Ein leicht rückläufiger Schaumwein- (–2,7%) und ein stark rückläufiger Spirituosenmarkt (–5%), aggressive Preisaktionen im Lebensmittelhandel sowie eine anhaltend hohe Inflation: Das vergangene Jahr war für Schlumberger von viel Gegenwind geprägt – doch auch, wenn am Ende ein knapp zweistelliger Umsatzrückgang steht, konnten die Marktanteile der beiden wichtigsten Marken des Hauses, Schlumberger und Hochriegl, beim Umsatz (9,7% bzw. 9,4%) wie beim Absatz (4,6% bzw. 11%) stabil gehalten werden, wie Vertriebsdirektorin Anne Glatz und Pressesprecher Alexander Ludwig im Rahmen einer Fachmedienrunde im Stammhaus in Wien-Heiligenstadt berichten. Mengenmäßig konnte Schlumberger sogar minimal zulegen.
Stabilität und Schwung
Von Katerstimmung kann bei Österreichs ältestem Sekthersteller indes keine Rede sein: Der Blick ist längst nach vorne gerichtet, man geht optimistisch ins neue Jahr – und das liegt nicht zuletzt an den vollzogenen Weichenstellungen.
Im vergangenen Herbst erfolgte nicht nur die feierliche Eröffnung der neuen Produktionsanlage in Müllendorf, es wurde auch das Führungsteam neu aufgestellt. Mit der Umstellung von einer Dreiergeschäftsführung auf einen einzelnen CEO – Florian Czink, der seit 2005 im Unternehmen ist – sind die Entscheidungswege kürzer geworden. Gleichzeitig ist die sechsköpfige Geschäftsleitung mit Anne Glatz, die auch als Co-Geschäftsführerin von Top Spirit fungiert, Chefönologin Aurore Jeudy und Marketingchefin Nicole Cappato nun geschlechterparitätisch zusammengesetzt.
„Wir bringen langjährige Erfahrung und Stabilität in das Unternehmen, holen uns aber auch neuen Schwung in unterschiedlichen Positionen – unter anderem haben wir im Herbst 2025 den Verkauf neu aufgestellt“, so Glatz. Es wehe ein „frischer Wind“ im Unternehmen.
Gastronomie im Fokus
Wenngleich das Marketingbudget für 2026 gestrafft, da und dort eine Stelle nicht nachbesetzt und generell „der Gürtel etwas enger geschnallt“ wird, investiert Schlumberger auch 2026 kräftig in die Zukunft und Modernisierung des Unternehmens: Neben strategischen Wachstumsfeldern wie Alkoholfrei und Hochriegl Spritz liegt der Fokus heuer auf einer Gastro-Offensive mit Aurore Jeudy, in deren Rahmen die neuen Jahrgänge der Schlumberger Reserve und der Großen Reserve präsentiert werden.
Eine optische Auffrischung hat die reinsortige Sektmarke Goldeck (Grüner Veltliner und Zweigelt Rosé) erhalten, neu ist der Kleine Klopfer Skiwasser (samt dem Party-Mix Kleiner Klopfer Après Ski). Im März will Schlumberger die größte Akquisition im Spirituosenbereich seit zehn Jahren verkünden – um welche Marke es sich dabei handelt, bleibt vorerst noch ein Geheimnis.
Potenzial bei Lohnabfüllungen
Dass sich der Spirituosenmarkt 2026 erholen wird, davon geht Glatz nicht aus. 2025 waren laut Nielsen-Daten erneut 13 von 14 Kategorien rückläufig. Die Prognosen deuten darauf hin, dass der jahrelange Abwärtstrend weiter anhalten wird.
Was den Sekt anbelangt, plant Schlumberger 2026 eine „moderate Preiserhöhung“ – nachdem man in den letzten Jahren bei der Preisentwicklung bewusst spürbar unter der Inflation geblieben ist.
Standen schon die jüngsten Kampagnen von Hochriegl und Schlumberger im Zeichen einer Markenverjüngung, will man im Frühling noch einmal kräftig nachlegen – und zwar mit der bunten Hochriegl-Sonderedition „Unlimited Love“, die rund um Song Contest und Vienna Pride lanciert wird.
Abseits davon gilt es weiterhin, die Positionierung von Sekt als Speisebegleiter – statt als reines Anlassgetränk – weiter voranzutreiben, und dem Konsumentenwunsch nach mehr heimischem Sekt in der Gastronomie gerecht zu werden. Bestärkt fühlt man sich hierbei durch die Ergebnisse des jüngsten Sektreports vom Dezember: Demnach ist es mehr als der Hälfte (55%) der befragten Sekttrinker wichtig, dass Gastronomiebetriebe österreichischen Sekt anbieten, am liebsten sowohl glasweise als auch flaschenweise. „Hier liegt für die Gastronomie ein besonders attraktives Umsatzpotenzial mit einer kaufkräftigen Zielgruppe“, so Glatz.
Potenzial ortet Schlumberger infolge der Inbetriebnahme der neuen Produktionsanlage auch für Lohnabfüllungen. Bisher hatte man sich in dieser Hinsicht auf „Hausmarken“ vereinzelter Gastronomiebetriebe beschränkt, doch gibt es nun kapazitären Spielraum nach oben. Apropos nach oben: Glatz ist überzeugt, dass es heuer wieder dorthin geht – und 2026 „ein Wachstumsjahr“ wird.
ProSiebenSat.1 Puls 4 bestätigt Stellenabbau
WIEN Bereits im Sommer des Vorjahres gab es erste Berichte über mögliche Einsparungen bei ProSiebenSat.1 Puls 4. Damals war von knapp zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Onlinenachrichten-Redaktion
