Stimmung steigt, Handel stagniert
© Daniel Mikkelsen/Leadersnet
Für 2026 erwarten Wifo-Experte Jürgen Bierbaumer (l.) und HV-Geschäftsführer Rainer Will eine „nur verhaltene Konsumentwicklung“ und eine reale Wertschöpfung von 0,3 Prozent.
RETAIL Redaktion 28.08.2026

Stimmung steigt, Handel stagniert

Wifo-Konjunkturreport zeichnet ein gemischtes Bild – trotz sinkender Inflation bleibt der Konsum verhalten.

WIEN. In der Vorwoche ließen Zahlen des Instituts für Österreichs Wirtschaft (iföw) die Handelskonjunktur im ersten Halbjahr knapp ins Minus (–0,1%) rutschen (medianet berichtete), laut dem am Montag präsentierten Wifo-Konjunkturreport ging sich ein minimales Plus von 0,1% aus.  Die Lesart verändert sich dadurch nicht: Wie WKÖ-Handelsspartenobmann Rainer Trefelik in der Vorwoche macht auch HV-Geschäftsführer Rainer Will eine ins Stocken geratene Konsumerholung aus: „Die Bilanz des ersten Halbjahres fällt für den heimischen Einzelhandel durchwachsen aus. Ein reales Umsatzplus von 0,1% bedeutet de facto Stagnation. Im zweiten Quartal hat die Dynamik, die sich rund um den Jahreswechsel noch gezeigt hatte, wieder nachgelassen. Gleichzeitig sehen wir weiterhin eine deutliche Spreizung zwischen Food und Non-Food. Von einer nachhaltigen Erholung des privaten Konsums können wir leider noch nicht sprechen“, bilanziert Will.

Keine Trendwende im Juli
„Der durch den Iran-Krieg deutlich angestiegene Erdölpreis belastet die heimische Wirtschaft und hat die konjunkturelle Erholung unterbrochen. Gleichzeitig entwickelt sich die Konsumnachfrage der privaten Haushalte träge. Gemäß den bisher vorliegenden Daten dürfte sich diese träge Entwicklung auch im Juli fortgesetzt haben“, erläutert Wifo-Ökonom Jürgen Bierbaumer, Autor des Konjunkturreports.

Einigermaßen positiv entwickelte sich indes zuletzt die Inflation: Die österreichische Inflationsrate sank im Juli auf einen Wert von 2,8% – nach 3,2% im Juni. Rund die Hälfte dieses Rückgangs ist laut Statistik Austria auf die sinkenden Nahrungsmittelpreise zurückzuführen: Sie gingen (inkl. Preise für alkoholfreie Getränke) im Jahresabstand um 0,4% zurück. Wesentlich dazu beigetragen hat die mit 1. Juli erfolgte Senkung der Mehrwertsteuer für Grundnahrungsmittel von zehn Prozent auf 4,9%. Andere Ausgabenbereiche verteuerten sich hingegen weiterhin deutlich: Besonders stark stiegen die Preise in den Bereichen Verkehr mit +6,4%, Gastronomie und Beherbergung (+4,6%), Gesundheit (+4,5%) sowie Versicherungs- und Finanzdienstleistungen (+4,2%).

Pessimismus gesunken
Trotz der schwachen realwirtschaftlichen Entwicklung zeigen die aktuellen Umfragedaten erste Anzeichen einer Stimmungsaufhellung. Der allgemeine Wifo-Konjunkturklimaindex verbesserte sich im Juli leicht auf –3,8 Punkte, im Einzelhandel stieg er zuletzt sogar deutlich von –11,5 Punkten im Juni auf –5,7 Punkte im Juli an.

„Im Einzelhandel hat sich das Konjunkturklima zuletzt deutlich verbessert und hat damit den Pessimismus der vergangenen Monate nahezu wettgemacht. Sowohl die aktuelle Lageeinschätzung als auch die Erwartungen für die kommenden Monate haben sich verbessert. Auch bei den Konsumentinnen und Konsumenten hat sich das Stimmungsbild aufgehellt. Die hohen Preissteigerungen belasten jedoch weiterhin die verfügbaren Einkommen, weshalb sich die private Konsumnachfrage weiterhin verhalten entwickeln dürfte“, so Bierbaumer. (red)

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