„Der Export gewinnt  generell an Bedeutung“
© Laura Jagoschütz
Alexander Grund
RETAIL Redaktion 20.02.2026

„Der Export gewinnt generell an Bedeutung“

Alexander Grund, Geschäftsführer von Heidi Chocolat, setzt auf mehr Innovationen und mehr Werbung.

••• Von Oliver Jonke  und Georg Sohler

Die Schwedenbombe gehört zum österreichischen Stamminventar hinsichtlich Süßwaren – und das seit 100 Jahren. Der Marktanteil im Schaumkuss-Bereich beträgt gut 90%. Täglich werden rund 250.000 Schwedenbomben südlich von Wien in Niederösterreich produziert. Dass eine so lange Historie nicht automatisch wirtschaftlichen Erfolg bedeutet, zeigte sich 2012. Das 1890 in Linz als Konditorei gegründete Unternehmen schlitterte in die Insolvenz. Heidi Chocolat, Teil der Meinl-Gruppe, erwarb die Insolvenzmasse.

Nun geht es wieder besser, doch Stillstand ist keine Option. Neben Schaumküssen setzt das Unternehmen auf Innovation und Internationalisierung. Im medianet-Interview erklärt Alexander Grund, der im Jänner die Nachfolge von Bernhard Kletzmair antrat, von seinem Werdegang, seiner neue Rolle und den Plänen des Unternehmens.

Alles nutzen
Grund selbst entstammt einer Gastronomenfamilie. „So kam ich schon früh mit Lebensmitteln und Getränken in Berührung“, erzählt er. Im Herzen blieb er dem Essen und Trinken stets treu. 2001 startete er seine Karriere bei LKW Walter in der Speditionsbranche, kehrte aber 2010 in die Lebensmittelbranche zurück. Bei Coca-Cola Hellenic Austria arbeitete er entlang der Supply Chain und im Route to Market.

„Ich war dort bis Ende 2018 und wollte in der Folge etwas Neues ausprobieren. Deshalb wechselte ich zu Wienerberger in die Baubranche. Ich konnte mich damit aber letztlich nicht genug identifizieren“, blickt er auf das kurze Intermezzo zurück. Er strebte nach einer neuen Herausforderung, doch 2019 brach bekanntlich Corona aus. Die Stellen in seinem Arbeitsfeld waren rar. So zog es ihn zu einem ehemaligen Geschäftspartner, bei welchem er Logistik, Transport, Lagerlogistik für die Getränkeindustrie anbot.

Große Verantwortung
2023 ging es wieder in den Bereich Lebensmittel – zu Niemetz Schwedenbomben. Dort war er anfangs als Einkaufs- und Logistikleiter tätig und bringt nun seit 1. Jänner 2026 sein umfassendes Wissen als Geschäftsführer ein. „Ich habe mich aber nie in dieser Position gesehen oder hätte sie angestrebt. Dass man mir dieses Vertrauen schenkt, erfüllt mich mit Stolz“, sagt er. Nun verantwortet er die Schwedenbomben, Manja & Swedy, Bobby, Mozart Koogles, Heidi-Schokolade und die weiteren Produkte des Hauses. Dieser Verantwortung ist er sich bewusst. Schließlich ist die Schwedenbombe etwas „Historisches. Das zeigt auch unsere digitale ‚Wall of Schaum‘. Wir haben über 1.500 Geschichten und Erinnerungen an Oma, Opa und so weiter zugeschickt bekommen. Da ist viel Emotion mit dabei.“ Die Grundidee dieses Schaumkusses passt zu Zuschreibungen zur Generation Großeltern: In der Konditorei braucht es zum Backen hierzulande viel Eigelb, aber wenig Eiweiß. Letzteres wurde oft entsorgt. 1926 hatten Walter und Johanna Niemetz den Einfall zur Schwedenbombe, damit das eben nicht mehr der Fall ist. ‚Schweden‘ kam aufgrund eines Freundes der Familie in den Namen, Bombe war ein damals mehr als geläufiges und „nicht verwerfliches Wort.“ In den 1930er-Jahren kam es zur Unternehmensgründung.

Team Schoko oder Kokos?
Heutzutage, das weiß Grund, würde kein Mensch auf die Idee kommen, ein Neuprodukt „Bombe“ zu nennen. Es gab Diskussionen über eine Namensänderung, aber der Begriff ist so fest in der österreichischen Kultur verankert, so bleibt es bei der Schwedenbombe, die zum Synonym für Schaumküsse wurde. Ein bisschen „Kampf“ steckt aber doch noch drinnen. Schließlich gibt es das Team Schoko und das Team Kokos. Er beziffert die Präferenz im eigenen Hause auf 50/50. Um die Gefühle mit Fakten zu untermauern und Schlüsse für das Marketing zu ziehen, wird dieses Jahr eine Befragung durchgeführt, wie das Verhältnis aussieht.

Diversifizierung notwendig
Neben den Bomben und mittlerweile auch Tafeln in dem Geschmack setzt man beispielsweise auf Manja & Swedy, die direkt an der Kassa aufliegen. Auch das mühsame Spiel mit den Promotions müsse man „mitspielen, um Menge in den Markt zu bekommen. Denn die aktuelle Marktlage spricht nicht für die Kategorie Süßwaren. Der Einkaufskorb der Österreicher wird immer kleiner“, erklärt er.

Hierzulande sei man sehr bekannt, speziell bei der älteren Generation, aber die Jüngeren kennen das Unternehmen noch nicht so gut. Das Team setzt auf Online- und Social-Media-Marketing, TV und Radio. „Wir sind gut vertreten und haben unser Marketingbudget erhöht, aber sind nicht das schwarze Gold, das sich von selbst verkauft. Wir müssen werben.“ Ziel ist es, durch Innovationen zusätzliche Konsumanlässe zu schaffen. Seit Herbst gibt es etwa Schwedenbomben Stangerl, die gut angenommen werden. Zusätzlich wurden die Schwedenbombentafeln um die Sorte Schoko&Kokos erweitert und die Pralinen Schwedenbomben Likörbomberl eingeführt. Die Bobby Schokotafel-Range hat ebenfalls Zuwachs bekommen – in Form der Sorte Rum Kokos.

Internationaler Markt
Heidi stellt auch „Mozart Koogles“ her. Diese gibt es in verschiedensten Ausführungen: Nougat, Orange, Litschi oder Kaffee-Dattel. „Es ist ein Identifikationsprodukt, das sich im Travel-Retail gut verkauft“, so Grund. Die verschiedenen Geschmacksrichtungen ergeben sich aus den Zielmärkten: Kaffee-Dattel ist für den arabischen Markt gedacht, Litschi für Asien, und so weiter.

Wichtig ist: „Der Export gewinnt generell an Bedeutung, daher arbeiten wir an einer Schaumkussvariante für den internationalen Markt“, erklärt er. Das „Problem“ der klassischen Schwedenbombe sei, dass die Mindesthaltbarkeit nur einen Monat beträgt. Daher feilt man an einer eigenen Lösung für den Export. Als Zielmärkte gelten die angrenzenden Nachbarländer.

Positiver Ausblick
Veränderungen stehen beim heimischen Produkt nicht ins Haus. Niemetz experimentiere zwar, aber all das führte bei „Haptik, Mundgefühl und Geschmack zu einem anderen Erlebnis. Es wäre nicht dasselbe Produkt.“ Limited Editions hingegen sind gewünscht, die Herstellung von Handelsmarken aber nicht. Erschwert wird die Sache durch kleiner werdende Warenkörbe. „Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten sehen wir, dass viele Konsumenten sich bewusst kleine Genussmomente gönnen.“ Deshalb gilt: „Wir können und wollen uns nicht nur auf die Schwedenbombe verlassen, sondern auch neue Produkte herausbringen, um Zusatzverkäufe zu generieren.“
Bleibt am Ende nur noch die Frage: Team Schoko oder Kokos, Herr Grund? „Ich bin in der glücklichen Lage, dass meine Frau Team Kokos ist, ich Schoko.“

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