Banken lassen Krypto noch links liegen
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FINANCENET Redaktion 04.09.2026

Banken lassen Krypto noch links liegen

Klassische Banken spielen beim Handel mit digitalen Vermögenswerten kaum eine Rolle, sagt BearingPoint.

••• Von Reinhard Krémer

Für Kryptowährungen gehen Österreicherinnen und Österreicher bislang vor allem zu spezialisierten Plattformen. Klassische Banken spielen beim Handel mit digitalen Vermögenswerten dagegen kaum eine Rolle. Tatsächlich haben bislang nur rund drei Prozent diesen Weg gewählt. Dabei wäre das Interesse vorhanden: 13% der Bevölkerung würden für ein Krypto-Investment ein Depot bei ihrer Hausbank nutzen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Management- und Technologieberatung BearingPoint.

Damit ist die Diskrepanz bei Banken deutlich größer als bei anderen Zugangswegen. Knapp zwölf Prozent würden über einen Online-Broker investieren, rund zwölf Prozent direkt über eine Kryptobörse und gut neun Prozent über einen Krypto-Broker. Bei diesen Anbietern liegen Nutzungsbereitschaft und tatsächliche Nutzung wesentlich näher beieinander. Wer bereits Kryptowährungen handelt, setzt in Österreich vor allem auf spezialisierte Anbieter.

Bitpanda dominiert den Markt
Bei der Frage nach konkret genutzten Plattformen wird Bitpanda mit großem Abstand am häufigsten genannt. Mehr als vier von zehn Nennungen beim Handel entfallen auf den österreichischen Anbieter. Dahinter folgen Binance und Coinbase. Auch bei der Verwahrung liegt Bitpanda klar vorne. Insgesamt entfällt der Großteil der Nennungen beim Handel auf Krypto-Plattformen und -Börsen. Neo-Broker, Neobanken und Trading-Apps bilden die zweite relevante Anbietergruppe. Klassische Banken kommen dagegen lediglich auf einen kleinen Anteil.

„Der österreichische Kryptomarkt hat längst etablierte Kundenzugänge – und diese liegen heute überwiegend außerhalb der klassischen Banken. Spannend ist, dass gleichzeitig jede achte Person grundsätzlich über die eigene Hausbank investieren würde. Für Banken ist der Markt damit keineswegs verschlossen. Sie müssen allerdings entscheiden, ob und wie sie diesen Bedarf künftig bedienen wollen“, erklärt Christian Knedelstorfer, Partner bei BearingPoint.

Österreich ist anders
Auch im Vergleich mit unserem Nachbarn Deutschland zeigt sich, wie eigenständig der österreichische Markt funktioniert. Während dort Trade Republic beim Handel und bei der Verwahrung von Kryptowährungen an der Spitze liegt, spielt der Anbieter in Österreich nur eine vergleichsweise kleine Rolle.

Hier prägt mit Bitpanda vielmehr ein heimischer Anbieter den Kundenzugang. Für Banken ist dieser Unterschied relevant: Strategien und Markt­beobachtungen aus Deutschland lassen sich nicht eins zu eins auf Österreich übertragen. Der Wettbewerb um die Kundenschnittstelle ist hier bereits anders verteilt.

Hausbanken mit offener Flanke
„Wer vom deutschen Kryptomarkt direkt auf Österreich schließt, greift zu kurz. Der Kundenzugang wird hier von anderen Anbietern besetzt. Für Banken bedeutet das, dass sie den österreichischen Markt aus seiner eigenen Struktur heraus betrachten müssen“, so Knedelstorfer. Für BearingPoint zeigen die Ergebnisse vor allem eines: Die geringe Nutzung von Banken lässt sich nicht allein mit fehlendem Kundeninteresse erklären. Zwischen der grundsätzlichen Bereitschaft, über die Hausbank zu investieren, und der tatsächlichen Nutzung liegt ein deutlicher Abstand.

Kuchen noch nicht gegessen
Bei Krypto-nativen Anbietern fällt diese Lücke wesentlich kleiner aus.  Damit stellt sich für Banken zunehmend eine strategische Frage: Überlassen sie Handel und Verwahrung digitaler Vermögenswerte dauerhaft spezialisierten Plattformen oder bauen sie selbst einen Zugang für ihre Kundinnen und Kunden auf? „Der Kundenzugang ist heute klar verteilt, aber noch lange nicht endgültig vergeben. Die Zahlen zeigen ein konkretes Potenzial für Banken. Entscheidend wird sein, ob sie daraus ein Angebot machen, bevor sich die heutigen Nutzungsgewohnheiten weiter verfestigen“, sagt Knedelstorfer.

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