WIEN Die ORF-Stiftungsratssitzung, in der am Donnerstag die nächste ORF-Führung ab 2027 gewählt wird, zieht sich deutlich länger als erwartet. Über fünf Stunden nach Start wurde nach der Befragung des erst dritten von neun zum Hearing geladenen Bewerbern eine Pause eingelegt. Am meisten Zeit wurde bisher für das Hearing von APA-CEO Clemens Pig aufgewendet: zweieinhalb Stunden. Er gilt als Favorit auf die ORF-Generaldirektion.
Bereits hinter sich haben das Hearing auch ORF III-Co-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz und Ex-ORF-Managerin Petra Höfer. Die nicht öffentliche Sitzung der 35 ORF-Stiftungsrätinnen und -räte hatte am Vormittag am Küniglberg begonnen und dürfte sich bis in die frühen Abendstunden ziehen. 18 Stimmen sind nötig, um im ORF-Chefsessel Platz zu nehmen.
Larcher, Breitenecker, Totzauer und Co. folgen noch
Ihr Hearing noch vor sich haben "Exxpress"-Herausgeberin Eva Schütz, der einstige HBO-Manager Johannes Larcher, Ex-ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker, Ex-ServusTV-Chefredakteur Robert Altenburger, ORF-TV-Magazinchefin Lisa Totzauer und Ex-ORF-Journalistin Sonja Sagmeister. Pro Person sind 20 Minuten Präsentationszeit vorgesehen an die stets eine Fragerunde anschließt - und diese ziehen sich.
In Summe hatten sich 75 Personen fristgerecht beworben, jedoch haben laut einer Findungskommission des ORF-Stiftungsrats nur 13 davon auch die Ausschreibungskriterien erfüllt. Von diesen wurden neun Personen von zumindest einem Stiftungsrat nominiert, was nötig war, um zum heutigen Wahltagshearing geladen zu werden.
Stichwahl denkbar
Obgleich Pig als Favorit in die Wahl am Abend geht, dürften auch Breitenecker, Totzauer, Zierhut-Kunz und Larcher Stimmen erhalten. Dadurch ist es denkbar, dass ein zweiter Wahlgang nötig wird, bei dem nur noch die beiden im ersten Wahlgang stimmenstärksten Kandidaten bzw. Kandidatinnen zur Wahl stehen. Bei Stimmengleichheit entscheidet die Stimme des Vorsitzenden. Als realistischstes Szenario erachten Beobachter für den Fall des Falles, dass Pig und Breitenecker in eine Stichwahl kommen. Der Wahlsieger bzw. die Wahlsiegerin gibt im Anschluss an die Wahl eine Pressekonferenz.
Bei der Wahl müssen die einzelnen Stiftungsräte aufgrund des EMFG auch ein Statement abgeben, in dem sie ihre Entscheidung begründen. Das wird protokolliert, aber nicht veröffentlicht. Der Wahlakt in einer Wahlzelle ist an sich geheim. Die Stimmzettel sind jedoch namentlich gekennzeichnet.
Schokobananen von der Amtsinhaberin
Die gegenwärtige ORF-Chefin Ingrid Thurnher hatte sich nicht für die fünfjährige Funktionsperiode ab 2027 beworben, den wartenden Journalistinnen und Journalisten aber einen Besuch abgestattet. Mit dabei hatte sie mehrere Packungen Schokobananen - für "den langen Tag" und um "Mut zuzusprechen". (APA)