Amazon dominiert, Österreich reüssiert
© Amazon
RETAIL Redaktion 08.05.2026

Amazon dominiert, Österreich reüssiert

Der Onlinehandel ist weltweit und auch in Österreich stark von Amazon geprägt – heimische Händler performen gut.

••• Von Georg Sohler

WIEN. Amazon ist mit rund 717 Mrd. USD (rd. 613 Mrd. €) das umsatzstärkste Unternehmen der Welt. Wenig überraschend ist, dass der US-Gigant auch in Österreichs Onlinehandel an der Spitze steht. Die Studie „Top 100 Webshops in Österreich“ von Handelsverband und ECDB zeigt, wie deutlich der Vorsprung ist: Auf Ebene der größten Onlineshops (gemessen am Netto-Umsatz) müssen die Plätze zwei bis sieben im HV-Ranking zusammengezählt werden, um ein vergleichbares Niveau zu erreichen.

Großer Abstand
Noch deutlicher wird der Abstand auf Marktplatzebene: Gemessen am Bruttowarenwert, also dem gesamten über Plattformen abgewickelten Handelsvolumen, erreichen die übrigen Top-10-Marktplätze kombiniert lediglich knapp zwei Drittel des Amazon-Werts.

Insgesamt belief sich der E-Commerce-Umsatz laut letztverfügbarer Zahlen auf 10,5 Mrd. € (2024). Das sind 15,5% des gesamten Einzelhandelsumsatzes. 2025 dürften gemäß der Studie mehr als elf Mrd. € umgesetzt worden sein. Hervorzuheben ist dabei, dass das Unternehmen rund ein Drittel des Umsatzes mit eigenen Waren macht, während etwa zwei Drittel an Marken oder Händler fließen, die über den Amazon Marketplace verkaufen.

Erfreuliche Nachrichten
Bei den Umsatzanteilen der Webshops liegen Generalisten wie amazon.de, shein.com und ottoversand.at mit 1.876 Mio. €
deutlich vor Anbietern aus dem Bereich Fashion & Accessoires wie zalando.at, bestsecret.at oder aboutyou.at (1.104,3 Mio. €). Deutlich weniger als eine Milliarde Euro entfallen auf Computer und Elektronik (754,3 Mio. €),
Lebensmittel belaufen sich auf 240,2 Mio. €. Die Plattformen billa.at und interspar.at rangieren mit einem Nettoumsatz von
91,5 Mio. € bzw. 86,6 Mio. € auf den Plätzen 12 und 13 – haben ihren Zustelldienst aber inzwischen bekanntlich eingestellt.
Die heimischen Anbieter können sich also behaupten. „Erfreulich ist die Stärke vieler heimischer Webshops – und das in einem Marktumfeld, das von internationalen Giganten und teils unfairen Spielregeln geprägt ist“, sagt dazu HV-Geschäftsführer Rainer Will.

Fernost auf dem Vormarsch
Im Fokus dieser Kritik stehen bekanntlich Anbieter wie Temu und Shein. Diese Unternehmen erwirtschafteten mehr als eine halbe Milliarde Euro. Das führt laut HV zu einem Verlust von vielen Arbeitsplätzen und dem Entgang von Steuereinnahmen in Millionenhöhe. Die Anbieter nutzten die 150-Euro-Zollfreigrenze aus. Dass auf diese Waren keine Zölle erhoben wurden, sollte eigentlich die Behörden entlasten.

Seit 2022 hat sich das Volumen jährlich etwa verdoppelt, 4,6 Mrd. Pakete kamen 2024 so in der EU an und die Politik hat reagiert: Ab dem 1. Juli 2026 unterliegen diese Waren einem festen Zollsatz von drei Euro. Ab 2028 soll es dann eine digitale Zollreform geben. Das Ziel der Harmonisierung und Digitalisierung gilt in der Branche allerdings als sehr ambitioniert.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL