WIEN. Zum 23. internationalen Safer Internet Day am 10. Februar 2026 veröffentlicht Saferinternet.at die Studie „KI-Chatbots als Alltagsbegleiter für Jugendliche“. Demnach verwenden 94% der 11- bis 17-Jährigen KI-Chatbots, vor allem für schulische, zunehmend aber auch für persönliche Themen. Gleichzeitig werden Risiken und Funktionsweisen häufig unterschätzt, und Jugendliche wünschen sich mehr Bildung im Umgang mit KI.
Im Rahmen der EU-Initiative präsentierten das Österreichische Institut für angewandte Telekommunikation (ÖIAT), ISPA – Internet Service Providers Austria und Rat auf Draht die Ergebnisse. Befragt wurden 500 österreichische Kinder und Jugendliche sowie zwei vertiefende Fokusgruppen in Jugendeinrichtungen. „KI-Tools sind bei Fragen oft die erste Anlaufstelle für Jugendliche. Gleichzeitig gibt es aber große Wissenslücken, wenig Bewusstsein für Risiken und den Wunsch nach einem besseren Verständnis von KI“, so Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin von Saferinternet.at.
ChatGPT deutlich an der Spitze
ChatGPT ist mit Abstand die beliebteste Anwendung (90%), gefolgt von Gemini (23%) und CoPilot (11%). Knapp ein Viertel der Jugendlichen nutzt ChatGPT täglich, ältere Befragte häufiger als jüngere. KI-Tools kommen vor allem für schulische Zwecke (73%) zum Einsatz, etwa zum Recherchieren, Zusammenfassen von Informationen, Erklären, Textformulierung oder Rechenaufgaben. Auch im Alltag dienen sie als Informationsquelle (55%) oder zum Austausch über persönliche Themen (31%).
„Künstliche Intelligenz ist für Jugendliche zum digitalen Begleiter geworden. Gerade deshalb dürfen wir sie mit den Risiken nicht alleinlassen. Wir brauchen mehr Bildung über KI, in der Schule sowie mithilfe der Digitalen Kompetenzoffensive, klare Regeln und ein gemeinsames Verantwortungsbewusstsein“, so Staatssekretär Alexander Pröll.
KI kann professionelle Beratung nicht ersetzen
Die Studie zeigt zudem, dass Chatbots zunehmend Aufgaben übernehmen, die früher Menschen vorbehalten waren. Rund 29% sehen KI als Art Freundin oder Freund, 28% glauben, dass KI Trost spenden kann. Gleichzeitig erkennen Jugendliche die Grenzen: Fast jede fünfte Person hat sich schon aufgrund einer KI-Antwort unwohl gefühlt, vor allem in sensiblen Situationen.
Besonders problematisch ist es, wenn KI solchen Situationen als Unterstützung genutzt wird. KI-Systeme können diese nicht in gleichem Ausmaß bieten wie Menschen, betont Birgit Satke von Rat auf Draht: „Gerade bei persönlichen oder psychischen Problemen kann eine Beratung durch KI-Chatbots zunächst als Überbrückung dienen, sie stößt aber schnell an ihre Grenzen und kann eine qualifizierte Beratung nicht ersetzen. Wir beobachten außerdem immer wieder, dass Chatbots Falschinformationen zu Beratungsstellen ausgeben.“
Risiken werden unterschätzt
Die Mehrheit der Jugendlichen hat ein hohes Vertrauen in KI: Über die Hälfte vertraut den Antworten der Chatbots, 40% prüfen diese kaum. Knapp die Hälfte hat noch nie die Funktionsweise von KI altersgerecht erklärt bekommen. Zwei Drittel erwarten sich hier Unterstützung durch die Schule, ein Drittel durch die Eltern. „Es braucht sichere KI-Chatbots, die auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten sind, damit sie den Umgang mit Chatbots in einem geschützten Rahmen erlernen können“, betont Buchegger.
Besorgniserregend sei laut Saferinternat.at, dass 28% der Befragten glauben, ihre Eingaben in KI-Chatbots seien vertraulich und könnten von niemandem eingesehen oder genutzt werden. Mehr als ein Viertel (28%) vertraut KI-Chatbots sogar intime Inhalte an. Stefan Ebenberger, Generalsekretär der ISPA – Internet Service Providers Austria, fordert eine stärkere Sensibilisierung Jugendlicher beim Thema Datenschutz: „Jugendliche gehen teilweise unbedacht mit ihren persönlichen Daten um. Das Recht auf Privatsphäre und welche Auswahlmöglichkeiten es bei den unterschiedlichen Anwendungen gibt, muss eindringlicher vermittelt werden.” (red)
