Altspeiseöl wird zum Wachstumsmotor
© Münzer
Ewald-Marco Münzer, Geschäftsführer der Münzer Bioindustrie, treibt die internationale Expansion und die Weiterentwicklung des Geschäfts­modells voran.
RETAIL Redaktion 24.04.2026

Altspeiseöl wird zum Wachstumsmotor

Ein Rohstoff, viele Märkte: Münzer Bioindustrie treibt Expansion voran und setzt dabei zusehends auf internationale Präsenz.


••• Von Christian Novacek

Während viele noch über die Energiewende diskutieren, setzt ein steirisches Unternehmen seit Jahrzehnten auf eine Lösung, die bereits funktioniert. „Unser Geschäftsmodell basiert darauf, Sammlung, Aufbereitung und Verarbeitung aus einer Hand zu denken“, erklärt Marco-Ewald Münzer, geschäftsführender Gesellschafter sowie CEO/CRO der Münzer Bioindustrie, sein erfolgreiches Geschäftsmodell. Und: Genau diese Integration, die alles aus einer Hand denkt, gilt jetzt als zentraler Hebel für weiteres Wachstum.

Das Unternehmen, das 1991 mit einem Lkw begann, zählt heute zu den größten Sammlern und Verwertern von Altspeiseöl in Europa und betreibt Österreichs bedeutendste Produktionsstätte für abfallbasierten Biodiesel. Aus einem Kilogramm Altspeiseöl entsteht ein Kilogramm Biodiesel – damit verbunden ist eine CO2-Einsparung von rund drei Kilogramm im Einsatz. Somit ist das Modell nicht nur ökologisch, sondern auch industriell skalierbar – und im Alltag unmittelbar wirksam.

Wertvolles Speiseöl
Die Grundlage des Geschäfts bleibt dabei ein lange unterschätzter Rohstoff: gebrauchtes Speiseöl. Um hier die Versorgung langfristig zu sichern, setzt Münzer auf ein engmaschiges Sammelnetzwerk sowie langfristige Partnerschaften.
„Entscheidend ist die direkte Kontrolle über die Sammlung“, berichtet Münzer. In diesem Belang unterscheide man sich von vielen Wettbewerbern, die weniger Zugriff auf eigene Rohstoffströme haben. Gleichzeitig ermöglicht diese Struktur, Qualität und Verfügbarkeit langfristig abzusichern. Das integrierte Modell gedeiht zunehmend zum Wettbewerbsvorteil. Während neue Marktteilnehmer oder Energiekonzerne oft nur in einzelnen Stufen der Wertschöpfung aktiv sind, deckt Münzer die gesamte Kette ab. „Diese operative Tiefe, kombiniert mit hoher Rückverfolgbarkeit, ist schwer kopierbar“, sagt Münzer.

Dennoch wächst der Druck. Steigende Rohstoffpreise und höhere Kosten belasten die Margen. Auch bei Münzer: Im Geschäftsjahr 2024/25 lag der globale Umsatz bei 367,7 Mio. €, das EBIT bei 8,3 Mio. € – unter dem Strich blieb ein moderates Wachstum von +3,3%.

Dynamisch im Heimmarkt
In Österreich entwickelte sich das Geschäft deutlich dynamischer: Der Umsatz stieg um +20,9% auf rund 186 Mio. €, nach –16,5% im Vorjahr. Der kräftige Zuwachs ist zum Teil als Aufholeffekt nach dem Rückgang im Jahr zuvor zu sehen, gleichzeitig profitierte das Unternehmen von steigenden Sammelmengen und einer Ausweitung der Aktivitäten im Heimmarkt.

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