••• Von Martin Rümmele
WIEN. Die Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes (ÖGKV), Elisabeth Potzmann, sieht das österreichische Pflegesystem vor „enormen Herausforderungen“. Dieser Tage präsentierte sie ihr neues Buch „Löcher stopfen. Pflegepolitik in Österreich zwischen Versagen und Hoffnung“. Es solle als „Ermutigung für mutige Schritte“ dienen, sagte sie bei der Vorstellung mit Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) und der Vize-Rektorin der Hochschule Campus Wien, Elisabeth Haslinger-Baumann.
Als eine der größten Herausforderungen benennt Potzmann den demografischen Wandel mit der zunehmend alternden Gesellschaft. Dies betreffe nicht nur die Altenpflege und -betreuung, sondern auch die Versorgung im Krankenhaus. Optimierungsmöglichkeiten sieht sie etwa bei der nach wie vor zersplitterten Ausbildungslandschaft mit einer „unübersichtlichen Vielfalt an Ausbildungsmodellen“ und bei den unklaren Qualitätsstandards. Thematisiert wird auch die fehlende Kompetenz des Bundes, die Rekrutierung von Pflegekräften aus dem Ausland, die Patientenlenkung und bauliche Mängel von Pflegeeinrichtungen.
Experten im Interview
In sechs Interviews lässt die Präsidentin Expertinnen und Experten zu Wort kommen, etwa die Pflegewissenschaftlerin Daniela Schoberer von der Meduni Graz. Migrationsforscherin Judith Kohlenberger verweist in einem weiteren Kapitel auf die Notwendigkeit der Zuwanderung, um den Pflegekräftemangel abzufedern. Gleichzeitig betont sie, dass Auslandsrekrutierung allein das Problem nicht lösen werde: „Sie kann den Mangel abmildern, mehr nicht.“
Auch in einem Interview mit dem Gesundheitsexperten Ernest Pichlbauer geht es um das „Stopfen“ von Löchern: Während die Pflegeheime aufgrund der Historie der „Siechenhäuser“ in die Zuständigkeit der Gemeinden fallen, sei die ambulante Pflege „nicht klar geregelt und deshalb auch wenig vorhanden“. Hier geschehe „nichts anderes als Löcher stopfen“. Ähnlich sieht er die Finanzierungsfragen: Pflege sei bekanntlich Aufgabe der Bundesländer, da sie Teil des Sozialsystems ist, das föderal organisiert ist. Daher fehle die Bundeskompetenz, um „Long-Term-Care“ bundesweit gesetzlich zu erfassen. “
Potzmann erklärte gegenüber der APA, sie wolle mit dem Buch problematische Muster im Pflegebereich beschreiben. „Fast noch wichtiger ist es mir aber aufzuzeigen, dass das nicht so bleiben muss.“
Buchtipp
Elisabeth Potzmann: „Löcher stopfen. Pflegepolitik in Österreich zwischen Versagen und Hoffnung.“ Ampuls Verlag,
ISBN: 978-3-9505385-7-1