Westfield Shopping City Süd: Stationärer Handel setzt auf Erlebnis und neue Konzepte
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Moderatorin Sasa Schwarzjirg, Paul Douay, Managing Director, Asset Management, Central Europe bei Unibail-Rodamco-Westfield, Zukunftsforscherin Theresa Schleicher und Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands
RETAIL Redaktion 17.09.2026

Westfield Shopping City Süd: Stationärer Handel setzt auf Erlebnis und neue Konzepte

VÖSENDORF. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Westfield Shopping City Süd diskutierten Paul Douay, Managing Director Asset Management Central Europe bei Unibail-Rodamco-Westfield, Handels-Zukunftsforscherin Theresa Schleicher und Handelsverbands-Geschäftsführer Rainer Will über die Entwicklung des stationären Handels und die Anforderungen an Handelsstandorte. Im Mittelpunkt standen die Verbindung von Handel, Gastronomie und Freizeit, wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Händler sowie die Rolle digitaler Technologien.

1976 wurde die Westfield Shopping City Süd nach amerikanischem Vorbild als großflächiger Handelsstandort eröffnet. Heute arbeiten dort rund 5.200 Menschen. Auf 205.600 Quadratmetern Mietfläche vereint das Center 330 Konzepte aus Einzelhandel, Gastronomie und Freizeit. Besucher halten sich durchschnittlich 71 Minuten auf und besuchen dabei drei bis vier Stores. Der Gastronomieanteil liegt mittlerweile bei 15 Prozent und hat sich damit gegenüber früher nahezu verdreifacht.

„Die Westfield Shopping City Süd hat sich in 50 Jahren immer wieder weiterentwickelt. Seinerzeit war es revolutionär, ein so großes Handelsangebot an einem Ort zusammenzubringen. Heute entsteht Attraktivität aus dem Zusammenspiel aus starken Marken und Produkten, Gastronomie, Freizeit, Services und Orten, an denen Menschen gerne Zeit verbringen. Entscheidend ist, immer wieder neue Gründe für einen Besuch zu schaffen und gleichzeitig den Marken- und Konzeptmix als Herzstück der Destination weiterzuentwickeln“, sagt Paul Douay, Managing Director, Asset Management, Central Europe bei Unibail-Rodamco-Westfield.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und neue Kundenerwartungen

Für Handelsstandorte wird laut den Diskussionsteilnehmern neben der Aufenthaltsqualität auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit wichtiger. Rainer Will verwies dabei auf Miet- und Nebenkosten sowie die Zusammenarbeit zwischen Händlern und Centerbetreibern. Gleichzeitig erhöht der Wettbewerb durch internationale Onlineplattformen den Druck auf den stationären Handel.

„Die Zukunft des stationären Handels entscheidet sich auch an den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Frequenz und Aufenthaltsqualität sind zentrale Erfolgsfaktoren. Gleichzeitig müssen Miet- und Nebenkosten in einem tragfähigen Verhältnis zu den Umsätzen stehen. Händler brauchen Standorte, an denen sie investieren, neue Konzepte erproben und langfristig erfolgreich wirtschaften können. Dafür ist eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Centerbetreiber entscheidend“, sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands.

Online und stationärer Handel lassen sich dabei zunehmend weniger trennen. Rund 42 Prozent der Online-Käufer interagieren mit dem Filialnetz, etwa über Click & Collect oder Retouren. Umgekehrt kann die Eröffnung eines Flagship-Stores laut den präsentierten Zahlen die Onlineverkäufe einer Marke in dessen Einzugsgebiet durchschnittlich um sieben Prozent steigern.

Theresa Schleicher erwartet für den stationären Handel keine einfache Rückkehr zu früheren Strukturen, sondern eine stärkere Verbindung mit Bereichen wie Gesundheit, Sport, Dienstleistungen und Freizeit. Auch das Konsumverhalten verändere sich: 31 Prozent der Besucher der Westfield-Center gehören der Gen Z an, während ihr Anteil an der europäischen Bevölkerung bei 19 Prozent liegt.

„Ich sehe keine Renaissance von Fläche, sondern eine Renaissance besserer Fläche. Ein erfolgreiches Einkaufserlebnis entsteht heutzutage durch Freizeitangebote, die wirklich Frequenz bringen, Gastronomie, die Menschen verweilen lässt und Produkte, über die man spricht, on-und offline. Echte Relevanz wird für den Handel entscheidend, wenn alles austauschbar oder einfach nur noch super günstig wird. Schließlich konkurriert man nicht mit dem nächsten Laden, sondern mit dem bequemsten Ort: dem Sofa. Besondere Sortimente, Langlebigkeit, Produkte, die überraschen und neue Lösungen schaffen, können für den stationären Handel zu Differenzierungsmerkmalen werden, gerade weil sie hier entdeckt, ausprobiert und unmittelbar erlebt werden können.“

KI als Instrument für Sortimente und Bestände
Auch Künstliche Intelligenz dürfte laut Schleicher vor allem im Hintergrund des Handels an Bedeutung gewinnen. Verkaufsdaten könnten stärker mit Faktoren wie Saison, Wetter und historischer Nachfrage verknüpft werden. Händler könnten dadurch Sortimente, Preise und Warenbestände präziser planen und Überproduktion reduzieren.

Für die Westfield Shopping City Süd steht damit auch die nächste Entwicklungsphase an. Bis zum 100-jährigen Bestehen 2076 könnten sich die Grenzen zwischen Shopping, Freizeit, Gesundheit, Dienstleistungen und digitaler Welt weiter verschieben. (red)

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