WIEN. Im medianet-Format „financenet“ sprach Herausgeber Chris Radda mit Gerhard Wagner, Geschäftsführer der KSV1870 Information GmbH, über Bonität, Compliance, Digitalisierung und die wachsende Bedeutung verlässlicher Wirtschaftsinformationen.
Wissen ist Macht
Die Frage, mit wem Unternehmen Geschäfte machen, ist so alt wie der Handel selbst. Doch in einer zunehmend digitalisierten Wirtschaft, in der Geschäftsprozesse automatisiert ablaufen und regulatorische Anforderungen steigen, gewinnt sie neue Aktualität.
Die KSV1870 Information GmbH versteht sich dabei als neutraler Informationsdienstleister für Wirtschaft und Finanzsektor. Ihre Aufgabe sei es, so Wagner, „Wissen zu schaffen und Werte zu sichern“. Unternehmen sollen auf Basis geprüfter Informationen Entscheidungen treffen können – datenbasiert, technologisch unterstützt und mit möglichst wenig subjektiver Einschätzung.
Bonitätsprüfung im Zentrum
Im Zentrum steht weiterhin die klassische Bonitätsprüfung. Zwar habe sich die Methodik seit der Gründung des KSV1870 massiv verändert, der Grundgedanke sei jedoch gleich geblieben. „Das Thema Überprüfung von Bonitäten beziehungsweise Prävention von Zahlungsausfällen ist ein zeitloses Thema“, betonte Wagner: „Schon 1870 haben sich Textilhändler über gute und schlechte Zahler ausgetauscht, um sich gegenseitig vor Ausfällen zu schützen.“ Heute geschieht das mit großen Datenbanken, Hochtechnologie und menschlicher Recherche. Die KSV1870-Datenbank umfasst rund 640.000 Unternehmen in Österreich – vom Firmenbuchunternehmen bis zum nicht protokollierten Einzelunternehmer. Gerade in einem KMU-Land wie Österreich sei das wesentlich, sagte Gerhard Wagner.
Neue Schwerpunkte
Viele kleinere Betriebe hätten keine eigenen Abteilungen für Risiko, Compliance oder regulatorische Prüfungen. Für sie sei es entscheidend, an einer Stelle Informationen zu erhalten, die Zahlungsausfälle, administrative Belastungen und rechtliche Unsicherheiten reduzieren.
Zugleich hat sich das Geschäft der Wirtschaftsauskunfteien deutlich verbreitert. Ging es früher primär um die Frage, ob eine Rechnung bezahlt wird, stehen heute auch Geldwäscheprävention, politische Exposition, kritische Infrastruktur, Lieferketten, ESG-Themen und regulatorische Nachweise im Mittelpunkt. „Wir kennen eine Vielzahl von Regulatorik, die aus Brüssel gekommen ist und bei uns umzusetzen ist“, so Wagner. Der KSV1870 hilft Unternehmen, diese Anforderungen praktikabel zu bewältigen.
Know Your Customer
Ein zentraler Begriff ist dabei „Know Your Customer“. Unternehmen müssen wissen, mit wem sie es zu tun haben – nicht nur aus wirtschaftlichem Interesse, sondern zunehmend auch aus rechtlichen Gründen. Wagner verwies auf Betrugsprävention, Identitätsprüfung und die Frage, ob handelnde Personen tatsächlich zeichnungsberechtigt sind. Vieles lasse sich heute hochautomatisiert und nahezu in Echtzeit prüfen. Dennoch bleibe menschliche Expertise unverzichtbar: Der KSV1870 arbeite mit einem hybriden Modell aus Technologie, Datenbanken und bis zu 100 Wirtschaftsrechercheuren. „Den vielzitierten Human in the Loop leben wir als Konzept“, sagte Wagner.
Für den Experten ist Finanzbildung ein persönliches Anliegen. Mehr als 50 Mitarbeiter der KSV1870 Gruppe seien an Schulen, Universitäten und Bildungseinrichtungen im Einsatz, um junge Menschen über Verschuldungsprävention, Finanzplanung und Konsumfallen zu informieren. Gerade in Zeiten von „Buy now, pay later“ ist dies aktueller denn je. (rk)
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