•• Von Chris Radda und Christian Novacek
Das Auhof Center feiert 30 Jahre – und steht exemplarisch dafür, wie sich ein Standort durch konsequente Entwicklung und klare Kundenorientierung behaupten kann. Im Gespräch mit medianet-Herausgeber Chris Radda zeichnet Betreiber Peter Schaider den Weg vom kleinen Nahversorger zum zweitgrößten Einkaufszentrum Wiens nach. Der Beginn war überschaubar und von Unsicherheit geprägt. „Wir waren am Anfang sehr klein und sehr unbekannt“, sagt Schaider. Mit rund 2.500 m² Verkaufsfläche, Ärzten und Fitnessstudio startete das Center Mitte der 1990er-Jahre. Der Westen Wiens galt zwar als attraktives Einzugsgebiet, musste aber erst entwickelt werden. „Es ist immer wieder einen Schritt nach vorn gegangen“, beschreibt Schaider die frühen Jahre. Wachstum erfolgte nicht sprunghaft, sondern in Etappen – mit zusätzlichen Bauteilen, wachsender Fläche und einer zunehmenden Markenqualität.
Vom Friseur zum Center-Chef
Sein Zugang zum Geschäft ist bis heute ungewöhnlich: Schaider ist gelernter Friseur. Diese Herkunft prägt seinen Blick auf den Handel entscheidend. „Man muss mit offenen Augen durchs Leben gehen“, sagt er. „Wer Kunden versteht, versteht auch Frequenz, Aufenthaltsdauer und Kaufverhalten.“ Dieses Denken überträgt er konsequent auf das Center. Es gehe nicht nur um Flächen, sondern um ein funktionierendes System aus Service, Atmosphäre und Angebot.
Ein wesentlicher Entwicklungsschritt folgte mit den großen Erweiterungen ab 2010 und insbesondere 2014. Neue Ankermieter, zusätzliche Bauteile und die Integration weiterer Nutzungen stärkten die Position nachhaltig. „Es ist erschreckend, wie die Zeit vergeht“, sagt Schaider rückblickend. Heute umfasst das Auhof Center rund 140 Shops und zählt zu den wichtigsten Handelsstandorten der Stadt.
Nicht alle Phasen verliefen reibungslos. Besonders einschneidend waren die Corona-Jahre. „Du bist in das Center hineingegangen, alle Geschäfte waren zu. Eine Katastrophe“, erinnert sich Schaider. Unsicherheit und fehlende Planbarkeit waren die Handicaps. Umso bemerkenswerter die Entwicklung danach: Frequenzen und Umsätze stabilisierten sich. „Die Umsätze steigen je nach Jahr zwischen zwei und fünf Prozent“, berichtet Schaider.
Entscheidend für diesen Verlauf ist aus seiner Sicht das Konzept. „Das reine Einkaufen ist es nicht mehr“, betont er. Erfolgreich sei die Kombination aus Konsum, Gastronomie und Aufenthaltsqualität. Kunden kämen nicht nur zum Einkaufen, sondern um Zeit zu verbringen. „Die Leute fahren hierher, haben zwei, drei Stunden Zeit“, beschreibt Schaider das Verhalten. Das Center versteht er daher als Dienstleistungsbetrieb, nicht als reine Handelsimmobilie. Dieses Verständnis zeigt sich auch in vielen Details. „Der Kunde muss sich wohlfühlen“, lautet ein zentraler Grundsatz. Geschwungene Gänge, bewusst gesetzte Architektur, breite Parkplätze und eine gezielte Auswahl der Mieter tragen dazu bei. Auch die persönliche Ansprache spielt eine Rolle: Betreiber und Management suchen aktiv den Kontakt zu Mietern und reagieren auf Feedback.
Im Westen viel Neues
Ein weiterer Stabilitätsfaktor ist das Einzugsgebiet. „Der Westen von Wien ist ein sehr gutes Umfeld“, sagt Schaider. Die Kunden gelten als kaufkräftig und loyal, viele besuchen das Center regelmäßig. Gleichzeitig profitiert der Standort von der vergleichsweise klar strukturierten Handelslandschaft in Wien. „Gute Standorte werden nicht aussterben“, ist Schaider überzeugt. Entscheidend sei, dass Angebot, Lage und Erreichbarkeit zusammenpassen.
Auch die wirtschaftliche Lage bewertet er differenziert. „Es wird immer alles sehr negativ geredet, ist aber nicht so negativ“, sagt er. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen zeige sich der Konsum stabil. Besonders im Westen Wiens sei die Entwicklung robuster als vielfach angenommen. Zum 30-jährigen Jubiläum setzt das Auhof Center gezielt auf Aktivierung. Über mehrere Monate hinweg präsentieren sich die Shops mit Aktionen und Angeboten. „Jedes Geschäft hat ein Jubiläum“, erklärt Schaider. Ziel ist es, Frequenz zu steigern und die Bindung zu den Kunden weiter zu vertiefen. Schaider: „Man muss sich bemühen, dass sich die Leute wohlfühlen.“
