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„Zwischen Leben und Überleben” © Julia Pabst

Aufstehen „Seid kämpferisch”, rät Nana Siebert, stv. Chefredakteurin von derStandard.at, (jungen)Frauen in der Medienbranche.

© Julia Pabst

Aufstehen „Seid kämpferisch”, rät Nana Siebert, stv. Chefredakteurin von derStandard.at, (jungen)Frauen in der Medienbranche.

Redaktion 08.11.2019

„Zwischen Leben und Überleben”

Bei dem Workshop wurden Frauen dazu ermutigt, kämpferisch zu sein und für ihre Arbeit einzustehen.

WIEN. Vier Frauen sprachen bei einem Workshop im Rahmen des 21. Journalistinnenkongresses im Haus der Industrie über die Visionen und Realität der Medienbranche, die Forderungen des Berufs und gaben Tipps für (angehende) Journalistinnen.

„Sprechen Sie über Geld. In Österreich ist Geld ein unangenehmes Thema, es gibt keine verpflichtende Einkommenstransparenz. Ein angemessenes Gehalt muss eingefordert werden, verkaufen Sie sich nicht unter Wert ”, sagt Gewerkschafterin und Autorin Veronika Bohrn-Mena.
„Sie dürfen außerdem nicht glauben, dass Ihre Arbeit und Ausbildung nichts wert sind. In der Medienbranche sind befristete Jobs und Praktika eine Notwendigkeit. Zu viele Praktika sehen am Lebenslauf allerdings auch nicht gut aus, weil Sie dadurch Sprunghaft wirken”, sagt Bohrn-Mena. Die stellvertretende derStandard.at-Chefredakteurin Nana Siebert appelliert an junge Frauen, „kämpferisch” zu sein.
„Wir bekommen als Frauen eingeimpft, dass wir gemocht werden, wenn wir ja nur schön brav und angepasst sind. Dann arbeiten wir wie kleine Laborratten und warten auf das 1+ vom Chef samt Gehaltserhöhung und Beförderung”, sagt Siebert.

Lästig und klar formulieren

Die Journalistin gab den Tipp, lieber früher als später etwas zu sagen. „Männer gehen viel öfter zu ihren Vorgesetzten. Wir Frauen haben viel mehr Angst vor Zurückweisung, weil wir sie als persönliche Ablehnung empfinden”, so Siebert weiter. „Je lästiger Sie sind und je klarer Sie formulieren, desto eher bekommen Sie es auch. Wenn Plan A nicht funktioniert, ist es ratsam, sich einen Plan B zurechtzulegen”, sagt Siebert. Ein weiteres Learning sei die Tatsache, dass mit einem Aufstieg in der Hierarchie auch vermehrt Konflikte im Unternehmen aufkommen.

„Der größte Fehler in solch einer Situation ist es, sich vor den Konflikten zu scheuen. Lieber die emotionale Ebene rausnehmen und sachlich formulieren. Jedoch lohnt es sich auch, zu wissen, wann ein Kampf gewonnen werden kann und wann man sich lieber geschlagen geben sollte”, erklärt Siebert. Als systemische Arbeitsbewältigungstrainerin hat Evelyne Huber-Reitan auch mit Frauen zu tun, die sich vom Beruf überfordert fühlen und Burn out gefährdet sind.
„Eine gute Psychohygiene ist wichtig. Einfach mal offline sein und sich dem Wunsch nach Perfektion nicht sklavisch unterordnen”, sagt Huber-Reitan. „Die emotionale Distanzierung zum Job in der Freizeit hilft, den Kopf freizukriegen. Mein Appell an alle Frauen: ‚Vernetzen Sie sich, unterstützen Sie einander und passen Sie auf sich und Ihre Kolleginnen auf”, so Huber-Reitan abschließend. ORF-Journalistin Waldtraud Langer bezieht sich in ihrer Rede auf die Gesundheit: „Psychisch und physisch gesund zu bleiben, ist das oberste Ziel.”
Langer rät jungen Journalistinnen außerdem, sich auf ein Thema zu spezialisieren, das in der Redaktion noch nicht abgedeckt sei: „Seien Sie für etwas Expertin und knien Sie sich rein. Geben Sie Geld aus – egal ob für Kinderbetreuung, den Haushalt oder für die Pflege. Jede Beschäftigung abseits der Arbeit wirkt sich auf die Karriere und somit auf Ihre Pension aus.”

Chefin sein, ist nicht alles

Frauen müssen aber nicht zwingend Chefin werden, um Karriere gemacht zu haben. „Karriere kann auch bedeuten, ein respektiertes Mitglied in einem Team zu sein. Suchen Sie sich für Ihren Arbeitsweg Unterstützung und vernetzen Sie sich mit Kolleginnen und Kollegen, die Sie mögen”, so Langer zum Abschluss.

Um in der Branche zu leben und nicht nur zu überleben, dazu gibt es den vier Frauen zufolge kein Geheimrezept. „Die Situation in der Branche – ob Bezahlung oder Stellenangebote – ist ungerecht, das ist ganz klar”, sagt Nana Siebert in der anschließenden Publikumsdiskussion. (nri/ls)

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