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Betriebsbrände sind zum großen Teil verhinderbar
kurt sattlegger 24.04.2015

Betriebsbrände sind zum großen Teil verhinderbar

Brandschutz-Management Ein Brandschutz-System und Gütesiegel verspricht Firmenbrände zu einzudämmen

Eine Viertel Milliarde Euro wird jährlich bei 25.000 Bränden vernichtet; viele Betriebe müssen sperren.

Wien. Ungefähr 25.000 mal brennt es in Österreich pro Jahr. Der wirtschaftliche Folgeschaden ist enorm, insbesondere wenn in Betrieben die Flammen wüten: 260 Mio. Euro werden so regelrecht verbrannt, 89 Mio. Euro davon im Industriebereich, 57 Mio. Euro im Gewerbe. Wäre alles nicht notwendig, meint Alfred Pölzl, Experte für Brandschutzmanagement. Fast alle Großbrände in Unternehmen wären relativ leicht zu verhindern: durch die Einführung eines Brandschutz-Management-Systems.

Firmen verschwinden

Zwar ist ein Großteil der direkten Schäden bei Betriebsbränden durch Versicherungen gedeckt, trotzdem kommen viele Unternehmen nach einem großen Brandereignis nicht mehr auf die Beine. 40% von ihnen verschwinden innerhalb von drei Jahren vom Markt, das zeigt eine Statistik aus Deutschland. Durch den vor-übergehenden Produktionsausfall verlieren sie Kunden an die Konkurrenz, die sie nicht mehr zurückgewinnen können.

Brandschutz-Management

Umso wichtiger, meint Pölzl,sich beizeiten um einen effektiven Brandschutz zu kümmern. Und das Beste daran: „Es kostet kaum etwas.” Denn es geht im Grunde nur um organisatorische Änderungen. Beim Brandschutz-Management-System (das von der Donau-Uni Krems entwickelt wurde) wird ein Informationssystem implementiert, bei dem alle Mitarbeiter aufgerufen sind, auf bestimmte Umstände zu achten und dem Brandschutzbeauftragten entsprechende Informationen zu übermitteln. Denn darauf ist er angewiesen, wenn er seinen Job machen möchte. Gewöhnlich, so Pölzl, werde der eher allein gelassen – mit ernsten Folgen: 95% der Brände sind auf menschliches Versagen zurückzuführen und wären vor allem durch bessere Organisation zu verhindern gewesen.Es wird daher eine Brandschutzpolitik eingeführt, hinter der die Geschäftsleitung steht, und durch die alle Mitarbeiter wissen, was zu vermeiden ist und wer was zu kontrollieren hat. Auf diese Weise kommt es zu einer „Wissensmultiplikation” im Unternehmen, so Pölzl. Das Brandschutz-Management geht aber darüber hinaus: Es umfasst auch Notfallpläne für den Ernstfall und einen Plan, wie es nach einem Brand mit der Produktion weitergehen soll.

Prämie mindern mit Siegel

Wenn man es wirklich erst meint mit dem Brandschutz, kann man sich darüber hinaus mit dem Brandschutzgütesiegel zertifizieren lassen. Das macht die ÖQA (Österreichische Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Qualität) Zertifizierungs-GmbH. So eine Zertifizierung dauert ca. einen Monat, meint Pölzl, danach ist man nicht nur auf der sicheren Seite, sondern kann seinen Versicherer auch eine Reduktion der Brandversicherungsprämie nahe- bringen. Große Brände, so Pölzl, entstehen fast immer durch Kommunikationsprobleme. Etwa wenn der Brandschutzbeauftragte nicht gut mit Fremdfirmen zusammenarbeitet und ihnen – etwa bei Flämmarbeiten – den Freigabeschein (mit verpflichtenden Sicherheitsmaßnahmen) unterzeichnen lässt.

Schlechte Datenlage

Trotz der enormen jährlichen Schäden gibt es nur mangelhaftes statistisches Material über Brandschäden in Österreich, so Pölzl. Ein Jahr fehle fehlerbedingt überhaupt zur Gänze. Und Deutschland weise pro 1.000 Einwohner nicht einmal halb so viel Brände aus wie Österreich. Warum das so ist, wisse aber niemand.

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