WIEN. Die Wienerinnen und Wiener geben online so viel aus wie noch nie. Im vergangenen Jahr stiegen die Online-Ausgaben bei nationalen und internationalen Online-Shops im Jahresvergleich um 17 Prozent auf rund 2,3 Milliarden Euro und erreichen damit das höchste Niveau der vergangenen Jahre. Gleichzeitig bleibt der stationäre Handel das Rückgrat des Wiener Einzelhandels: Rund 88 Prozent der Ausgaben werden weiterhin direkt im Geschäft getätigt.
Der Online-Anteil stieg auf 12 Prozent und liegt damit über dem Vorjahreswert von 10,4 Prozent, jedoch weiterhin unter den Höchstwerten der Jahre 2020 (13,2 Prozent) und 2021 (13,6 Prozent). Auch die Zahl der Online-Käuferinnen und -Käufer wächst: Kauften vor zehn Jahren 58 Prozent der Wienerinnen und Wiener online ein, waren es zuletzt 74 Prozent. Das zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für Österreichs Wirtschaft (iföw) im Auftrag der Wirtschaftskammer Wien.
Hybrides Einkaufen als Normalität
„Der stationäre Handel bleibt stark, vor allem dort, wo Beratung, Vertrauen und ein persönliches Einkaufserlebnis gefragt sind. Für viele Betriebe ist der Online-Handel kein Gegenmodell zum stationären Geschäft, sondern eine sinnvolle Ergänzung“, sagt Margarete Gumprecht, Obfrau der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Wien.
Je nach Branche fällt das Online-Einkaufsverhalten unterschiedlich aus: Spitzenreiter sind Bekleidung und Schuhe (46 Prozent), gefolgt von Büchern und Zeitungen (24 Prozent) sowie Möbeln, Gartenartikeln und Kosmetik (je 22 Prozent). Österreichweit weist Wien zudem den höchsten Anteil bei Online-Bestellungen von Lebensmitteln auf (19 Prozent).
Wettbewerb durch Temu und Shein
Die Studie zeigt zudem, dass sich das Wachstum im Online-Handel zunehmend zugunsten internationaler Plattformen verschiebt. Nur noch 35 Prozent der Online-Ausgaben entfallen laut Gumprecht auf österreichische Händler, während bereits 65 Prozent ins Ausland abfließen. Bereits 36 Prozent der Wienerinnen und Wiener haben demnach bei Temu eingekauft, 25 Prozent bei Shein und 17 Prozent bei AliExpress.
Vor diesem Hintergrund fordert der Wiener Handel gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Anbieter. „Wer in Europa verkauft, muss sich auch an europäische Standards halten. Umwelt-, Sicherheits-, Steuer- und Sozialstandards müssen für alle Marktteilnehmer gleichermaßen gelten“, so Gumprecht. Seit 1. Juli 2026 gilt ein Pauschalzoll von drei Euro pro Paket unter 150 Euro Warenwert, ab 1. November 2026 kommt zusätzlich eine EU-Bearbeitungsgebühr hinzu.
Abschließend appelliert Gumprecht an die Konsumentinnen und Konsumenten, bewusst einzukaufen: „Wer bei heimischen Händlerinnen und Händlern einkauft, stärkt regionale Wertschöpfung, Arbeitsplätze und lebendige Einkaufsstraßen.“ (red)