In einem Bächlein helle, da schoss in froher Eil, die launische Forelle – warum die Forelle im berühmten Lied von Franz Schubert launisch und nicht vielleicht doch launig ist, wird von Schubert weder erklärt noch ist es überliefert. Fakt ist: 1820, als das Lied erschien, gab es in Mitteleuropa im Vergleich zu heute noch sehr viel mehr Forellen in den Gewässern. Heutzutage ist die Wahrscheinlichkeit, dass hierzulande eine Forelle aus der Aquakultur auf dem Teller landet, groß. Ob Bächlein oder Aquakultur – ohne passenden Lebensraum bleibt die Forelle launisch.
Aber wie erreicht man launige Forellen in Aquakultur? „Es liegt am Sauerstoffgehalt im Zulaufwasser, denn dieser reicht bei intensiver Fischzucht nicht aus, um den Bedarf der Tiere zu decken. Besonders bei hohen Wassertemperaturen im Sommer sowie direkt nach der Fütterung steigt der Bedarf stark an, während hohe Besatzdichten zusätzlich Druck auf den Sauerstoffhaushalt ausüben“, erläutert Lukas Ritter, Technischer Vertriebsmitarbeiter für Lebensmittel und Umwelt bei Messer Austria. Dies gelte außerdem nicht nur für Forellen, sondern für alle Fische.
Genug Luft bekommen
Eine bedarfsgerechte Sauerstoffversorgung schaffe ideale Bedingungen für den aeroben Stoffwechsel der Fische, so der Experte. Die Tiere wachsen schneller, verwerten ihr Futter effizienter und entwickeln eine bessere Fleischqualität. Gleichzeitig sinkt das Stressniveau, die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten steigt und damit gehen Bestandsverluste spürbar zurück. Klingt logisch, ist es auch, und so mancher ließ sich zu „mehr Luft ins Becken“ verleiten.
Ein Fehler, den Ritter aufklärt: „Wird Umgebungsluft ins Wasser eingebracht, steigt nicht nur der Sauerstoff-, sondern auch der Stickstoffanteil – Stickstoff macht schließlich fast 80 Prozent der Luft aus. Ein Überschuss an gelöstem Stickstoff kann zu einer Gasübersättigung führen, die der Gesundheit der Fische schadet.“ Es muss also reiner Sauerstoff anstelle von Luft her.
Ein wenig Physik gefällig?
„Reiner Sauerstoff besitzt aufgrund seines Partialdrucks eine höhere Löslichkeit. In der Luft beträgt er 20,9 Prozent, in reinem Sauerstoff 100 Prozent. Somit ermöglicht die Verwendung von reinem Sauerstoff eine fünfmal höhere Löslichkeit und eine höhere Stoffübertragungsrate. Dementsprechend kann mehr Sauerstoff im Wasser gelöst werden, wodurch eine deutlich höhere Konzentration erreicht wird“, so Ritter.
Bei der Belüftung mit Luft könnten im Zulauf rund 9 mg/l Sauerstoff eingeleitet werden. Da die Konzentration im Wasser nicht unter etwa 6 mg/l fallen sollte, würde den Fischen effektiv nur 3 mg/l zur Verfügung stehen. Dank des höheren Partialdrucks sei reiner Sauerstoff deutlich besser löslich: Hier ließen sich im Zulauf leicht Konzentrationen von 12 mg/l oder mehr erreichen. Dadurch stünden den Fischen 6 bis 7 mg/l zur Verfügung – das entspricht einer nahezu verdoppelten Sauerstoffverfügbarkeit und erlaubt damit höhere Besatzdichten auf gleichem Wasservolumen und steigert die Wirtschaftlichkeit der Anlage.
Viele Vorteile
„Gerade im Sommer, bei hohen Wassertemperaturen und knapper Wasserverfügbarkeit, sichert die gezielte Sauerstoffzufuhr stabile Bedingungen und reduziert temperaturbedingte Ausfälle“, betont Ritter und führt aus: „Zugleich senkt das Verfahren den Stromverbrauch im Vergleich zur mechanischen Belüftung und verringert Investitions- und Betriebskosten. In Kreislaufanlagen unterstützt der zusätzliche Sauerstoff außerdem die Nitrifikation und damit eine stabile Wasserqualität.“
Automatisiert versorgen
Für diese angesprochene „gezielte Sauerstoffzufuhr“ hat Messer eine Technologie entwickelt, die die Dosierung von reinem Sauerstoff in das Wasser automatisiert: Farmox. „Dabei ermöglicht Farmox hohe Zuchtmengen bei geringem Wasserbedarf und eignet sich für alle Arten von Systemen, die in Fischfarmen eingesetzt werden. Das gilt sowohl für Anlagen mit kontinuierlichem Wasserdurchfluss als auch für Zuchtbetriebe mit Kreislaufsystemen, die geringe Mengen an Frischwasser benötigen. Hier sollte das Kreislaufwasser ständig mit reinem Sauerstoff angereichert werden“, beschreibt Ritter.
Da der Sauerstoffbedarf einer Aquakultur laufend schwankt – abhängig von Jahreszeit, Tageszeit, Wassertemperatur sowie Anzahl und Art der Fische – ist auch eine laufende Kontrolle nötig. Ritter dazu: „Mit Farmox steuern Sie die Zufuhr nach individuellen Tageskurven und decken so gezielt den Spitzenbedarf nach der Fütterung ab. Darüber hinaus ist mit unserer Entwicklung eine programmierte Steuerung des Sauerstoffbedarfs gemäß individueller Tageskurven möglich. Dadurch bleibt die Versorgung jederzeit kalkulierbar und exakt auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt.“
Guten Appetit!
Apropos Bedarf: Der Fischkonsum in Österreich steigt – Regionalität, Frische, nachvollziehbare Herkunft und natürlich Qualität sind bei Konsumenten gefragt. Gerne aus der Aquakultur, jedenfalls launig. Steht doch die Forelle bei den beliebtesten heimischen Speisefischarten auf Platz eins.
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