••• Von Dinko Fejzuli
Mit HNC gründet die Gratiszeitung Heute innerhalb des Medienhauses eine eigene Inhouse-Agentur und fasst damit künftig Kreation, Content, Produktion und Performance in einer gemeinsamen Struktur zusammen. Ziel sei es, Kunden schneller Lösungen über alle Kanäle anbieten zu können – und auf Wunsch auch Leistungen für externe Nutzung zu produzieren, so Fabian Petschnig (Managing Director HNC), Christian Jaidl (Creative Director HNC) und Beate Österreicher (Geschäftsleitung Online Sales) im gemeinsamen Gespräch mit medianet.
Ausgangspunkt war aus Sicht von Petschnig ein konkreter Need, den man aufnehme: „Die Nachfrage der Kunden ist groß, wenn es darum geht, kurzfristig integrierte Lösungen zu schaffen.“ In vielen Fällen laufe der klassische Weg über mehrere Stationen – Kreativagentur, Abstimmungen, Mediaagentur, Ausspielung –, „da vergehen oft Wochen, bis eine Kampagne live geht“. Jetzt mit allen Dienstleistungen unter einem Dach könne man in kurze Zeitspanne, ohne Zwischenschritte und in direkter Absprache mit dem Kunden, mit dem fertigen Produkt, beziehungsweise der fertigen Kampagne live gehen. Bezüglich des neuen, gemeinsamen Gefäßes HNC betont Jaidl, dass dies nun keine Agentur-Neugründung „auf der grünen Wiese“ sei: „Wir sind kein Start-up, sondern wir haben unsere bestehenden und funktionierenden Workflows und Prozessen in eine gemeinsame Struktur gegossen.“
Das Portfolio der HNC reiche dabei von „klassischen Printprodukten“ über Corporate Publishing bis hin zu „crossmedialen Kampagnen“ einschließlich Video. Wichtig sei dabei das Mitdenken über Formate hinweg: „Wir sehen das als gesamten kreativen Prozess und sparen uns dann hintennach einfach Zeit, um diese Assets für die diversen Ausgabeformate und Medien zu justieren,“, so Jaidl. Er ergänzt: „Tempo ist dabei kein Selbstzweck. Gerade weil die Prozesse sitzen, haben wir den Kopf frei für das Wesentliche: Visuell starke Kreation, die beim Konsumenten hängenbleibt. Wir wollen nicht nur Assets liefern, sondern Impact.“
Logischer Schritt
Wie sich das in der Praxis auswirken soll, beschreibt Petschnig: „Im letzten Kunden-Case sah das wie folgt aus: Wir haben Videos produziert und daraus dann mit relativ wenig Aufwand Sitebar-Werbemittel und diverse Social-Media Assets gemacht.“ Der positive Effekt für Auftraggeber: „Der Kunde zahlt nur einmal die Lizensierung, statt bei fünf verschiedenen Agenturen Geld einwerfen zu müssen“, so Petschnig. Gerade bei immer knapper werdenden Budgets sei diese „One-Stop-Shop Lösung“ ein wesentlicher Vorteil.
Für Beate Österreicher, Geschäftsleitung Online Sales, ist die Gründung der HNC ein logischer Schritt in der Weiterentwicklung von einem „Medienhaus, welches ja heutzutage längst nicht mehr einfach nur ein Publisher“ sei, hin zu einem Lösungspartner in Kreativ-, Content- und Media-Fragen. Es gehe darum, „technologisch aber eben auch kreativ die besten Lösungen zu liefern“.
Die Neugründung der HNC hat bei Heute übrigens auch Auswirkungen auf den Verkauf, der nun hybrid organisiert sei. Der Kern sei, dass „jeder Verkäufer bei uns Know-how haben muss für Print, Online und Social aber auch das Verständnis für Daten und Targeting.“
Und diese Technologieausrichtung sei auch deshalb wichtig, weil viele Herausforderungen in Bezug auf Werbung, denen sich Kunden heute stellen müssen, ihren Ursprung in den Themen, Daten und Technologie haben, aber, so schränkt Österreicher ein: „Am Ende des Tages muss man gute Geschichten erzählen können – auch in und mit der Werbung – und genau hier setzt der kreative Part der HNC an.“
Kompetenz-Bündelung
Eine zentrale Rolle spielt weiterhin das Printprodukt der Gratiszeitung Heute. „Das Big Picture findet meiner Meinung nach immer noch in der Zeitung statt“, sagt Österreicher. Petschnig beschreibt die Aufgabenteilung zwischen den Kanälen so: „In Print schaffen wir die große Sichtbarkeit, im Digitalen holen wir die Leute dann gezielt ab.“ Print sei ein Schlagzeilenmedium, das rasch Aufmerksamkeit aufbauen könne.
Organisatorisch ist HNC vorerst weniger Umzug als Zusammenschluss. „Es sind bestehende Teams, die verschränkt arbeiten. Die Büroräumlichkeiten sind so wie bisher“, sagt Jaidl. Der formale Rahmen werde schrittweise nachgezogen: „Wir haben noch nicht einmal Visitenkarten. Wir haben nur ein Logo und haben gesagt: Okay, wir sind jetzt gegründet, weil wir eh schon so agieren, als würde es uns längst geben.“
Auch beim Thema Neugeschäft zeigt sich die neue Einheit offen. „Wir werden nach außen hin als Agentur auftreten und auch tatsächlich Neukundengeschäft machen – nicht nur unsere eigenen Medien bespielen“, so Jaidl. Petschnig sieht darin vor allem eine Bündelung vorhandener Kompetenzen: „Die Idee ist, dass wir das Know-how, das wir haben, bündeln und den ganzen Apparat optimieren.“ Der Wettbewerbsdruck im Markt sei hoch, Budgets würden stärker hinterfragt. „Als Medium müssen wir vor allem im Kampf mit den Techgiganten weiter relevant bleiben. Und das kannst du nur, wenn du verschränkt und über den Vermarktungstellerrand hinaus denkst.“
Die Erweiterung einer Diskussion
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