Mehr Schlachtungen, weniger Appetit?
© APA/Harald Schneider
RETAIL Redaktion 28.08.2026

Mehr Schlachtungen, weniger Appetit?

Ein Rundruf ergründet die Auswirkungen der extremen Hitze auf Vieh, Fleischkonsum und Einkaufsverhalten.

••• Von Georg Sohler

Die Hitze hatte Österreich in den letzten Wochen fest im Griff. Sie äußerte sich in Rekordwerten jenseits der 40 Grad und viel zu hohen Temperaturen bis auf die Almen hinauf. Die Trockenheit führte zu Futtermangel, viele Rinder mussten deshalb vorzeitig geschlachtet werden.  Die Politik reagierte und schuf zunächst Erleichterungen beim ÖPUL (Österreichisches Programm zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft). Dazu zählen unter anderem Erleichterungen bei dürrebedingt unzureichenden Begrünungen und zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten für bestimmte Biodi­versitäts- und Naturschutzflächen. Vergangenes Wochenende einigte sich die Bundesregierung zudem auf Dürrehilfen. Zu den Maßnahmen zählen die Aussetzung von Sozialversicherungsbeiträgen, Zinszuschüsse und Ratenstundungen sowie eine Verringerung der Prämien für die Hagelversicherung.
Ein medianet-Rundruf bei Produzenten und Händlern zeigt nun, welche Auswirkungen das Wetter auf den heimischen Handel hat.

Mehr Schlachtungen
Laut den Marcher Fleischwerken hat die Hitzewelle vor allem im Rinderbereich zu einem Anstieg der Schlachtzahlen geführt. Es gebe nun wenig Gras und Heu, ergänzt Wiesbauer-Geschäftsführer Thomas Schmiedbauer: „Aufgrund der fehlenden Futtermittel mussten viele Rinder bereits frühzeitig geschlachtet werden.“ Das führte Mitte August zu einem Überangebot. Diese Mengen dürften seiner Einschätzung nach aber wiederum später fehlen, was zu einer Verknappung und Verteuerung führen könnte.
Für die Schweinemast seien derzeit noch Futtermittel aus Altbeständen vorrätig: „Hier werden sich die Auswirkungen erst nächstes Jahr zeigen, die Futtermittel werden dann wahrscheinlich extrem teuer werden.“ Die Hitze hat dem Hunger auf Fleisch indes keinen Abbruch getan. Davon profitiert insbesondere Schinken; auch die Nachfrage nach Extrawurst und Knackern steigt an Hitzetagen.

Verschiebungen im Absatz
So erklärt etwa Rudolf Berger, Geschäftsführer des gleichnamigen Schinkenherstellers: „An sehr heißen Tagen verändert sich die Art, wie gegessen wird: Bleibt die Küche kalt, sind leichte und unkomplizierte Gerichte gefragt.“  Diesen Trend bestätigt auch Wiesbauer: „Es ist nicht ungewöhnlich, dass der Absatz zurückhaltend ist, weil die Konsumenten oft weniger oder auch leichter essen. Die Wurstverkäufe verlagern sich dann vermehrt von deftigen Dauerwürsten hin zu Schinken und frischen Brühwürsten.“ Auch bei Marcher waren Knacker und Extrawurst „bemerkenswert stark“ gefragt, wenngleich man auch beim Absatz klassischer Grillprodukte keinen Einbruch registriert.

Manche Produkte würden tatsächlich vermehrt gekauft, bestätigt Spar-Pressesprecherin Nicole Berkmann, darunter Mineralwasser und Eis. Aber nicht zwangsläufig auf Kosten anderer Produkte: „Trotz der Hitze wird fleißig gegrillt.“ Es gebe also keine Auswirkungen auf den Fleischabsatz.

Vorausschauende Planung
Doch was tun, wenn sich derartig heiße Phasen nun regelmäßig wiederholen sollten? Gegen Wetterkapriolen ist man als Hersteller und Händler schließlich machtlos. Die Rewe-Gruppe setzt auf Zusammenhalt: „Uns ist bewusst, wie belastend die anhaltende Trockenheit und die angespannte Futtersituation für viele Landwirte sind.“ Gerade in solchen Zeiten sei es wichtig, gemeinsam Lösungen zu finden. „Deshalb stehen wir in direktem Austausch mit der Landwirtschaft, den Erzeugergemeinschaften und den Schlachtbetrieben und setzen alles daran, die österreichische Landwirtschaft bestmöglich zu unterstützen“, heißt es weiter. Einen speziellen Fokus legt man auf Tierwohlprogramme: „Hier bestehen langfristige Partnerschaften, in deren Rahmen wir gemeinsam fixe Preise vereinbart haben.“

Aus Unternehmersicht werde es generell immer wichtiger, vorausschauend zu denken und zu planen und, dort, wo es möglich ist, einen größeren Rohstoffvorrat anzulegen, meint Schmiedbauer. Berger nimmt die Gesellschaft als Ganzes in die Pflicht: „Wir können und sollten als Gesellschaft viel aus dem
Hitzesommer lernen. Für uns zeigt sich einmal mehr, dass wir Klimaschutz und Ressourceneffizienz konsequent vorantreiben müssen.“

Dazu gehören die Reduktion des Wasserverbrauchs, der Ausbau erneuerbarer Energien und die thermische Sanierung älterer Gebäudeteile. Der Schinkenhersteller verweist in dem Zusammenhang auf die hauseigene Solarwärme oder regionale Futtermittel als Beispiele. So oder so: Die Branche muss sich auf eine volatilere Rohstoffverfügbarkeit einstellen.

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