••• Von Sabine Stehrer
WIEN. Wünschen Sie sich die Möglichkeit, Arzneien gleich direkt an Ihre Patienten abgeben zu können? Diese Frage wurde im März 1021 Wiener Kassen- und Wahlärzten online gestellt. Mit 61 Prozent bejahten fast zwei Drittel, sich das sogenannte Abgaberecht zu wünschen. Auf der Basis dieses Umfrageergebnisses fordert die Wiener Ärztekammer (ÄKW) nun für die Ärzte in Wien das Gewünschte.
Die Befragung, durchgeführt von der Peter Hajek Public Opinion Strategies GmbH im Auftrag der ÄKW, zeigte auch: Käme das Abgaberecht, wären etliche Wiener Ärzte dazu bereit, „das zu tun, was sich die Politik von uns Ärzten wünscht“, wie die ÄKW-Vizepräsidentin und Obfrau der Kurie niedergelassene Ärzte Naghme Kamaleyan-Schmid bei der Präsentation der Umfrageergebnisse sagte: „Wir würden Randzeiten abdecken, die Öffnungszeiten erweitern, und für einige Wahlärzte wäre die Medikamentenabgabe sogar eine Motivation, ins Kassensystem zu wechseln.“
Auch für die Patienten wäre die direkte Abgabe „von großem Vorteil, da sie nach dem Arztbesuch nicht noch krank in die Apotheke gehen müssten“, sagte ÄKW-Präsident Johannes Steinhart. Eine Hajek-Umfrage unter 1000 Wiener Patienten, durchgeführt 2024, habe auch ergeben, dass sich zwei Drittel der Patienten wünschen, ihre Medikamente gleich von ihren Ärzten zu bekommen.
Neben den Befürwortern des Abgaberechts unter den Ärzten wären selbst einige Skeptiker bereit, die Medikamentenabgabe zunächst in einem Pilotversuch zu testen. Letztere befürchten durch das Recht noch mehr Bürokratie und erwarten sich davon kaum wirtschaftliche Vorteile.
Finanzielle Belastung
Die Österreichische Apothekerkammer (ÖAK) sieht das freilich anders: Ihrer Einschätzung nach geht es den Ärzten nur darum, durch die Medikamentenabgabe mehr Geld einzunehmen, heißt es in einer Reaktion. Man wolle den Apotheken damit „die Grundlage entziehen“. Außerdem würden Ärzte mit dem Abgaberecht oft mehr oder teurere Arzneimittel verschreiben, was eine zusätzliche finanzielle Belastung für das Gesundheitssystem bedeute.