KÖLN/DÜSSELDORF. Vom physischen Terminal zur vernetzten Plattform: Die Kassenlandschaft im Einzelhandel steht vor einer strukturellen Neuordnung. Um steigende Anforderungen an Effizienz, Integration und Datenverfügbarkeit zu erfüllen, investieren Händler gezielt in moderne Checkout-Technologien. Laut einer aktuellen EHI-Studie „Checkout-Trends 2026“, soeben vorgestellt im Rahmen der EuroShop, rücken vor allem Künstliche Intelligenz, Self-Checkout- und Self-Scanning-Systeme sowie mobile Geräte mit Kassenfunktion in den Fokus.
Neue Checkout-Definition
„Der Checkout entwickelt sich zu einer intelligenten, vernetzten Plattform, die Effizienz, Flexibilität und Innovationskraft vereint. Händler positionieren sich bereits jetzt für die Ära des vernetzten Handels“, sagt Cetin Acar, Studienautor beim EHI. Parallel setzt sich der Rückgang klassischer Kassensysteme fort. Aktuell sind in Deutschland 904.300 Kassen im Einsatz, nach 931.000 im Jahr zuvor.
Auch die Zahl der Betriebe sank auf 473.700 nach 498.200. Ursachen sind Geschäftsschließungen aus wirtschaftlichen Gründen sowie der anhaltende Druck durch den Onlinehandel. Die Gesamtzahl stationärer Touchpoints nimmt damit weiter ab, Self-Checkout-Systeme können diese Entwicklung nicht kompensieren.
Optimierungen gefordert
Inhaltlich sehen die im D-A-CH-Raum befragten 50 Händler drei zentrale Handlungsfelder: 60% nennen KI-Unterstützung als wichtigsten Hebel zur Optimierung des Kassenprozesses. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 33%. 56% setzen auf Self-Service-Lösungen, um Wartezeiten zu reduzieren und Personal flexibler einzusetzen. 48% planen den verstärkten Einsatz mobiler Kassengeräte, die den Bezahlvorgang direkt in den Verkaufsraum verlagern und Prozesse entzerren.
Insgesamt steigt der Modernisierungsdruck auf die Filialsysteme: Die Kassenhardware ist im Schnitt 5,9 Jahre alt, nach 5,5 Jahren im Vorjahr. Vor dem Hintergrund hoher Energiekosten und eines verhaltenen Konsumklimas investieren viele Händler selektiv: Nur 22% streben einen vollständigen Austausch an, 88% planen jedoch Anpassungen innerhalb der kommenden zwei Jahre, etwa bei Scannern, Druckern oder Displays.
Erneuerungsbedarf hoch
Auch die Software gilt mit durchschnittlich 6,9 Jahren als erneuerungsbedürftig. Rund die Hälfte der Befragten plant einen Wechsel. Individuelle Lösungen gewinnen an Bedeutung, weil sie sich gut in bestehende Systemlandschaften integrieren lassen und neue Funktionen wie kontaktloses Bezahlen schneller verfügbar machen. (red)
Industriesoftware als Schlüsseltechnologie
•• Von Helga Krémer Industrie- und Energieunternehmen stehen vor der Aufgabe, ihre Prozesse nachhaltiger, effizienter und zugleich resilient zu gestalten. Digitalisierung und Innovation
