Neue EU-Zölle verteuern Bestellungen aus Drittstaaten – Handelsverband begrüßt die Maßnahme
© Daniel Mikkelsen Leadersnet.jpg
Rainer Will, Handelsverband
RETAIL Redaktion 30.06.2026

Neue EU-Zölle verteuern Bestellungen aus Drittstaaten – Handelsverband begrüßt die Maßnahme

WIEN. Mit 1. Juli 2026 entfällt die bisherige Zollfreigrenze für Sendungen unter 150 Euro aus Drittstaaten. Stattdessen wird künftig eine pauschale Zollabgabe von drei Euro pro Artikelkategorie eingehoben. Betroffen sind Bestellungen bei Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress, aber teilweise auch Einkäufe über Marktplätze wie Amazon. Der Handelsverband begrüßt die Maßnahme und fordert die rasche Einführung der zusätzlich angekündigten Bearbeitungsgebühr für Drittstaatensendungen.

„Der EU-weite Pauschalzoll ist ein wichtiger Schritt, damit Europa nicht länger das Tollhaus des globalen Onlinehandels bleibt, sondern zu einem faireren Wettbewerbsraum wird“, meint Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. Mit der geplanten Zollrechtsreform 2028 sollen die bisherigen Privilegien für Billigimporte endgültig entfallen.

2025 wurden laut EU-Kommission 5,8 Milliarden Kleinsendungen in die Europäische Union eingeführt, das entspricht 15,9 Mio. Paketen täglich. Die enorme Paketflut bringt Behörden und Marktüberwachung seit Jahren an ihre Grenzen und führt laut Handelsverband zu Wettbewerbsnachteilen für europäische Händler.

Für Konsumenten können Bestellungen aus Drittstaaten künftig deutlich teurer werden. Die Abgabe wird nicht pro Paket, sondern pro Warenkategorie eingehoben. Wer unterschiedliche Produktarten in einer Bestellung kombiniert, zahlt mehrfach Zoll.

Der Handelsverband sieht die neue Regelung als wichtigen Schritt zu faireren Wettbewerbsbedingungen. Europäische Händler erfüllen seit Jahren hohe Anforderungen bei Produktsicherheit, Steuern, Umweltstandards und Konsumentenschutz, während Drittstaatenhändler bislang von Ausnahmeregelungen profitierten.

Als nächsten Schritt fordert der Handelsverband die rasche Einführung einer europäischen Bearbeitungsgebühr von voraussichtlich zwei Euro pro Sendung, um die Kosten für Zollabwicklung, Kontrollen und Marktüberwachung besser abzudecken. Gleichzeitig spricht sich die Interessenvertretung gegen nationale Alleingänge wie Paketsteuern aus und plädiert für einheitliche europäische Lösungen.

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL