Studie ortet Förderlücke im gemeinwohlorientierten Journalismus und empfiehlt Beratungs- und Vernetzungszentrum
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Die Studie ortet Struktur- statt Inhaltsprobleme im unabhängigen Journalismus.
MARKETING & MEDIA Redaktion 01.09.2026

Studie ortet Förderlücke im gemeinwohlorientierten Journalismus und empfiehlt Beratungs- und Vernetzungszentrum

Erhebung des Presseclub Concordia lief von Jänner 2025 bis Februar 2026.

WIEN. Rund 170 unabhängige Medien und Kollektive freier Journalisten hat der Presseclub Concordia für die Studie „Gemeinwohlorientierter Journalismus in Österreich“ im Auftrag der Erste Stiftung erfasst. Zentraler Befund: Der Sektor scheitert seltener am journalistischen Anspruch als an fehlender Infrastruktur, fehlendem betriebswirtschaftlichen Wissen und einem Fördersystem, das ihn kaum erreicht.

Das Studienteam kombinierte von Jänner 2025 bis Februar 2026 Literaturauswertung, Dokumentenanalyse, eine Fokusgruppe, zwölf Leitfadeninterviews und einen Onlinesurvey, den 46 von 173 angeschriebenen Personen vollständig beantworteten. Rund 70 Prozent der erfassten Organisationen arbeiten von Wien aus, etwa 70 der Projekte entstanden erst um das Jahr 2020 oder später.

Betriebswirtschaft als Schwachstelle
Als größte Schwächen listet die Studie fehlende nachhaltige Finanzierung, fehlende technische Infrastruktur, Überforderung bei betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Fragen sowie fehlende Ressourcen in der Vermarktung. Im Onlinesurvey hielten 96 Prozent Beratung in Rechtsfragen für zumindest eher wichtig, ebenso viele nannten Software-Lizenzen, 83 Prozent einen APA-Zugang. Ein befragter Mediengründer beschrieb die eigene Lage als „lustvolles Selbstausbeuten".

Dem stellt die Studie die öffentliche Förderung gegenüber: 2024 schütteten neun Fördertöpfe des Bundes etwas mehr als 94 Mio. Euro aus, ab 2026 wären laut Budgetvorschau weit über 100 Mio. Euro vorgesehen. Rein digitale Neugründungen seien davon weitgehend ausgeschlossen. Das führe, so die Autoren, zur paradoxen Situation, dass Medien Printprodukte gründen, um überhaupt erstmals Bundesförderung beantragen zu können.

Empfehlungen an Stiftungen
Die Handlungsempfehlungen richten sich vorrangig an Stiftungen und private Fördergeber. Vorgeschlagen werden ein niederschwelliges Beratungs- und Vernetzungszentrum mit vier bis fünf Mitarbeitern, nach Möglichkeit nicht nur in Wien, dazu Capacity Building, Shared Desks und später Shared Offices sowie ein unabhängiges Monitoring samt jährlichem Sektor-Report. Ein großes zentrales Medienhaus nach dem Vorbild des Berliner Publix halten die Autoren für Österreich für kaum realistisch.

Als Leitsatz formuliert das Studienteam: „Es geht nicht darum, mit Journalismus Gewinne zu maximieren, sondern darum, mit Gewinnen Journalismus zu maximieren.“ Projektleiterin war Daniela Kraus, Generalsekretärin des Presseclub Concordia, Lead-Autorin ist Renée Lugschitz von Medienhaus Wien. (red)

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