•• Von Sabine Stehrer
WIEN. Für den sogenannten Pharma-Branchenbarometer befragt der Verband der pharmazeutischen Industrie Pharmig jedes Jahr seine rund 120 Mitgliedsunternehmen dazu, wie sie ihre wirtschaftliche Lage bewerten, auch zu ihren Erwartungen, was ihre zukünftige Entwicklung anbelangt und zu weiteren Themen. Durchgeführt werden die Umfragen für den Barometer von der Peter Hajek Public Opinion Strategies GmbH.
Von der diesjährigen Umfrage liegen nun die Ergebnisse vor. Sie zeigen, dass die heimischen Pharmaunternehmen die generellen Rahmenbedingungen ein wenig besser einschätzen als in den vergangenen zwei Jahren: 58% geben ihnen ein „befriedigend“, 25% finden sie „zufriedenstellend“, 17% „nicht zufriedenstellend“. Ihre wirtschaftliche Lage bewerten die Unternehmen aber immer schlechter, und sie blicken auch noch mit wachsender Skepsis und Unsicherheit in die Zukunft.
Nur vier Prozent optimistisch
Vor zwei Jahren, 2024, haben noch mehr als die Hälfte, 58%, der Unternehmen aus der Pharmabranche ihre Lage als „gut“ eingestuft. Schon etwas weniger taten das mit 52% 2025, und 2026 empfinden nur noch 44% ihre Lage als gut. Die Zahl der Unternehmen, die ihre Lage als „schlecht“ bezeichneten, verdreifachte beziehungsweise verdoppelte sich von zwei Prozent im Jahr 2024 und drei Prozent im Jahr 2025 auf sechs Prozent in diesem Jahr.
Drastisch verschlechtert hat sich die Einschätzung der Entwicklung der Unternehmen in der nächsten Zukunft. Mit 40% gaben zuletzt fast doppelt so viele wie 2024 und 2025 an, dass sie eine ungünstige Entwicklung erwarten. Die Zahl der Pharmaunternehmen, die eine gute Entwicklung sehen, also optimistisch in die Zukunft blicken, halbierte sich heuer gegenüber den Jahren 2025 und 2024 auf vier Prozent.
US-Einflüsse befürchtet
Ein weiteres Thema der Befragung waren mögliche Auswirkungen der US-Medikamentenpreispolitik, konkret der „Most-Favored-Nation“-Politik, die darauf abzielt, amerikanische Arzneimittelpreise stärker an den niedrigsten Preisen vergleichbarer europäischer Industrieländer auszurichten. Dies hätte die Folge, dass sich Preisentscheidungen, die in Europa getroffen werden, unmittelbarer auf den US-amerikanischen Pharmamarkt auswirken würden. Gleichzeitig sind mit der Most-Favored-Nation-Politik Industrienationen dazu aufgefordert, einen aus US-Sicht faireren Beitrag zur Entwicklung neuer Therapien zu leisten.
In den Antworten auf die Frage nach den möglichen Einflüssen auf Österreich werden Befürchtungen deutlich, was die Zukunft der Versorgung anbelangt. 87% der Befragten halten einen verzögerten Zugang für die heimischen Patienten zu neuen Therapien für wahrscheinlich. Mehr als zwei Drittel, 69%, erwarten, dass weniger innovative Medikamente auf Österreichs Markt kommen. 65% befürchten einen Rückgang von Investitionen in den Pharmastandort Österreich. Fast alle Unternehmen, 91%, befürchten längere Erstattungs- und Finanzierungsprozesse auf Medikamentenebene.
Appell an die Politik
Angesichts der Ergebnisse der Befragung für den Pharma-Branchenbarometer appelliert der Generalsekretär der Pharmig Alexander Herzog an die Politik, den Pharmastandort Österreich zu stärken. Dies „idealerweise mit der von der Politik bereits in Aussicht gestellten Life-Sciences-Strategie. Herzog: „Die aktuelle Befragung zeigt, dass die Unsicherheit in der Branche zunimmt. Wenn Investitionen zurückgehen und sich Prozesse verlangsamen, kann das langfristig Folgen für die Forschung, die Produktion und den Zugang zu innovativen sowie auch zu bewährten Therapien haben.“