Wie verbinden wir  jetzt KI und Mensch?
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Bahar Renschler
CAREER NETWORK Redaktion 17.09.2026

Wie verbinden wir jetzt KI und Mensch?

Die deutsche HR-Expertin Bahar Renschler ortet beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz auch Vorteile.

•• Von Alexander Haide

Unternehmen führen neue Technologien, neue Prozesse und KI-Systeme ein, doch während Abläufe schneller werden, kommen viele Menschen innerlich nicht hinterher. Mit der Business Health Academy setzt Bahar Renschler bei den aktuellen Problemen und Fragen an. Renschler: „Wenn Führungskräfte Stressmuster, Kommunikation und menschliche Belastungsgrenzen nicht mitdenken, entsteht zusätzlicher Druck. Genau hier entscheidet sich, ob Veränderung wirklich gelingt oder ob sie Menschen erschöpft.“
Wie Leadership, Mindset und strategische Selbstführung bei der Bewältigung der Herausforderungen durch KI helfen können, beleuchtet ­Renschler im ­medianet-Interview.

medianet: Was ist die Business Health Academy?
Bahar Renschler: Wir haben uns auf die Selbstführung von Teams, Unternehmen und Führungskräften spezialisiert – in drei Segmente aufgeteilt: Selbstführung, Strategie der Selbst- und Teamorganisation sowie Bodycode. Bodycode bedeutet, dass wir nicht nur unseren Kopf mitnehmen, sondern auch unseren Körper, da beides zusammenhängt.

medianet: Weshalb überfordert KI, wenn sie eigentlich Arbeitnehmer entlasten sollte?
Renschler: Arbeitnehmer fühlen sich überfordert, weil sie die Entlastung noch gar nicht spüren können. Die KI triggert menschliche Themen. Zum einen den Kontrollverlust durch die Frage, wie sich die eigene Arbeitswelt verändert. Andererseits spricht sie die eigene Identität an, da KI Prozesse und Arbeit schneller übernehmen kann. Es stellt sich die Frage, was die eigene Arbeit wert ist und wie sie den Arbeitsplatz verändert. Und KI betrifft die Selbstbegegnung. Unternehmen haben Prozesshandbücher für beinahe alles, außer für den Menschen selbst. Diese Umstände macht die KI nun sichtbar.

medianet: Wie sollten Führungskräfte mit dem Thema KI und deren Einsatz umgehen?
Renschler: Man beginnt mit der eigenen Selbstführung. Viele Führungskräfte führen zwar andere Menschen, haben aber nie gelernt, sich selbst zu führen. Eine Führungskraft ist in erster Linie für die Kommunikation und die Organisation im Unternehmen zuständig. Je sicherer sie selbst auftritt, desto besser kann sie andere Menschen führen. Umso empathischer und resilienter eine Führungskraft ist, desto leichter ziehen Mitarbeiter mit.
Wenn die Kommunikation und die Empathie fehlen, wird es schwierig und Mitarbeiter werden verunsichert. Dann beginnt das Feuerlöschen und Reagieren, anstatt in diesem Prozess sinnvoll zu agieren. Wir haben in Deutschland Führung nie richtig gelernt. Deshalb wird eine sehr gute Fachkraft oft zu einer Führungskraft, ohne eine Ausbildung, Vorbereitung oder ein Studium zur Menschenführung absolviert zu haben.

medianet: Müssten Führungskräfte nicht selbst über die Funktionsweise von KI Bescheid wissen, um diese Herausforderungen zu bewältigen?
Renschler: Natürlich geht die Arbeitswelt während der Einführung von KI normal weiter. Deshalb dürfen sich Führungskräfte nicht aus dem Alltag herausnehmen. Es geht nicht darum, wie die KI funktioniert, denn dafür gibt es geschulte Fachkräfte und sie ist bereits in Unternehmen im Einsatz. Es geht nicht um neue Prozesse, denn der Mensch ist es gewohnt, mit Neuerungen umzugehen und Systeme zu konfigurieren. Allerdings kann sich der Mensch selbst nicht konfigurieren, wodurch in manchen Gebieten Stress vorprogrammiert ist. Die KI bringt große Chancen mit sich, die aber nicht genutzt werden können, wenn innere Widerstände vorhanden sind.  Jetzt braucht es einen Wandel, damit Unternehmen nicht nur in Technologien und die Digitalisierung investieren, sondern die Mitarbeiter dabei mitnehmen.

medianet: Wie können Führungskräfte Mitarbeitern die Angst vor KI nehmen?
Renschler: Sie dürfen bei sich, bei ihrer eigenen Selbstführung, ansetzen. Sie dürfen anfangen, konstruktive Gedanken oder Fragen zu stellen: Wovor habe ich wirklich Angst? Worin liegen meine Stärken und meine Schwächen? Wie laufen eigentlich meine eigenen menschlichen Prozesse ab? Wie kann ich KI einsetzen, um meine Stärken besser zu nutzen, sodass sie sie mir nicht wegnimmt, sondern mich unterstützt?
Wenn wir uns nicht die Frage stellen: KI oder Mensch?, sondern: Wie verbinden wir beides? Dann können Menschen wieder eine wichtige Währung erschaffen: Zeit.

KI ist wie damals das Internet. Viele Menschen hatten auch da Bedenken, Ablehnung und eine Skepsis, heute gehört es ganz selbstverständlich zu unserem Alltag. Die KI ist da und die Arbeitswelt wird sich ändern. Wir werden einen Wandel erleben. Es gibt mittlerweile Berater wie mich, die Führungskräften und Unternehmen bei diesen Fragen zur Seite stehen.

medianet
: Was sind die ersten Anzeichen, dass die Verwendung von KI Führungskräfte und Mitarbeiter überfordert?
Renschler: Widerstand ist die erste Reaktion eines Menschen, der den Einsatz von KI nicht möchte. Da ist eine innere Blockade oder Angst vorhanden, vor Veränderung generell oder davor, von einer KI ersetzt zu werden.  Aber wir werden immer über eine Fähigkeit verfügen, die KI niemals haben wird: Emotionen. In den vergangenen Jahren haben wir nicht mehr lernen dürfen, mit Emotionen umzugehen, sondern haben uns mehr um Prozesse gekümmert. Heute werden wir mit unseren Emotionen konfrontiert, die wir zur Seite geschoben haben. Die KI ermöglicht jetzt die Chance, dass Menschlichkeit wieder ganz großgeschrieben werden kann.

medianet: Tut sich hier ein Konflikt der Generationen auf, zwischen ‚emotionslosen‘ Managern und der Life-Work-Balance der Gen Z?
Renschler: Die ältere Generation musste ganz andere Leistungen erbringen, es gab autoritäre Vorgesetzte. Die jungen Menschen stehen für sich ein und setzen Grenzen. Das sind wir, die ältere Generation, nicht mehr gewohnt. Die Nachkriegsgenerationen waren mit dem Wiederaufbau beschäftigt, durften keine Emotionen zeigen und hatten auch keine Zeit für Gedanken über eine Work-Life-Balance. Die Pandemie hat es nötig gemacht, Stille auszuhalten und es stellten sich erste Identitätsfragen. Die Außenwelt wurde still, aber die innere Stimme wurde lauter. Natürlich stellte sich die Frage, ob man nur lebt, um zu arbeiten, oder arbeite ich, um zu leben? Wenn Wohlstand vorhanden ist und es den jungen Menschen gutgeht, dann wächst der Raum für die Frage nach der Sinnhaftigkeit im Leben. Diese Frage stellte sich vor 15, zwanzig Jahren noch gar nicht.

medianet: Sie sind auch ehrenamtliche evangelische Seelsorgerin. Wie passt das eigentlich mit Themen wie Leadership und KI zusammen?
Renschler: Das ist kein Widerspruch. Wir haben gelernt, tausende Prozesse zu kontrollieren, Fehler zu analysieren und Kennzahlen zu lesen. Aber wir haben nicht gelernt, uns mit uns selbst zu beschäftigen. Wir lassen uns oft von äußerlichen Faktoren beeinflussen und reagieren meistens unbewusst darauf. Bewusstsein ist aber etwas unglaublich Wichtiges. Glaube beginnt immer bei uns, indem wir an uns selbst glauben und mutig sind.

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