Futures Friends: Format für Zukunftsdenken
© Jake Moss
Carla Moss und Delia Wieser.
MARKETING & MEDIA Redaktion 11.06.2026

Futures Friends: Format für Zukunftsdenken

WIEN. Wie lassen sich Zukunftstrends verständlich, inspirierend und zugleich greifbar machen? Eine Antwort darauf liefert das internationale Format „Futures Friends 333“, das mittlerweile in zahlreichen Städten weltweit Menschen aus Kreativwirtschaft, Technologie, Kultur, Design, Medien und Innovation zusammenbringt. Das Prinzip: Jeder Speaker und jede Speakerin präsentiert drei Trends, Ideen oder Signale der Zukunft – in drei Minuten und mit nur drei Slides.

Am 19. Juni macht das Format Station in Wien. Im Loft by the Lake im Startup House by Lumia präsentieren neun Speaker aus unterschiedlichsten Disziplinen ihre Perspektiven auf mögliche Zukünfte. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht fertige Prognosen, sondern neue Denkansätze, überraschende Verbindungen und Impulse für die Gestaltung einer Welt im Wandel. Nach den Kurzvorträgen bietet das Event Raum für Austausch, Vernetzung und branchenübergreifende Gespräche. Organisiert wird die Wiener Ausgabe von Delia Wieser und Carla Moss. Moss und Wieser arbeiten beide professionell im Bereich Culture, Trends und Futures – Moss dekodiert Culture, Wieser arbeitet mit Trend-Driven Innovation, oft gemeinsam als Futures Beratungsteam. Futures Friends entstand laut Wieser aus einer gemeinsamen Überzeugung: je vielfältiger die Menschen, die über die Zukunft nachdenken, desto besser wird diese Zukunft. „In Wien gab es dafür noch keine Community also haben wir Futures Friends nach Wien gebracht“, so Wieser.

Im Interview sprechen sie darüber, warum das 333-Format weltweit so viele Menschen begeistert, weshalb Zukunftsdenken heute keine Nische mehr sein sollte und welche Rolle Wien als kreativer und innovativer Zukunftsstandort spielen kann.

medianet: Futures Friends 333 findet mittlerweile in mehreren Städten weltweit statt. Was macht dieses Format für Sie so besonders, und warum spricht es so viele Menschen an?
Delia Wieser und Carla Moss: Menschen waren schon immer fasziniert von der Zukunft, dort lebt die Hoffnung. Was das 333-Format so stark macht, ist, dass es diese Neugier in etwas Greifbares verwandelt: 3 Ideen, 3 Minuten, 3 Slides. Schnell genug, um die Aufmerksamkeit zu halten, strukturiert genug, um einen Gedanken wirklich zu landen, und offen genug, dass alle mitmachen können, egal aus welchem Hintergrund. Genau das macht es besonders. Wenn ein Musiker, ein Koch und ein Innovationsmanager auf derselben Bühne stehen und teilen, was sie auf sich zukommen sehen, hört man Dinge, die man im eigenen Industrie-Silo nie gehört hätte. Und genau dort passiert das interessante Denken.

medianet: Diese Ausgabe bringt Menschen aus Kreativwirtschaft, Kultur, Technologie, Medien und Design zusammen. Warum sind solche branchenübergreifenden Gespräche heute so wichtig?
Wieser und Moss: Wir leben in dem, was wir die Expectation Economy nennen – einer Welt, in der die Erwartungen deiner Kundinnen und Kunden nicht von deiner Branche allein geprägt werden, sondern von der besten Erfahrung, die sie irgendwo gemacht haben. Die Liefergeschwindigkeit von Amazon beeinflusst, was Menschen von deinem Checkout erwarten. Die Wärme eines guten Restaurants prägt, was sie von deinem Onboarding erwarten. Erwartungen wandern frei zwischen Branchen und Zielgruppen. Wer also nur den eigenen Sektor beobachtet, ist schon einen Schritt zu spät. Echte Innovation entsteht durch Querverbindungen. Die Menschen im Raum bei Futures Friends sind nicht da, weil sie dasselbe tun, sondern genau weil sie es nicht tun.

medianet: Was erwartet jemanden, der zum ersten Mal zu Futures Friends kommt, und welche Atmosphäre wollen Sie schaffen?
Wieser und Moss: Erstbesucherinnen und -besucher sind meistens überrascht, wie entspannt es ist. Keine Pitch-Energie, niemand versucht etwas zu verkaufen. Die Leute kommen wirklich neugierig auf das, was kommt, auf andere Menschen, auf Ideen, die sie noch nicht kannten. Das 333-Format hält alles in Bewegung, sodass man nach zehn Speakers aus völlig verschiedenen Welten quasi ein schnelles, großzügiges Briefing über mögliche Zukünfte bekommen hat – aus der Musikindustrie, aus einem Fermentationslabor, aus einem Branding-Studio. Die meisten gehen aufgeladen und inspiriert raus und oft auch mit einem neuen Blickwinkel auf etwas, womit sie schon eine Weile still beschäftigt waren.

medianet: Die Speakers kommen aus sehr unterschiedlichen Bereichen. Gibt es gemeinsame Themen oder Signale, die Sie gerade branchenübergreifend wahrnehmt?
Wieser und Moss: Ein paar Dinge tauchen immer wieder auf, egal wo das Gespräch beginnt. Erstens natürlich KI - aber was interessant ist, ist wie darüber gesprochen wird. Weniger darüber, was sie kann, mehr darüber, was sie uns über uns selbst fragen lässt. Das führt direkt zum zweiten Signal: das Human Premium. Branchenübergreifend sehen wir, dass Menschen aktiv das Handgemachte, das Persönliche, das Unersetzliche wählen – Dinge, die sich nicht automatisieren lassen. Und drittens: das Thema Handlungsmacht. Ein gemeinsames Gefühl, dass die Zukunft nicht einfach passiert, sondern aktiv gestaltet werden kann. Das ist kein blinder Optimismus sondern die Grundprämisse von Foresight-Arbeit. Und genau deshalb braucht es Räume wie diesen.

medianet: Wenn wir uns in fünf Jahren hier wiedertreffen würden — was würden Sie sich für Wiens kreative und Innovationsszene wünschen?
Wieser und Moss: Wir würden uns wünschen, dass Trends und Foresight zum normalen Bestandteil geworden ist, wie Wiener Unternehmen arbeiten – kein Luxus, kein einmaliges Jahres-Offsite, sondern eine laufende Praxis, die fest in der Strategie verankert ist. In einer Welt, die sich so schnell verändert wie diese, werden die Unternehmen vorne sein, die sich regelmäßig fragen: Was wollen meine Kundinnen und Kunden als Nächstes? Ist mein Geschäftsmodell zukunftsfähig? Ist mein Team auf verschiedene Szenarien vorbereitet? Wien hat unglaubliches kreatives und kulturelles Kapital. Was wir uns wünschen, ist, dass dieses Kapital auf ernsthaftes Zukunftsdenken trifft. (red)

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