim Selbermachen, beim Heimwerken, entstehen viele Fragen, Unsicherheiten und auch Emotionen. Der direkte Austausch mit der Community zeigt uns klar, wo Menschen Unterstützung brauchen – und genau darauf können wir reagieren. So entsteht Vertrauen. Menschen erleben Obi dann nicht als anonyme Marke, sondern als echten Partner.
medianet: Wie gelingt der Übergang dieser Partnerschaft vom digitalen Storytelling in sozialen Netzwerken hin zum stationären Handel?
Schomann: Unsere Aufgabe ist es, vom Moment der Inspiration ins konkrete Machen zu kommen. Wir denken die Customer Journey als zusammenhängendes System. Social Media kann den ersten Impuls geben mit Ideen, Motivation und Orientierung. Aber auch andere Kanäle tun das. Der stationäre Handel ist dann einer der Orte, an dem diese Projekte Realität werden: mit Beratung, Produkten und Services. Wir haben aber auch weitere Kanäle, die darauf einzahlen: den Online Shop und Marktplatz sowie unsere hey-Obi-App. Dort kann Beratung in Anspruch genommen werden, es gibt Rabatte und Coupons, Einkaufslisten können geführt und Produktverfügbarkeiten gecheckt werden und vieles mehr.
medianet: Stichwort Kanäle – Inwiefern spielen Live-Events oder Workshop-Formate eine Rolle in Ihrem Marketing-Mix?
Schomann: Live-Experiences sind für uns ein wichtiger Hebel, gerade wenn es um Brand Awareness und Markenprofil geht. Formate wie das Erzberg-rodeo bringen uns direkt in die Lebenswelt unserer Zielgruppe, in einem Umfeld, das perfekt zu Obi passt: hands-on, energiegeladen und nah an echten Herausforderungen. Letztes Jahr haben wir die ‚Machbarschaft‘ ins Leben gerufen und neun Projekte in ganz Österreich unterstützt: mit Material, Know-how und gemeinsamen Anpacken vor Ort. So entsteht echter Impact. Live Erlebnisse schaffen eine ganz andere Tiefe, weil Menschen die Marke unmittelbar erleben. Entscheidend ist dabei die crossmediale Verlängerung – von Social Media bis in die Märkte. So wird aus einem Event ein ganzheitliches Markenerlebnis.
medianet: Inwiefern findet Digitalisierung auch am POS statt?
Schomann: Digitalisierung spielt am POS vor allem dort eine Rolle, wo sie das Einkaufserlebnis einfacher und hilfreicher macht. Dabei geht es uns vor allem um Mehrwert für die Kunden: bessere Orientierung, Unterstützung bei Entscheidungen und eine nahtlose Verbindung zwischen digitaler Inspiration und stationärer Umsetzung.
medianet: Wo sehen Sie die größten Hebel, um sich gegenüber dem preisgetriebenen Wettbewerb zu differenzieren?
Schomann: Preis bleibt im Handel selbstverständlich wichtig – aber echte Differenzierung entsteht nicht rein über Preis. Kunden suchen nicht nur ein Produkt, sondern Orientierung, Inspiration und Unterstützung bei der Umsetzung. Genau dort setzen wir an: Wir verbinden Content, Beratung, Services und Erlebnisse entlang der gesamten Customer Journey. Ziel ist es nicht nur sichtbar zu sein, sondern relevant. Denn langfristig gewinnt nicht die Marke, die am lautesten über Preis spricht, sondern die, die den größeren Wert für ihre Kunden schafft.