ORF-Wahl: APA Chef Clemens Pig wirft den Hut in den Ring
© APA/Ludwig Schedl
Clemens Pig
PRIMENEWS Dinko Fejzuli 28.05.2026

ORF-Wahl: APA Chef Clemens Pig wirft den Hut in den Ring

Gilt als Favorit im Rennen um den öffentlich-rechtlichen Chefsessel - Führt die Nachrichtenagentur seit zehn Jahren erfolgreich und gilt als Verbinder.

WIEN Donnerstag - also am letzten Tag der Bewerbungsfrist für die ORF-Generaldirektion ist dann doch noch einiges in Bewegung geraten und das Bewerberfeld ist nun fix. Am Nachmittag gab, als letzter, APA-CEO Clemens Pig seine lange erwartete Bewerbung ab. Auch ORF-intern gab es mit ORF III-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz nur Stunden davor eine weitere Bewerbung, genauso wie jene von Magazinchefin Lisa Totzauer, die sich aber schon vor etlichen Tagen in einer Pressekonferenz beworben hatte. Im Rennen neu seit gestern ist auch Journalistin Sonja Sagmeister, während Ex-ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker schon länger sein Interesse bekundet hat.

Pig: „Vertrauen stärken“
Über seine Motivation, den ORF führen zu wollen sagt APA CEO Clemens Pig: "Ich möchte Verantwortung dafür übernehmen, dass der ORF Vertrauen stärkt, Orientierung gibt und seine besondere Rolle im digitalen Zeitalter konsequent weiterentwickelt", so der Neo-Kandidat auf den Chefposten bei Österreichs größtem Medientanker. Entsprechend ist auch das Motto für Pigs Kandidatur gewählt: "Ein ORF, dem Österreich vertraut". Dabei gehe es nicht um Marketing, stellte Pig in einer Aussendung klar: "Vertrauen entsteht nicht durch Kampagnen. Vertrauen entsteht durch Verhalten. Ein ORF, dem Österreich vertraut, muss fair, plural, sachlich, lernfähig und nachvollziehbar handeln - jeden Tag."

In der Branche gilt der 51- als Verbinder, der durch seine mittlerweile zehnjährige Tätigkeit an der Spitze der Nachrichtenagentur APA - einer Genossenschaft im Eigentum des ORF und vieler österreichischer Tageszeitungen - mit beinahe allen größeren Medien im Land regelmäßig im Austausch steht.

Pigs Ideen für den ORF
Sein Rezept für das größte Medienunternehmen des Landes: "Der ORF braucht keine Pose der Revolution, aber auch keine bloße Fortsetzung des Gewohnten". Ein Weiter-So dürfe es nicht geben: "Er braucht Erneuerung mit Vertrauen und Vision - und eine Führung, die entscheidet, erklärt, zuhört und umsetzt." Dabei sehe er selbst fünf zentrale Aufgaben für die künftige ORF-Spitze: "Wirtschaftliche Stabilität und transparente Governance, Stärkung von Vertrauen, Publikum und öffentlich-rechtlichem Auftrag, digitale Transformation inklusive KI, organisatorische Erneuerung samt transparenter, gleichstellungsorientierter und diskriminierungsfreier Unternehmenskultur sowie Kooperation für den Medienstandort Österreich."

International erfahrener TV-Manager
Mit Johannes Larcher gibt es auch einen Kandidaten von außerhalb des Unternehmens, den niemand kaum jemand auf der Liste hatte. Der Österreicher ist hierzulande den Wenigsten ein Begriff, hat aber international bereits einige gewichtige Unternehmen gemanagt. Er betätigte sich etwa bei der Streamingplattform Hulu, dem arabischsprachigen Streamer Shahid und bei HBO MAX in der Führungsetage. Beim ORF war er Anfang der 90er-Jahre kurz als Produzent tätig. Der frühere Manager von HBO Max, Hulu, Warner Media, MBC Shahid und ehemalige CEO der Storytel Group positioniert sich als unabhängiger Kandidat mit internationaler Medien- und Transformationserfahrung und kündigt eine umfassende Erneuerung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks an.

Im Zentrum seines Konzepts stehen fünf strategische Schwerpunkte. Larcher sieht insbesondere bei Vertrauen und Glaubwürdigkeit Handlungsbedarf und fordert strukturelle Veränderungen in der Informationsorganisation. Vorgesehen wäre unter anderem eine eigenständige Informationsdirektion mit klarer Verantwortung über sämtliche Informationsformate hinweg. Der ORF brauche „keine kosmetischen Korrekturen, sondern mutige und klare Führung durch ein unabhängiges Management mit tiefer Erfahrung im B2C Mediengeschäft und mit erfolgreichen Transformationsprozessen in großen Unternehmen“, erklärt Larcher. Und: Er möchte auch proaktiv 100 Mio. Euro im ORF einsparen, ohne aber das Produkt Ansicht zu beschädigen.

Bewerberinnen aus dem ORF
Manche hatten mit einem neuerlichen Antritt der aktuellen Generaldirektorin spekuliert. Aus dem ORF kommend hat die derzeitige Generaldirektorin Ingrid Thurnher, ebenfalls gestern, aber abgesagt. Sie möchte stattdessen in der verbleibenden Zeit bis Jahresende "Missstände aufzuarbeiten, die richtigen Weichen zu stellen und das Vertrauen in den ORF zu stärken. "Ich muss nicht taktieren, ich muss nicht tun, was opportun ist", schreibt Thurnher.

Ebenfalls aus dem ORF kommenden und ihre Bewerbung als erste öffentlich gemacht hat ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer. Sie möchte den ORF reformieren und seine Glaubwürdigkeit wieder stärken: "Das Bild, das wir abgeben, ist schmerzhaft und beschämend. Ich verstehe, dass sich viele Menschen ärgern und fragen: 'Was soll das?'", so Totzauer. Ihr sei klar, dass der ORF jetzt reformiert werden müsse, um "einen wichtigen Teil der demokratischen Infrastruktur unseres Landes" zu erhalten.

Zierhut-Kunz will von ORF III an die Spitze
Ihre ORF-Erfahrung streicht auch Bewerberin und ORF III Chefin Kathrin Zierhut-Kunz bei ihrem Antritt heraus. Sie kenne das Unternehmen "aus langjähriger Führungsverantwortung“ und habe so genaue Kenntnis von Strukturen, Abläufen und Potenzialen. Zierhut-Kunz über ihre Bewerbung: "Mein Ziel ist ein moderner, effizienter und glaubwürdiger ORF, der seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag mit Qualität, Relevanz und Verantwortung erfüllt". Als Geschäftsführerin von ORF III kenne sie die Herausforderungen des Hauses aus operativer Verantwortung. "Mit meiner Kandidatur verbinde ich den Anspruch, den ORF strukturell weiterzuentwickeln und die journalistische Qualität nachhaltig zu stärken."

Zierhut-Kunz absolvierte ein Studium der Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien und war zunächst als Steuerberaterin in Wirtschaftsprüfungsunternehmen tätig. Ab 2009 arbeitete sie im ORF in der Kaufmännischen Direktion, insbesondere im Beteiligungsmanagement der Tochtergesellschaften. 2015 übernahm sie die Leitung „Finanzen und Personal“ bei der ORF-Marketing und Creation GmbH und verantwortete dort den Personalbereich mehrerer Unternehmen mit rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Später leitete sie die ORF-Abteilung für Personalentwicklung sowie die Hauptabteilung „Strategische Planung und Administration“. Seit 2022 ist Zierhut-Kunz kaufmännische Leiterin von ORF III.

Vom Privat-TV zum ORF?
Recht früh, kurz nach Totzauer hatte auch der ehemalige Vorstand der ProSiebenSat.1 Media SE Markus Breitenecker seine Kandidatur bekanntgegeben. Ihm wurde schon länger Interesse am Top-Job im ORF nachgesagt. Breitenecker verweist auf mehr als 30 Jahre TV-Erfahrung, Führungsverantwortung in einem Medienunternehmen mit mehreren tausend Mitarbeitern sowie Erfahrung in der digitalen Streaming-Transformation. Gemeinsam mit dem ORF-Team wolle er „erstens, das bestmögliche Qualitätsprogramm für unser Publikum herstellen: österreichische Inhalte, regionales Programm, unabhängige Nachrichtenredaktionen. Zweitens, die technologische Vorreiterrolle des ORF so ausbauen, dass die gesamte Medienlandschaft davon profitiert. Und drittens, wieder zu einem menschlichen, anständigen und wertschätzenden Miteinander finden“.

Ob seine Bewerbung Früchte trägt, oder jemand anderer ab dem 1.1.2027 für fünf Jahre die Verantwortung für den ORF tragen soll, wird am 11. Juni wissen, denn da wird die neue Generaldirektorin oder der neue Generaldirektor des ORF gewählt. (fej/apa)

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