WIEN. Der österreichische Handel hat 2025 wieder zugelegt, bleibt aber mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert. Das ist das Fazit des neuen „Jahrbuch Handel 2026“ der KMU Forschung Austria im Auftrag des Handelsverbands. Demnach erwirtschafteten 91.440 Unternehmen aus Einzelhandel, Großhandel und Kfz-Handel im Vorjahr 298 Mrd. Euro Umsatz. Inflationsbereinigt entspricht das einem Plus von 0,6 Prozent. Die Branche beschäftigt 604.000 unselbstständig und weitere 107.000 selbstständig tätige Personen.
Der Einzelhandel umfasst 52.230 Unternehmen mit 341.000 unselbstständig Beschäftigten und einem Nettoumsatz von 94,8 Mrd. Euro. Auf den Lebensmitteleinzelhandel entfallen davon 35 Prozent des Umsatzes und rund 124.000 Beschäftigte. Insgesamt liegt der Frauenanteil im Handel bei 54 Prozent, im Einzelhandel bei 70 Prozent. Die Teilzeitquote beträgt branchenweit 36,7 Prozent und im Einzelhandel 48,8 Prozent.
„Der Handel ist auf Wachstumskurs zurückgekehrt, er bleibt aber strukturell unter Druck. Die Branche ist die umsatzstärkste Österreichs, wir erwirtschaften fast ein Drittel aller Erlöse. Mit 711.000 selbstständig und unselbstständig Beschäftigten sind wir größter Arbeitgeber des Landes innerhalb der marktorientierten Gesamtwirtschaft. Jeder fünfte Job in der Privatwirtschaft wird vom Handel angeboten, die volkswirtschaftliche Bedeutung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden“, erklärt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands.
Weniger Unternehmen, geringe Margen
Zwischen 2019 und 2025 ist die Zahl der Handelsunternehmen deutlich zurückgegangen. 2025 verzeichnete die Branche laut Studienautor Wolfgang Ziniel im Schnitt fünf Insolvenzen pro Werktag. Die Schließungsquote lag bei 6,5 Prozent und damit über der Neugründungsquote von 6 Prozent.
„Die Anzahl der Unternehmen ist zwischen 2019 und 2025 deutlich zurückgegangen. Im Vorjahr musste die Branche im Schnitt fünf Insolvenzen pro Werktag verkraften. Die Schließungsquote war zuletzt mit 6,5% deutlich höher als die Neugründungsquote von 6%“, bestätigt Studienautor Wolfgang Ziniel, Projektleiter der KMU Forschung Austria.
Nach Rückgängen in den Jahren 2023 und 2024 stiegen die Handelsumsätze 2025 nominell um 2,1 Prozent und real um 0,6 Prozent. Das reale Umsatzniveau liegt allerdings noch knapp 7 Prozent unter jenem von 2019. Im ersten Halbjahr 2026 legte der Einzelhandel kalenderbereinigt nominell um 2,1 Prozent zu, real blieb ein Plus von 0,1 Prozent.
„Wer angesichts dieser Zahlen behauptet, der Handel habe sich in der Inflationskrise ein Körberlgeld verdient, kommuniziert faktenbefreit. Die Gewinnmarge liegt sektorübergreifend mit 4,4% auf einem historischen Tiefstand, im Lebensmittelhandel liegt sie bei nur 0,5% bis 2,5%. Sowohl der Lebensmittel- als auch der NonFood-Handel haben in den letzten drei Jahren nachweislich inflationsdämpfend agiert“, stellt Handelssprecher Will klar.
Handel fordert Entlastungen
Auch der Abfluss von Konsumausgaben ins Ausland, insbesondere zu Plattformen aus Fernost, wird als Belastung für den heimischen Handel gesehen. Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig kündigt an, diese Anbieter stärker in die Pflicht nehmen zu wollen.
„Wer hier Geschäfte macht, muss sich an unsere Regeln halten. Deshalb stehen wir an der Seite des heimischen Handels, wenn faire Wettbewerbsbedingungen unter Druck geraten. Billigplattformen aus Fernost müssen klare Grenzen gesetzt werden, wenn sie mit unfairen Verkaufstricks arbeiten oder gefährliche Produkte anbieten. Wer Verantwortung übernimmt, Arbeitsplätze schafft und hohe Standards bei der Produktsicherheit einhält, darf nicht den Kürzeren ziehen. Es geht um beides: um den Schutz der Menschen und um faire Wettbewerbsbedingungen für den heimischen Handel“, verspricht Ulrike Königsberger-Ludwig, Staatssekretärin im Sozialministerium.
Mit 12.800 Lehrlingen ist der Handel zudem der drittgrößte Lehrlingsausbilder Österreichs. Der Handelsverband fordert daneben bessere Rahmenbedingungen für eine Ausweitung der Vollzeitbeschäftigung, insbesondere durch flächendeckende und leistbare Kinderbetreuung. Auch bei den Abgaben auf Arbeit sieht der Verband Handlungsbedarf.
„Eine flächendeckende und leistbare Kinderbetreuung in ganz Österreich gehört zu den Kernanliegen der Bundesregierung. Mit dem verpflichtenden zweiten Kindergartenjahr haben wir bereits einen sehr wesentlichen Hebel verankert. Darüber hinaus arbeiten wir an Lösungen, damit Frauen nicht länger gezwungen werden, Teilzeit zu arbeiten“, so Staatssekretärin Königsberger-Ludwig.
„Die Steuern und Abgaben auf Arbeit liegen im EU-Schnitt bei 47,3%, in Österreich bei 55,6%. Laut Wifo-Radar der Wettbewerbsfähigkeit hat Österreich damit in den letzten Jahren an Boden verloren. Daher gilt es, Anreize zu setzen und die Arbeitgeber bei den Lohnnebenkosten sowie die Arbeitnehmer bei den Lohnkosten weiter zu entlasten. Das ist das beste Investment in unsere Zukunft“, so Will im Namen des heimischen Handels. (red)