Erste-Group dank Polen-Zukauf im Halbjahr mit starken Ergebnissen
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Peter Bosek (CEO Erste Group), Stefan Dörfler (CFO Erste Group)
FINANCENET Redaktion 30.07.2026

Erste-Group dank Polen-Zukauf im Halbjahr mit starken Ergebnissen

Kundenkredite inklusive Polen plus 21,9% – Ausblick deutlich angehoben. CEO Bosek unterstreicht den „Entrepreneurial Spirit“ in CEE. 

WIEN. Die Erste Group Bank AG hat in den ersten sechs Monaten 2026 ihren Nettogewinn um 18,6% auf 2,0 Mrd. Euro gesteigert. Der Zuwachs beruht auf organischem Wachstum sowie der Erstkonsolidierung der Erste Bank Polska.

Das Kreditvolumen stieg inklusive der polnischen Tochtergesellschaft um 21,9% auf 282,7 Mrd. Euro. Aufgrund der Entwicklung hebt das Institut sein Gesamtjahresziel für das Kreditvolumen von 285 Mrd. auf rund 290 Mrd. Euro an. Die Einlagen erhöhten sich um 27,9% auf 323,7 Mrd. Euro.

Wachstumsanspruch
„Das kräftige Wachstum unseres Kreditportfolios in den vergangenen sechs Monaten hat uns bereits an unser ursprüngliches Kreditvolumenziel von 285 Milliarden Euro herangeführt“, sagt Peter Bosek, CEO der Erste Group. „Daher erhöhen wir dieses nun auf 290 Milliarden Euro. Mit diesem Wachstumsanspruch und unserer einzigartigen Präsenz mit acht führenden Banken in Zentraleuropa festigen wir unsere Position als unangefochtener Kreditgeber und Finanzierungspartner der Region.“ 

Der Zinsüberschuss wuchs im Berichtszeitraum um 42,3% auf 5,4 Mrd. Euro, während der Provisionsüberschuss um 25,1% auf 1,9 Mrd. Euro zulegte. Die Betriebserträge stiegen auf knapp 8,0 Mrd. Euro (+40,4%), die Betriebsaufwendungen lagen bei 3,5 Mrd. Euro. Das Betriebsergebnis verbesserte sich um 49,3% auf 4,4 Mrd. Euro. Die Kosten-Ertrags-Relation sank auf 44,4%.

Die Risikokosten stiegen auf 583 Mio. Euro, bedingt durch Einmaleffekte im Zuge der Erstkonsolidierung in Polen. Die Belastung durch Bankensteuern verdoppelte sich auf 392 Mio. Euro. Die harte Kernkapitalquote (CET1) lag bei 15,2%.

„Die Konsolidierung unserer neuen polnischen Tochterbank hat sich erwartungsgemäß positiv in den ausgewiesenen Zahlen niedergeschlagen. Gleichzeitig sind wir auch in unseren etablierten Märkten im Kerngeschäft stark gewachsen“, erklärt Stefan Dörfler, CFO der Erste Group.

Für das Gesamtjahr 2026 rechnet die Bankgruppe nun mit einer Eigenkapitalverzinsung (ROTE) von über 20%. Bis 2030 wird eine Verdoppelung des Ergebnisses je Aktie auf über 15 Euro angestrebt.

Unternehmergeist und doch …
Bei der näheren Analyse der einzelnen von der Erste Group betreuten Märkte hebt Peter Bosek den in CEE vorherrschenden „Entrepreneurial Spirit“ hervor. Der damit einhergehende Gründerboom sowie ein starker Aufholwille in Verbindung mit Produktivitätssteigerungen und EU-Förderungen hätten in Zentraleuropa zwischen 2007 und 2025 zu einem BIP-Wachstum von 63% geführt. Bosek setzt angesichts des vorherrschenden „Stillstands Westeuropas“ strategisch auf die Nutzung des „CEE-Momentums“: Aus CEE kommen mittlerweile immerhin zwei Drittel des Nettogewinns der Erste Group. Bis auf Rumänien entwickeln sich die Zahlen überall recht positiv, Bosek ist aber überzeugt, dass auch Rumänien dorthin „zurückkommen“ wird. 

Mit vielversprechenden volkswirtschaftlichen Zahlen und ca. 38 Mio. Einwohnern hat Polen die besondere Aufmerksamkeit der Erste Group gewonnen. Polen habe von 2015 bis 2025 Produktivitätssteigerungen von über 30% erreicht. Kein Wunder also, dass die Erste Group hier besonders aktiv wird und im Jänner dieses Jahres 49% der Anteile der Erste Bank Polska übernahm. Produktiv war man hier auch beim Rebranding: Es erfolgte im April innerhalb von nur zwei Tagen. medianet berichtet darüber demnächst in der Printausgabe.

… auch Verstaatlichung?
CEO Bosek macht bei seiner Analyse nicht bei der Mikroökonomie halt , sondern geht auch auf aktuelle volkswirtschaftliche und infrastrukturelle Herausforderungen ein: Es sei absehbar, dass mit dem Einsatz neuer Technologien – wie etwa KI – der Strombedarf in Kürze signifikant steigen werde. Abgesehen davon, dass es Engpässe bei der Stromproduktion geben könnte – die manche Staaten durch kleine Atomreaktoren lösen wollen –, gibt es auch großen Aufholbedarf bei den dafür benötigten Leitungen. Bosek: „Österreich sollte am ‚Driver‘s Seat‘ sitzen, wenn es um die eigene digitale Infrastruktur geht.“ Tut es aber nicht, denn die hier aktiven Player kommen aus China, Deutschland oder mehrheitlich aus Mexiko … Dazu hat Bosek eine außergewöhnliche Idee: Wenn die ÖBAG beispielsweise 15% ihres Beteiligungsportfolios an die Börse brächte, könnte sie die Übernahme der 60,8-prozentigen Beteiligung der mexikanischen América Móvil an der Telekom Austria AG finanzieren. (OJ) 

Website: erstegroup.com

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