••• Von Helga Krémer
Lager, Materialflüsse und innerbetriebliche Transporte galten lange als operative Bereiche im Hintergrund. Inzwischen rücken sie zunehmend ins Zentrum unternehmerischer Entscheidungen. Steigende Energiekosten, der anhaltende Fachkräftemangel, geopolitische Unsicherheiten, neue regulatorische Anforderungen und der rasche technologische Wandel setzen Unternehmen unter Druck. Sie müssen ihre Lager- und Materialflüsse neu organisieren, um lieferfähig, effizient und wettbewerbsfähig zu bleiben.
Der Trend Report 2026 von Toyota Material Handling Europe zeigt, welche Entwicklungen die europäische Intralogistik prägen werden und welche Investitionen unvermeidbar sind.
Gelungene Interaktionen
Dabei geht es weniger um eine bestimmte einzelne Technologie als um das Zusammenspiel mehrerer Entwicklungen. Künstliche Intelligenz (KI) steht zwar im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte, für Logistikverantwortliche ist jedoch vor allem die Automatisierung ganzer Prozesse ein entscheidender Hebel.
Automatisierte Lagerung, Kommissionierung und Transporte sollen Produktivität und Resilienz erhöhen und gleichzeitig die Abhängigkeit vom Arbeitsmarkt verringern. Ergänzend gewinnen digitale Transparenz, intelligente Energieversorgung und Sicherheitskonzepte an Bedeutung.
„Die Anforderungen an Unternehmen haben sich grundlegend verändert. Lieferfähigkeit, Energieeffizienz, Fachkräftesicherung und Nachhaltigkeit müssen heute gemeinsam gedacht werden. Intralogistik entwickelt sich damit von einem Kostenfaktor zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor“, sagt dazu Oskar Zettl, Geschäftsführer von Toyota Material Handling Austria.
Vielerlei Technologie trifft …
Der Report identifiziert acht zentrale Themenfelder. An erster Stelle steht die weitere Automatisierung von Lagerung, Kommissionierung, innerbetrieblichen Transporten sowie Be- und Entladeprozessen. Automatisierte Systeme können wiederkehrende Aufgaben übernehmen, Fehlerquoten reduzieren und Abläufe auch bei angespanntem Arbeitsmarkt stabil halten. Für Unternehmen wird damit die Frage wichtiger, welche Prozesse sich technisch und wirtschaftlich automatisieren lassen.
Auch KI verändert die Logistik. Anwendungen reichen von Nachfrageprognosen und Flottenmanagement über Predictive Maintenance bis zur Optimierung von Lagerbeständen und Materialflüssen. Statt nur einzelne Abläufe zu unterstützen, soll KI zunehmend dabei helfen, Prozesse vorausschauend zu steuern. Damit entwickelt sich die Technologie von einem Zukunftsthema zu einem Werkzeug für konkrete Produktivitätsgewinne. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Energiemanagement. Die zunehmende Elektrifizierung von Flurförderzeugen und automatisierten Systemen erhöht den Strombedarf und macht Energie zu einem strategischen Produktionsfaktor. Unternehmen setzen daher verstärkt auf intelligentes Lastmanagement, dynamische Ladeprozesse, Batteriespeicher und eigene Energieerzeugung. Entscheidend ist dabei nicht nur die Reduktion der Energiekosten, sondern auch eine höhere Versorgungssicherheit.
… auf Anforderungen, und …
Parallel dazu steigt der Druck durch regulatorische Anforderungen. ESG-Berichtspflichten, Dekarbonisierung und mehr Transparenz entlang der Lieferketten machen Nachhaltigkeit zu einem Bestandteil von Investitions- und Betriebsentscheidungen. Digitale Plattformen sollen dabei helfen, Waren- und Materialströme durchgängig abzubilden. Das schafft mehr Transparenz und kann Unternehmen dabei unterstützen, Lieferketten frühzeitig auf Störungen oder Veränderungen auszurichten.
Auch die Sicherheit wird wichtiger. Mit dem wachsenden Einsatz automatisierter Fahrzeuge und vernetzter Systeme verändern sich die Anforderungen an Arbeitsplätze und Betriebsabläufe. Sicherheitskonzepte müssen daher stärker auf das Zusammenspiel von Menschen, Maschinen und digitalen Systemen ausgerichtet werden.
… alle brauchen in Zukunft …
„Die erfolgreichsten Unternehmen werden künftig jene sein, die Digitalisierung, Automatisierung, Energie und Nachhaltigkeit nicht als Einzelprojekte betrachten, sondern als zusammenhängende Strategie. Genau dort entstehen die größten Produktivitäts- und Wettbewerbsvorteile“, so Josef Dax, Director Sales & Logistics Solutions Toyota Material Handling Austria.
Für Unternehmen bedeutet das einen Perspektivwechsel: Investitionen in Lagertechnik und innerbetriebliche Logistik werden nicht mehr ausschließlich nach kurzfristigen Kosten beurteilt. Entscheidend sind zunehmend Faktoren wie Skalierbarkeit, Energieverbrauch, Personalbedarf, Ausfallsicherheit und die Fähigkeit, auf veränderte Nachfrage zu reagieren. Gerade angesichts volatiler Lieferketten wird eine robuste Intralogistik damit zu einem Teil der Unternehmensstrategie.
… strategische Ansätze
Der Trend Report basiert auf Einschätzungen führender Logistikexperten und analysiert technologische, wirtschaftliche und regulatorische Entwicklungen, die die europäische Intralogistik in den kommenden Jahren prägen werden – denn die Branche steht vor einem grundlegenden Wandel: Aus der klassischen Lager- und Transportlogistik wird zunehmend ein vernetztes System, in dem Automatisierung, KI, Energie und Nachhaltigkeit ineinandergreifen. Wer diesem Wandel Rechnung trägt, kann nicht nur Kosten senken, sondern auch die Widerstands- und Wettbewerbsfähigkeit seines Unternehmens stärken.