•• Von Silke Tabernik
Die großen Pharmakonzerne können auf ein überwiegend starkes zweites Quartal 2026 zurückblicken. Mehrere Unternehmen übertrafen die Erwartungen der Analysten und hoben ihre Prognosen für das Gesamtjahr an. Gleichzeitig zeigt sich, wie schnell sich diverse Kräfteverhältnisse verschieben: Patentabläufe lassen einstige Kassenschlager einbrechen, während neue Hoffnungsträger deren Platz einnehmen sollen.
Patentablauf bei Novartis
Besonders deutlich wird dies bei Novartis. Der Schweizer Konzern musste einen Einbruch bei seinem Herzmedikament Entresto verkraften. Nach dem Ende des Patentschutzes halbierten sich die Erlöse. „Wir standen im ersten Halbjahr vor dem größten Patentablauf unserer Geschichte“, sagte Vorstandschef Vas Narasimhan. Dass das Unternehmen wieder auf Wachstumskurs kam, lag vor allem an neuen Präparaten. Das Brustkrebsmittel Kisqali, das Multiple-Sklerose-Medikament Kesimpta sowie die Krebsmedikamente Pluvicto und Scemblix legten kräftig zu. Insgesamt stieg der Umsatz um knapp drei Prozent auf 14,4 Mrd. USD.
Auch Bayer muss mit dem Auslaufen von Patenten umgehen. Die Erlöse mit dem Blutverdünner Xarelto und dem Augenmedikament Eylea gingen deutlich zurück. Aufgefangen wurden diese Einbußen durch das Wachstum der Arzneimittel Nubeqa gegen Prostatakrebs und Kerendia gegen Nierenleiden. Den entscheidenden Beitrag zum guten Quartal leistete allerdings das Agrargeschäft. Insgesamt kletterte der Konzernumsatz um gut ein Prozent auf 10,87 Mrd. €.
GSK will sparen
Mit einem Sparprogramm wappnet sich der britische Pharmakonzern GSK für den anstehenden Patentablauf beim HIV-Medikament Dolutegravir. Zwar stieg der währungsbereinigte Umsatz um fünf Prozent auf 8,4 Mrd. GBP, dennoch sollen bis 2029 jährlich 1,9 Mrd. GBP eingespart werden.
Krebsmedikamente gehören auch bei anderen Konzernen zu den wichtigsten Umsatzbringern. Bei Merck & Co (MSD) bleibt Keytruda der zentrale Kassenschlager. Der Umsatz mit dem Krebsmedikament stieg um fünf Prozent auf 8,37 Mrd. USD. Insgesamt legten die Erlöse des Konzerns auf 16,61 Mrd. USD zu. Zusätzlichen Schub liefert die neue, unter die Haut gespritzte Darreichungsform QLEX.
Auch die Nummer Eins der Branche, Johnson & Johnson profitiert von der eigenen Onkologie-Pipeline. Die Arzneimittel Darzalex, Rybrevant und Lazcluze gaben dem US-Konzern Rückenwind. Der Umsatz stieg auf gut 25 Mrd. USD. Gleichzeitig versucht J&J, den Rückgang beim früheren Blockbuster Stelara durch neue Produkte wie dem Psoriasis-Medikament Icoytde auszugleichen.
Abnehmmarkt boomt
Bei AstraZeneca legte der Umsatz um fünf Prozent auf 15,38 Mrd. USD zu. Damit trat das Unternehmen Sorgen über seine langfristigen Wachstumsaussichten entgegen, die nach dem jüngsten Fehlschlag einer klinischen Studie aufgekommen waren.
Dynamisch bleibt der Markt für Medikamente zur Gewichtsreduktion. Eli Lilly konnte den Umsatz um fast die Hälfte auf knapp 23 Mrd. USD steigern. Treiber waren die Gewichtssenker Mounjaro und Zepbound. Die neue Abnehmpille Foundayo kam auf knapp 100 Mio. USD. Der Gewinn erhöhte sich um rund ein Viertel auf 7,1 Mrd. USD. Lilly hob seine Umsatzprognose erneut an.
Konkurrent Novo Nordisk meldete einen bereinigten operativen Gewinn von 33,4 Mrd. dänischen Kronen – elf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Hersteller von Wegovy hob ebenfalls seine Prognosen an. Dennoch gab es Rückschläge: Allein auf die experimentelle Abnehmpille Monlunabant wurden vier Milliarden Kronen abgeschrieben.
Blockbuster treibt Geschäft
Auf einen einzelnen Blockbuster setzt Sanofi. Die Erlöse mit Dupixent stiegen um 37,6% auf 5,15 Mrd. €. Insgesamt erhöhte sich der Umsatz des Konzerns um 16% auf 11,60 Mrd. €. Sparen steht hingegen bei Pfizer auf dem Plan. Der US-Konzern überraschte zwar mit einem Umsatzplus von drei Prozent auf gut 15 Mrd. USD. Unter dem Strich schrieb Pfizer wegen Abschreibungen nach dem Scheitern einer Studie zu einem Lungenkrebsmedikament allerdings einen Verlust von 248 Mio. USD.
Merck konnte seine Jahresziele erneut anheben. Der Umsatz stieg auf 5,4 Mrd. €. Wachstum kam aus dem Geschäft mit Lösungen für die Arzneimittelproduktion, seltenen Erkrankungen und Halbleitermaterialien. Generika-Spezialist Sandoz wächst vor allem mit Biosimilars. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz auf knapp 5,8 Mrd. USD, die Biosimilar-Sparte legte währungsbereinigt um 20% zu.
Ersatz für Covid-Impfstoff
Beim Biotechkonzern Moderna stiegen die Einnahmen auf 145 Mio. USD. Neue Produkte wie ein Grippe-Impfstoff sollen die rückläufigen Covid-Impfstoffverkäufe ausgleichen. Gleichzeitig sorgte ein Rückschlag bei einem experimentellen Norovirus-Impfstoff für Enttäuschung.